Barcelona nach dem Attentat: „Verleih uns Frieden, Herr“

Der Chorgesang geht unter die Haut. „Da pacem dominum – Verleih uns Frieden, Herr“ in der Vertonung von Arvo Pärt. Die Diakone richten für die Eucharistiefeier die Gaben Brot und Wein auf den Altar. Erzbischof Kardinal Joan Josep Omella hat am dritten Tag nach dem Terror-Anschlag auf der berühmten Flaniermeile Las Ramblas von Barcelona in die Basilika Sagrada Familia zu einem Gottesdienst für den Frieden eingeladen. Der weltberühmte Sühnetempel von Antoni Gaudi war gedrängt voll. Alle politischen Vertreter Spaniens, Kataloniens und der Stadt Barcelona – egal welcher politischen Ausrichtung – waren gekommen. Auch das spanische Königspaar und der portugiesische Staatspräsident. Mit rund 50 Bischöfen und Priestern sitze ich im Altarraum. In einer fast nicht mehr überbietbaren Eindringlichkeit legen wir unser flehentliches Bitten auf den Altar: „Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten.“

Was können wir tun, im Angesicht solch einer Tragödie? Über 600 Meter fuhr der Terrorist gezielt im Zick-Zack-Kurs mitten in die Menschenmenge und riss 15 Passanten grausam in den Tod, mehr als 100 Menschen erlitten zum Teil schwerste Verletzungen. Geschockt hält die ganze Welt den Atem an. Nach den unbegreiflichen Attentaten in Paris, London, Nizza, Brüssel und Berlin nun jetzt auch in der Touristen-Hochburg Barcelona derselbe unmenschliche Angriff auf die Menschheit. Auch wenn man es schon längst befürchtet hat, hat doch jeder gehofft, dass es nicht eintreffen würde. Der internationale Terror kennt keine Grenzen mehr. Und vor allem völlig Unschuldige sollen anscheinend getroffen werden, damit die Welt im Innersten getroffen und aus ihren Angeln gehoben wird.

Was suchen diese Gewalttäter – zum Teil noch nicht mal erwachsen – die immer ungehemmter Waffen auf andere richten? Was wollen sie erreichen? Was geht ihnen ab in ihrem Leben? Was ist die Ursache ihrer blinden Wut und ihres grenzenlosen Hasses? Wollen sie nicht auch leben? Meinen sie mit diesem Blutvergießen sich und der Welt Leben zu geben? Indem sie anderen, völlig Unschuldigen, das Leben grausam entreißen?

Ich weiß es nicht. Niemand gibt mir und der Welt darauf eine Antwort – nicht einmal mein Glaube. Die einzige Antwort, die gegeben werden kann, ist die Antwort, die die Barcelonesen gaben: zu helfen. Beizustehen, aufzuhelfen, zu halten, zu trösten, mitzutrauern, in den Arm zu nehmen. Dem Verletzten und Trauernden zu zeigen, Du bist nicht allein, ich bin bei Dir.

Und, auch unser Gott reagiert auf die Grausamkeiten der Welt mit derselben Antwort: Er fährt nicht mal schnell gewaltig drein, vernichtet die Terroristen und erstickt kurzerhand alles Böse im Keim. Gott ist einfach da. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. An der Seite der Verwundeten, Getöteten und Trauernden. Einer von ihnen, von uns.

Deshalb legen wir all unser Hoffen auf Frieden in seine Hand:

Da pacem, Domine, / in diebus nostris, / quia non est alius / qui pugnet pro nobis, / nisi tu Deus noster. – Verleih uns Frieden gnädiglich, / Herr Gott, zu unsern Zeiten. / Es ist doch ja kein andrer nicht, / der für uns könnte streiten, / denn du, unser Gott, alleine.

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Zu Besuch bei Pater Josef Schmidpeter in Arequipa

„Josef, kümmere dich um die Kranken und Armen“, das war und ist die Berufung, die P. Josef Schmidpeter verspürt und die den 81jährigen Comboni-Missionar aus dem Bistum Eichstätt bis heute nicht ruhen lässt.

Nachdem er von 1982 bis 1994 bereits in Peru tätig war ist er vor sechs Jahren wieder an seine alte Wirkungsstätte zurückgekehrt, an der er nie vergessen war. 2008 hat man aus Dankbarkeit für sein sozial-pastorales Wirken ein kommunales Hallenbad nach ihm benannt. Und auch in vergangenen Tagen habe ich die Liebe der Menschen zu ihrem „Padre Jose“ in der Pfarrei Buen Pastor in einem der armen Randgebiete von Arequipa erlebt. Man grüßt ihn über die Straße, Kinder winken ihm zu. Die Mitarbeiter im Altenheim freuen sich, wenn er vorbeischaut, und selbst die über 90jährige Indigene, die kein Spanisch spricht, ruft seinen Namen zur Begrüßung. Aktuell fehlen rund 8.000 Euro, um einen Aufzug in den zweiten Stock zu bauen, dann könnte die Aufnahmekapazität in der sehr familiär konzeptionierten Einrichtung verdoppelt werden.

Aber Schmidpeters größte Leistung sind seine beiden Polikliniken „Espiritu Santo“, in denen täglich 2000 Menschen von 140 Fachärzten behandelt werden. Viele der Mediziner haben auch eine eigene Praxis, aber einen Tag in der Woche arbeiten sie bei Padre Jose für die Armen und Kranken mit. Während des Streiks in den öffentlichen Krankenhäusern waren es täglich bis zu 2600 Hilfesuchende.

Stolz verweist P. Josef am Eingang auf die drei Tafeln mit Namen von Spendern und dass sein Heimatbistum ganz weit oben darauf steht. Auch der deutsche Botschafter hat sein herausragendes Werk gewürdigt.

So sehr er sich darüber freut, noch wichtiger sind ihm die Menschen, die als Kranke kamen, aber wie Menschen behandelt wurden. Dazu gehört auch, dass er als Klinikseelsorger wirkt, weil er aus Erfahrung berichten kann, dass viele Krankheiten seelische Ursachen haben. Darum sind ihm die Stunden im Beichtstuhl wichtig, als Ort der Versöhnung. „Leider gibt es aber unter den jungen Priestern wenige, die für diese Aufgabe Zeit aufwenden“, findet Schmidpeter, aufgrund seiner pastoralen Erfahrungen.

Leider ist der Aufenthalt hier viel zu schnell vorbei, um sein gesamtes Wirken nachvollziehen zu können. Dazu gehört zum Beispiel seine Zeit als Gründer des Kolpingwerks in Peru Mitte der 80er Jahre. Aber er hat auch in Zukunft noch viel vor. So will er in einer der Kapellen, in der am Samstagabend Mariä Himmelfahrt gefeiert wurde, einen Chor aufbauen und sich um die Ministranten kümmern. Missionare der alten Schule gehen halt nie in den Ruhestand. Was für ein Leben für die Armen und Kranken.