Eine ganz andere Mission

Als mein Vater im Sterben lag, informierte ich meinen Provinzial hier im Südsudan und ich war überrascht von seinem spontanen Vorschlag, doch sofort nach Hause zu fliegen. „Das ist jetzt deine Mission und zwar eine besondere“. Diese Worte hat er mir noch mit auf den Weg gegeben.

Es hat interessanterweise nicht lange gedauert und ich war bei meinem Vater. Die ganze Reise, quasi unerreichbar, habe ich mich gefragt, ob ich ihn noch lebend antreffen würde. Bei ihm angekommen, waren dann seine ersten Worte: „Gott sei Lob und Dank“. Vielleicht hat er auf den Sohn gewartet, der, neben den anderen vieren, in unerreichbarer Entfernung lebt?

Neun Tage konnte ich noch meinen Vater begleiten und mithelfen, ihn zu pflegen. Er wollte nicht mehr ins Krankenhaus. Das Herz war sehr, sehr schwach und sein Atem schwer. In diesen Tagen habe ich eine neue und tiefere Beziehung zu meinem Vater aufgebaut. Darüber bin ich froh und dankbar.

Mein Vater war kein besonders frommer Mann. Eher ein Mann mit Prinzipien. Es war für ihn klar, dass man sonntags in die Kirche geht und zu Tisch betet. Das tiefere Beten, so habe ich den Eindruck, hat er mit seiner Hoffnung auf den Himmel gelernt. Es wird für mich immer in Erinnerung bleiben, wie er in seinen letzten Tagen um das Gebet verlangt und gebeten hat. Wegen seines schweren Atems hat er kaum mehr mitbeten können. Die Luft hat dann gerade noch gereicht für: „jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.“ Dann war er schon wieder völlig ermattet. In diesen Tagen habe ich meine besondere Mission entdeckt. Der Sonntagabend (24. April), der Tage seins Todes, wird mir immer in Erinnerung bleiben. Auch fühle ich mich ihm jeden Sonntagabend besonders nahe.

Über die vergangenen Jahre hat mein Vater durch sein Hobby für sich und für uns alle in der Familie „Neue Welten“ und „tiefere Schichten des Lebens“ erschlossen. Er war Landkreis-weit bekannt für seine sehr großen Sammlungen von Fossilen, Rosenkränzen, Frömmigkeitsartikel, Sterbe- und Andachtsbildchen. Durch diese Dinge wurde ihm klar, dass das Leben in einem größeren Zusammenhang steht; weit über den Tod hinaus. Das hat ihm Hoffnung und Zuversicht gegeben und geholfen, dem Abschied vom Leben mit aufrechtem Sinn und Gottvertrauen entgegenzusehen.

Mein Vater war stolz auf das, was er alles gesammelt hat. Ich selbst habe mich zunehmend darüber gefreut, wie er sich mehr und mehr in die Reihe derer einbetten konnte, die schon im Himmel einen Platz für immer gefunden haben. In diesem Zusammenhang ist mir auch der Wert von Sterbebildchen bewusst geworden.

Bei der Beerdigung wurde dann das Lied: „Wir sind nur Gast auf Erden“ gesungen und ich habe mir gedacht wie wahr doch diese Worte sind.

Für mich heißt das: Mit leichtem Gepäck, mit froher Gesinnung und der Hoffnung, dass sich hinter dem Dunkel des Todes etwas Großes auftut, durch das Leben zu schreiten. Denn es wird maximal die Zeit einer Generation dauern, bis auch ich meinem Vater folgen werde.

Borie Noble: Frankreich abseits des EM-Rummels

Der Winter auf der Borie Noble ist überstanden, meine Ängste, dass er sehr lang, kalt und einsam sein würde, sind nicht wahr geworden. Vom Holzsägen hatte ich zwar irgendwann genug, aber der Winter war hier, wie in Deutschland, sehr mild und dadurch hielt sich die Arbeit in Grenzen. Ab und an habe ich ein warmes Bad vermisst und mir gewünscht, einfach die Heizung aufzudrehen anstatt Feuer zu machen, aber dafür ist das warme Zimmer, hat man dann mal den Ofen eingeschürt, umso gemütlicher.

Das warme Baden habe ich nachgeholt, als ich im Januar eine Woche zu Hause war, um Familie, Freunde und Nürnberg wiederzusehen. Den Luxus, den ein ganz normales Reihenhaus im Winter zu bieten hat, wusste ich zum ersten Mal wirklich zu schätzen. Außerdem habe ich mich – zu meinem Erstaunen – sehr gefreut, einfach wieder in Deutschland zu sein. Als ich aus dem TGV von Paris nach Augsburg ausstieg, hatte ich das Gefühl wieder zu Hause zu sein – merkwürdig, da ich noch nie zuvor in Augsburg war. Ich habe festgestellt, dass es stimmt: Man muss erst weggehen, um zu schätzen zu wissen, wo man herkommt. Beruhigend war außerdem das Gefühl, in Nürnberg noch alles an seinem Platz zu finden: Meine Eltern, einige meiner Freunde, meine Gemeinde.

Momentan ist die Borie Noble denke ich so schön wie nie im Jahr: Die ganze Natur geht auf, überall blühen wilde oder angebaute Blumen in allen Farben, die Bäume sind so strahlend hellgrün, wie ich sie noch nie in meinem Leben gesehen habe. Vor ein paar Wochen haben die Vögel zu Beginn des Frühlings gesungen, inzwischen beginnen die Grillen den Frühsommer anzukündigen. Die Klänge, die mich hier den ganzen Tag begleiten, sind die Bäume, die Vögel, die Grillen und der kleine Fluss, der im Tal fließt. Zu Beginn des Frühlings habe ich meine Hängematte aufgehängt und viel meiner Freizeit damit verbracht, darin zu liegen, die Bewegungen der Bäume in Wind zu betrachten und den Vögeln zuzuhören.

Zu dieser Zeit im Jahr merke ich noch intensiver als zuvor, wie einem hier, in der Abgeschiedenheit, alle Sinne aufgehen! Dadurch, dass ich nur eine begrenzte Anzahl an Gesichtern täglich sehe, kein Internet und Fernsehen habe und nicht von Schriftzügen und Werbung umgeben bin, nehme ich die Informationen, die ich bekomme, viel besser auf. Ich schaue jedem Menschen, der mir begegnet, ins Gesicht, ich nehme die Natur mit ihren Gerüchen, Geräuschen, Farben und Formen viel tiefer wahr. Ich bin nach innen und außen viel offener, wachsamer. Wenn ich in einer Stadt bin, merke ich, wie ich erst eine gewisse Reizüberflutung und Orientierungslosigkeit habe. Es sind zu viele Geräusche, Gesichter, Informationen, bis sich meine Sinne ein Stück weit verschließen und ich den normalen, schützenden „Tunnelblick“ entwickle. Zurück auf der Borie Noble höre ich erst wieder für einen Moment die Stille und atme in der unverschmutzten Luft tief durch.

Ab Januar waren wir hier nur eine kleinere Gruppe, weil keine Besucher kamen. Dadurch war es sehr ruhig und wir vier „longstagaire“ – Langzeitfreiwillige – sind ein eingespieltes Team geworden. Ich habe großes Glück, dass wir Freiwillige uns so gut verstehen, das ist wirklich wichtig, wenn man relativ isoliert in einer kleinen Gruppe lebt. Um Ostern herum setzte dann wieder mehr Trubel ein, es kamen mehr Freiwillige, außerdem meine und Rebeccas Familie, wir haben die Osterfeier vorbereitet und man konnte sich endlich wieder mehr draußen aufhalten.

Ostern wird hier einerseits sehr christlich begangen, andererseits wird auch als Ende des Winters gefeiert, das hier viel mehr Auswirkungen auf das ganze Leben hat als in der Stadt. Am Gründonnerstag gab es eine kleine Zeremonie zur Fußwaschung. Dabei hat jeder die Füße seines Nachbarn oder seiner Nachbarin gewaschen, es wurde gesungen, Texte gelesen und in der Runde Brot und Wein geteilt. Samstagabend war die eigentlich Osterzeremonie mit vielen Lieder und Texten, einem „Partage“ (ich habe dafür immer noch keine adäquate Übersetzung gefunden: im Rahmen eines kleinen Rituals teilt – wer will – seine Antwort auf eine persönliche Frage) zur Frage „Welche Saat möchte ich in mir aufgehen sehen?“ und einem Theater. Dieses zeigte die eher düsteren Persönlichkeiten der Ostergeschichte: Herodes, Pontius Pilatus, den Hohepriester – von mehreren engagées gut und interessant umgesetzt! Als kleine, positive Abschlussszene spielten die drei deutschen Eirene-Freiwilligen Lara, Rebecca und ich die Frauen, die das leere Grab finden und dem Engel begegnen. Das Proben – auf Französisch natürlich – und das Verkleiden als jüdische Frauen mit langen Röcken und großen weißen Tüchern um die Köpfe haben mit viel Spaß gemacht! Am Sonntag gab es dann Festessen mit Buffet, zu dem alle eingeladen waren, etwas beizutragen.

Allgemein habe ich Ostern tatsächlich viel mehr erlebt als in den Jahren zuvor. In denen habe ich zwar manche der Gottesdienste besucht und teilweise auch mitgestaltet, aber nie so gelebt und gefeiert wie hier. Die Freude und der Aufbruch, die von diesem Fest ausgehen – einerseits von christlicher Seite, andererseits das Ende des Winters – sind viel leichter zu erleben und greifbarer.

Inzwischen hat der Sommer Einzug gehalten, ich arbeite viel im Garten, ein Kalb wurde geboren… Bei meinen Arbeiten mache ich inzwischen genau das, was ich mir vorgestellt und gewünscht hatte. Die Hälfte der Zeit habe ich inzwischen feste, eher selbstständige Tätigkeiten: Einen Tag für die Gemeinschaft kochen, zwei Tage die Woche melken, meine Wäsche machen und seit Februar mit Rebecca zusammen die Hühner betreuen. Dafür muss ich sie füttern, ausmisten, die Eier einsammeln und kleine Reparaturen am Hühnerstall vornehmen, was mir alles viel Spaß macht. Mit den Hühnern haben wir auch endlich einen kleinen Sektor, in dem Rebecca und ich Verantwortung übernehmen und selbstständig arbeiten können. Es ist zwar kein großer Aufgabenbereich, für mich aber trotzdem wichtig.

Die andere Hälfte meiner Woche helfe ich dort, wo es gebraucht wird, in den verschiedenen Sektoren mit. Im Moment bin ich viel im Garten, wo wir zum Beispiel vor ein paar Wochen mehrere tausend Zwiebeln gesteckt haben. Ich habe aber in letzter Zeit auch beispielsweise auf dem Bauernhof mit Kartoffeln gelegt, in der Bäckerei für eine große Lieferung Kuchen gebacken, den Kleiderfundus entrümpelt, Zimmer gekalkt, Holz für den Brennofen der Töpferei gemacht und vieles mehr …

Bei meiner Entsendeorganisation Eirene haben alle Freiwilligen in den Mitte ihres Dienstes ein Zwischenseminar, bei dem es darum geht, den Friedensdienst bisher zu reflektieren, eventuelle Probleme zu besprechen und zu überlegen, was man in den letzten Monaten noch erreichen oder ändern möchte. Ich hatte mein Seminar vor etwa einem Monat in der Nähe von Grenoble in einer anderen Arche nach Lanza del Vasto, St. Antoine. Dazu kamen alle Eirene-Freiwilligen aus Belgien und Frankreich, insgesamt 13. Im Programm, das wir viel selbst mitgestalten konnten, standen – neben dem oben schon Erwähnten –  beispielsweise auch der Terror in Frankreich und Belgien, unsere persönliche Entwicklung seit Dienstbeginn, Mitarbeit im Garten der Arche St. Antoine, Einzelgespräche mit meiner Betreuerin und mehr. Ich habe mich sehr gefreut, die anderen Freiwilligen von Eirene wiederzusehen und hatte großen Spaß in der Woche. Manche der Einheiten haben mir geholfen, verschiedene Aspekte meines Lebens auf der Borie Noble klarer zu sehen, und haben mir Ideen und Motivation mit in die letzten Monate gegeben. Das Seminar hat auch mein Gefühl verstärkt, von Eirene gut durch mein Auslandsjahr begleitet zu werden.

Für meine letzten dreieinhalb Monate auf der Borie Noble habe ich vor allem vor, den Sommer hier in Südfrankreich voll genießen, mich noch mehr im Garten zu engagieren und Pläne für nach dem Jahr zu machen. Ich weiß aber jetzt schon, dass ich die Lebensweise und die Natur hier sehr vermissen und traurig sein werde zu fahren.

Die Farben der Seele

In schöner kalligraphischer Handschrift las ich den Satz: „Mit der Zeit prägen deine Gedanken die Farben deiner Seele.“ Ein Satz, den man in Stille auf sich wirken lassen kann. Stille, Einsamkeit und eine nicht sehr ausgeprägte Kommunikationskultur bringen viele Gedanken hervor, die man nicht abstellen kann.

Als ich vor 16 Jahren das erste Mal der damals einzige Gast im Karmel in Wemding war und totale Stille vorfand, merkte ich, wie laut es in einem selbst sein kann, dass das Leben lautstark ohne Worte weiter pulsiert, bis man langsam leerer wird. Dieses Leererwerden hatte aber auch mit den täglichen Gesprächen mit der Mutter Oberin zu tun.

Hier nun, nach fast zwei Jahren mit viel Zeit in Abgeschiedenheit und einer stillen meditativen Arbeit in der Benediktinerabtei Tabgha, nimmt die Stille andere Züge an. Zum einen schätze ich die Zweisamkeit mit Gott und das “Bei sich selbst zu Hause sein“ mit Blick auf den See Genezareth sehr. Es ist so schön, dass ich es selbst nicht fassen kann. Zeit, in der sich ein bisschen Himmel in der Seele widerspiegelt. Desgleichen auch, wenn wir in einer Lesestunde die Spur Gottes in unserem Leben suchen, das Wort Gottes teilen oder in Gesprächen von Herz zu Herz reden.

Aber es gibt auch banale Anlässe, die andere Gedanken auslösen: Zuneigungen und Abneigungen, Rechtfertigungen, Fragen, Zukunftsängste. Wenn niemand zum klärenden Gespräch in Aussicht ist, bekommen die Gedanken ein Eigenleben und ziehen einen mit Kraft weg von sich selbst und von anderen. Schatten legen sich auf die Seele, die in den Augen zu lesen sind. Das ist natürlich und die Wege sind verschieden, wie man damit umgeht. Wenn es im Psalm heißt: „Herr, stelle eine Wache an meinen Mund …“, so können wir auch beten: Herr, stelle eine Wache an das Tor meiner Seele, dass ich dem Ankläger der Brüder und meiner selbst in den Gedanken nicht Raum gebe, denn Du bist Licht, Liebe und Weisheit und wohnst im Innersten meiner Seele.

Auf die Farben meiner Seele muss ich selbst achtgeben. Die Worte der Bergpredigt: „Richtet nicht und urteilt nicht“ sind ein gutes Hilfsmittel für eine helle Farbgebung. Aber auch das Miteinanderreden ist unabdingbar für ein glaubwürdiges Miteinander.

Bild: Blick vom Berg Arbel durchs  Taubental auf den See Genezareth. Foto: Andrea Krebs

Von Bienen Solidarität lernen

Bienen sind wichtige Insekten in der Natur und im Leben der Menschen. Sie werden seit jeher von Menschen geschätzt als Honigproduzenten, als Bestäuber der Kulturpflanzen und auch als Erzeuger von Heilmitteln wie Propolis. So lange es Menschen gibt und sie Honig essen, beschäftigen sie sich mit Bienen. Besonders faszinierend dabei ist, dass Bienen – vergleichbar mit Menschen – in Völkern, den Bienenvölkern, leben. Diese werden jeweils nur von einer einzigen Anführerin, der Königin, regiert.

Auch meine Familie in der Ukraine hat, seit ich denken kann, ein paar Bienenhäuser mit mehreren Bienenfamilien. Es war für uns Kinder immer spannend, den Opa in besonderer Kleiderausrüstung zu beobachten, wie er sich um seine Bienen kümmerte. Im Sommer suchte er immer wieder nach einer zweiten Bienenkönigin in einem Volk, um zu verhindern, dass die Hälfte der Bienen von diesem Volk sich selbstständig macht und wegfliegt. Sehr interessant war es für uns zu beobachten, wie der Großvater seine Bienen für den Winter fütterte, wie er Honig schleuderte und wie wir als erste von den Waben voller Honig eine Probe nehmen durften, aber auch wie er trauerte, wenn irgendeines der Völker von einer Krankheit befallen worden war. Nicht nur einmal wurde ich von Bienen gestochen: Es tat zwar weh, aber auf den Honig wollte ich deswegen trotzdem nicht verzichten.

Die biblischen Bücher des Alten Testamentes nehmen unterschiedlich akzentuierten Bezug auf Bienen. Wenn es beispielsweise um die feindlich gesinnten Eroberer ging, so wurden sie mit gereizten Bienen und deren Angriffs- und Stechlust verglichen (Dtn 1,44, Jes 7,18-20, Ps 118,12). Unübersehbar und geradezu sprichwörtlich ist der Fleiß und die Nützlichkeit dieser kleinen Tiere: „Klein unter den geflügelten Tieren ist die Biene, und doch bringt sie den besten Ertrag ein“ (Sir 11,3). Ein Mahnwort an die Faulenzer, das zugleich als Lob der kleinen, jedoch fleißigen Biene erscheint: „Gehe zur Biene, und lerne, wie arbeitsam sie ist, sie macht ihre Arbeit wie eine ehrenhafte, deren Erzeugnisse Könige und Privatleute zur Gesundheit verwenden, willkommen ist sie für alle und erwartet; auch wenn sie in der Kraft schwach ist, weil sie die Weisheit achtet, hat sie es so weit gebracht. Wie lange, Fauler, bleibst du liegen?“ (Spr 6,8f., LXX).

Unsere christliche Überlieferung hat das Positive aus den Bienengleichnissen übernommen und so haben Bienen bei uns einen eher positiven Ruf. Besonders vorbildlich war der Fleiß der Bienen in den geistlichen Unterweisungen der Mönchsväter. Die Bienen galten ihnen als vernünftige und kluge Geschöpfe in der Tierwelt, weil sie ein geordnetes gemeinschaftliches Leben führen, eine Aufgabeverteilung innerhalb ihres Bienenvolkes kennen und weil sie nach einem bestimmten Plan ihre Waben bilden. Gerade deshalb erkannten manche alte Denker darin ein Vorbild für den idealen Staat und der heilige Ambrosius von Mailand (+397) verglich die Kirche mit einem Bienenkorb.

Bienen-Solidarität: Foto: Oleksandr Petrynko
Bienen-Solidarität: Foto: Oleksandr Petrynko

Alles, was ich persönlich von den Bienen wusste und nun hier beschrieben habe, war nur eine schöne Theorie, bis ich Anfang Oktober 2015 in meinem Urlaub in Georgien das Bienenleben nochmal ganz bewusst erlebt habe. Die Fotos von diesem Erlebnis habe ich in einer alten Höhlenstadt Vardzia in Westgeorgien, nahe der Grenze zur Türkei gemacht. In einer Pause kaufte ich mir eine Waldmeisterlimonade (auf dem Foto grün im Glas, auf einem roten Tisch serviert). Sehr schnell und plötzlich waren mehrere Bienen und Wespen da. Eine der Bienen landete direkt in der Limonade und tat mir leid, als sie darin mehrere Kreisbewegungen machte. Sie schaffte dann doch herauszukommen, zwar nur langsam, aber letztlich kletterte sie bis an den oberen Rand des Glases. Und hier ist das Faszinierende passiert: Plötzlich setze sich eine der herumfliegenden Bienen auf den gleichen Rand hinter die nasse „süße“ Artgenossin und begann die verunglückte Biene abzusaugen, bis sie wieder fliegen konnte. Ich war für eine Weile außer mir vor Staunen. Denn nicht die Limonade auf der Freundin-Biene zog sie an, denn im Glas war ja viel mehr davon, sondern die Freundin selbst, die in Not geraten war. Da die Aktion relativ langsam verlief, konnte ich mit meinem Handy mehrere Bilder machen, die ich gerne mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, teilen möchte. Die Bilder zeigen Ihnen ein paar georgische Bienen, die nach wissenschaftlichen Untersuchungen den längsten Rüssel unter den Bienennationen auf der Erde haben, ihre georgische Heimat Vardzia und vor allem ein Beispiel ihres sozialen Verhaltens und ihrer Solidarität untereinander. Dies ist etwas, was die Menschen und gerade wir Christen von Bienen lernen können.

Eichstätt summt | Grußwort von Schirmherr Christoph Wölfle, Regens des Priesterseminars Eichstätt