Jamala, Herr der Ringe und die Ukraine

Was könnte der Sieg von Jamala beim ESC 2016 noch alles bedeuten?

#Eurovision 2016, #Ukraine, #Jamala: Unter diesen Stichwörtern erscheint in der Internet-Suche als Erstes der Text des Liedes in Englisch und Deutsch, das beim diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC) gewonnen hat:

When strangers are coming
They come to your house
They kill you all
And say
We’re not guilty

We could build a future
Where people are free
To live and love
The happiest time

Wenn Fremde kommen
Kommen sie zu eurem Haus
Sie töten euch alle
Und sagen
Wir tragen keine Schuld

Wir könnten eine Zukunft erschaffen
Wo die Menschen frei sind
Zu leben und zu lieben
Die glücklichste Zeit

Das Lied Jamalas, einer Krimtartarin aus der Ukraine, ist ein sehr persönliches Lied. Es berührt den Hörer wegen des persönlichen Schicksals von Jamalas Urgroßmutter, auf dessen Grundlage das Lied entstanden ist. Trotz der Kürze des Liedes lässt der Text wegen seiner aktuellen Brisanz den Hörer tief in die Geschehnisse von damals eintauchen. Das Lied handelt von der Vertreibung der ethnischen Krimtataren im Jahre 1944 von der Krim nach Zentralasien im Rahmen der stalinistischen Säuberungen, unter denen die Ukraine mehrmals zu leiden hatte. So gab es neben der Verschleppung der Krimtartaren auch den Holodomor, die künstlich hervorgebrachte Hungersnot in der Ukraine, in der Millionen sterben mussten.

Erich Maria Remark schrieb einst: „Der Tod eines einzelnen ist eine Tragödie, der Tod von Millionen Statistik“ (Der schwarze Obelisk). Man vergisst die Zahlen leicht, wenn man die Namen nie gekannt hat. Eine ukrainische Dichterin, Lina Kostenko, hat dazu einmal tiefgehend und treffend geschrieben: „Alles muss vergehen, weil sonst nichts entstehen kann. Aber wenn dein Vater vergeht … tut es weh“. So hat Jamala ihre persönliche Familiengeschichte besungen, sie der Welt erzählt und damit den unbekannten Opfern ein Gesicht – und einen Namen – gegeben. Die Welt hat ihr zugehört.

Der ESC fand in diesem Jahr am Pfingstwochenende statt und so kann gesagt werden, es ereignete sich von neuem ein kleines Pfingstwunder: Jamala hat Englisch und Tatarisch gesungen und die Zuhörer konnten sie und ihre Botschaft in den verschiedenen Ländern verstehen. Im Vorfeld des ESC 2016 wurde Jamala von Journalisten gefragt, was ein eventueller Sieg für sie bedeuten würde. Jamala antwortete ganz spontan: Dann würde ich mich von allen verstanden wissen. Und dies ist auch zur Freude vieler eingetreten.

Durch Jamalas Lied wurde nicht nur dem Schmerz einer einzigen ukrainischen Familie eine Stimme gegeben, sondern das Leid der ganzen Ukraine gehört. Und hierbei wurde nicht nur das Leid aus der Vergangenheit, sondern die heutige Tragödie – das Vertreiben ganzer Dörfer, Städte und Gebiete – wieder ins Gedächtnis gerufen. Auch wenn der Fokus der Medien zurzeit verständlicherweise auf den Nahen und Mittleren Osten gerichtet ist, geht der Krieg im Osten der Ukraine weiter, mit täglichen Meldungen über Verwundete, Vermisste und Tote. So starben zum Beispiel gestern sieben Menschen: Sieben Tote bedeuten sieben betroffene Familien, Eltern, Eheleute, Kinder und Freunde …

In dieser für ihr Heimatland schwierigen Zeit hat Jamala der Ukraine eine Stimme verliehen, um durch ihr Lied die in der Geschichte geschehene Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit zu benennen. In ihrem Lied trug sie jedoch auch die Hoffnung auf eine Zukunft weiter, eine menschenwürdige und friedliche Zukunft, besonders für ihr Land und dessen Nachbarn, bewohnt von Menschen mit redlichen und friedlichen Herzen.

Jamala und die ganze Ukraine sowie alle, die für sie gestimmt haben, freuen sich über ihren Sieg. Aber hat dieser Sieg beim ESC 2016 sonst noch eine Bedeutung?

Die Buchserie von Tolkien (v. a. „Der Hobbit“ und „Der Herr der Ringe“) wird oft als das beste literarische Werk des 20. Jahrhunderts bezeichnet, unter anderem weil ihr Autor selbst im Ersten Weltkrieg war und aus persönlichen Erfahrungen und einer besonderen Hoffnung schreibt. Einige Gedanken aus seinen Werken können auch einen neues Licht auf den ukrainischen Konflikt werfen.

Für Jamala: „Es ist nutzlos, Rache zu erfüllen mit Rache; es heilt nichts“ (Frodo in Die Rückkehr des Königs). Im 21. Jahrhundert, da es noch so viele Kriege in der Welt gibt, ist jeder dazu berufen, auf seine Weise die Botschaft des Friedens weiterzugeben und zu verbreiten. Die Familie der Sängerin  bewahrt die Erinnerungen an die furchtbare Vergangenheit, die sie besingt. Das Lied ist jedoch nicht vom Gefühl und Wunsch der Rache motiviert, sondern ihr Inhalt verweist auf die Zukunft, die schön und friedlich erhofft wird. Die Wahl Jamalas spricht für die Gesellschaft und die jungen und älteren Generationen: Die Zuhörer sind keine oberflächlichen Menschen, sie sind empfänglich auch für die tiefsten Empfindungen der Seele und für die ernsten Dinge eines menschlichen Lebens; vielleicht auch besonders sensibilisiert durch die humanitären Migrationskatastrophen unserer Zeit. Für die Sängerin ist der Sieg somit eine zufriedenstellende und befreiende Erfahrung, dass auch ernste und authentische Lieder heutzutage Gehör finden.

Für die Ukraine: „Krieg muss sein, solange wir unser Leben verteidigen gegen einen Zerstörer, der sonst alle verschlingen würde; aber das blanke Schwert liebe ich nicht um seiner Schärfe willen, den Pfeil nicht um seiner Schnelligkeit willen, den Krieger nicht um seines Ruhmes willen. Ich liebe nur das, was sie verteidigen: die Stadt der Menschen…“ (Faramir in Die zwei Türme). Für die Ukrainer ist derzeit sehr wichtig, nicht zu vergessen, warum man kämpft und wen man verteidigen will. Solange man für seine Heimat und für seine Verwandten kämpft, ist das meiner Meinung nach gerecht und auch verpflichtend. Es darf jedoch nicht einfach einen Krieg um eines Krieges selbst willen und ein Blutvergießen aus rachesucht geben. Der Krieg darf insbesondere nicht zu einem Geschäft werden. Wenn wir wirklich den christlichen Frieden wollen, dann ist das Ziel berechtigt, von Gott gesegnet und es wird auch erreicht werden. Jamala geht uns mit ihrem Aufruf zum Frieden unter den Menschen als Vorbild voran!

Für die Eurovision-Show: „Es geht nichts über das Suchen, wenn man etwas finden will. Zwar findet man bestimmt etwas, wenn man sucht, aber es ist nicht immer das, was man gesucht hat“  (Thorin Eichenschild in Der Hobbit). Da der ESC vor allem eine Pop-Show genannt wird, weil es dem populus, also dem Volk bzw. uns allen gefallen sollte, ist es nicht sehr einfach ein Lied auszusuchen, das allen gefallen könnte. Wenn Jamals Lied dieses Jahr gewonnen hat, d. h. mit einer ziemlich schwierigen Melodie und schon gar keiner „Pop-Melodie“, mit einer Harmonie ethnisch-lokalen Kolorits, mit einer solchen schwierigen und tiefen Vorgeschichte und dementsprechenden Worten, kann das allein schon ein Zeichen sein, dass die Zuhörerschaft wächst und reift, nicht nur was ihre Anzahl angeht, sondern auch die Mentalität und die Wahrnehmung. Vieleicht hat man etwas Anderes gesucht; vieleicht hat man aber auch genau das Richtige gefunden, wonach man ursprünglich gar nicht gesucht hat.

Für die Welt:Wir können nicht entscheiden, wie viel Zeit uns gegeben wird […]. Aber wir können uns entscheiden, was wir mit dieser Zeit anfangen wollen(Gandalf  in Die Gefährten). Die Zeit vergeht, die Generationen ändern sich. Das Einzige, was sich nicht ändert, ist, dass die Menschen kämpfen und zwar immer und nur untereinander. Anstatt diesen Ring des Todes, des Bösen, der Kriege, der Sünde zu zerstören oder zumindest eindämmen zu wollen, will man den Ring immer noch behalten, ja erweitern. Aus diesem Grund ist der Mensch bereit, seinen Bruder zu töten. Auf verschiedene Weise zeigt sich das überall in der Welt, nicht nur in der Ukraine. Der Sieg Jamalas ist deshalb wichtig, weil er zum Gesinnungswandel aufruft, zur Bereitschaft von uns allen, „eine Zukunft zu erschaffen, wo die Menschen frei sind, zu leben und zu lieben…“. Das meinte Tolkien auch, als er schrieb: „Die Welt ist wahrlich voller Gefahren, und es gibt viele dunkle Orte auf ihr; doch noch immer gibt es vieles Schöne, und obwohl heute in allen Landen Liebe mit Leid vermengt ist, wird das Schöne vielleicht um so größer“  (Haldir in Die Gefährten).

Die Vergangenheit soll man nie vergessen, aber wir nähern uns der Zukunft mit der Geschwindigkeit von 3600 Sek/Stunde, und die Zukunft ändert sich, während wir „unterwegs“ sind. Es kommt nun auf uns an, was unsere Kinder erleben werden: „Doch es ist nicht unsere Aufgabe, alle Zeiträume der Welt zu lenken, sondern das zu tun, wozu wir fähig sind, um in den Jahren Hilfe zu leisten, in die wir hineingeboren sind, das Übel in den Feldern auszumerzen, die wir kennen, damit jene, die später leben, einen sauberen Boden zu bestellen haben“ (Gandalf in Die Rückkehr des Königs).

Ministrantenwallfahrt nach Rom

Dienstag, 17. Mai, 7.37 Uhr: „Warum schreien die da draußen jetzt schon so rum! Wir haben doch noch über eine Stunde bis zum Frühstück … oohhh shit!“

Erster Tag in Rom und schon um eine Stunde verschlafen. Geht ja schon mal gut los, aber trotzdem haben wir es bis um 8 Uhr in den Speisesaal geschafft – Gott weiß, wie – und sind pünktlich in die Innenstadt aufgebrochen. Trotz einem anfänglichen Tropensturm war die Stimmung super und als wir ankamen, haben die Ersten schon wieder ihre Pullis ausgezogen und die Sonnencreme ausgepackt.
Was bei allen Verwunderung ausgelöst hat, waren die große Anzahl an Militär und Wachen, die an allen Touristenattraktionen postiert waren.

In der Lateranbasilika haben wir die heilige Pforte, die zum Jahr der Barmherzigkeit geöffnet ist, durchschritten. Auf dem Weg zum Kolosseum schauten wir zum Beispiel schnell im Baptisterium und der heiligen Stiege vorbei. Dank gekonnter Vorbereitung lief das alles rund.

Nach unserm Gewaltmarsch durchs Antike Rom, ging allmählich das Gejammer los, also suchten wir nach einer Pizzaria. Im „Pasterito“ haben wir schließlich – dem Verhandlungsgeschick der Betreuer zu verdanken – ein komplettes Menü bekommen und konnten uns, erschlagen von Essen, noch ein bisschen ausruhen.

Eine Stunde später ging es dann schon wieder weiter, zuerst Richtung Trevi-Brunnen, später zur Spannischen Treppe, die aber zu unserer großen Enttäuschung wegen Renovierungsarbeiten geschlossen war.
Von dort aus haben wir uns fix und fertig, teilweise mit Sonnenbrand  auf den Weg zum Treffpunkt mit den Bussen gemacht. Unser Busfahrer – besser als jedes Navi – hat uns ruck zuck zurück ins Fraterna Domus gebracht, wo schon wieder der nächste Essensberg auf uns wartete. Daher von unserer Seite „Buon` appettito e buona serata“.

Eichstätter Ministranten in Rom. Foto: Matthias Chloupek
Eichstätter Ministranten in Rom. Foto: Matthias Chloupek

Mittwoch, 18. Mai, 5.45 Uhr: Müde aber ausnahmsweise pünktlich sind wir heute aufgestanden, um rechtzeitig zur Papstaudienz auf den Petersplatz zu starten – dank unserm Busfahrer waren wir natürlich wieder die Ersten.

Vorbei an den Sicherheitskontrollen und der Schweizer Garde waren wir überpünktlich innerhalb der Absperrungen. Die Glücklichen unter uns ergatterten Plätze, an denen der Papst teilweise direkt vorbeigefahren ist. Unsere Musiker haben dafür gesorgt, dass der ganze Rest die Eichstätter mindestens akustisch bemerkte und hoben die Stimmung.

Nach der Audienz, vorangetrieben durch einen Bärenhunger, sind alle mit den Bussen in Richtung Ostia gefahren und haben zusammen gegessen. VIP-mäßig an einem Privatstrand konnten wir die Sonne genießen. Mehr oder weniger freiwillig 😉 sind die meisten auch ins Meer gegangen und haben den Nachmittag entspannt genossen.
Bei der Rückfahrt ins Fraterna Domus war die Stimmung am Brodeln und bei den letzten Bierzeltliedern gab jeder sein Bestes. Nach der Busfahrt kannte auch wirklich der Letzte den „Birnbam auf da Au“ und Jubel, Jubel (Grüße an Peter) gab es beim Essen, nach dem Motto „la dolce vita“, zum Abschluss noch Eis. Wirklich müde aber glücklich und satt bis zum Anschlag hat für uns heute der Abend geendet.

Sarah Wilke (links) und Theresa Stark. Foto: Matthias Chloupek
Sarah Wilke (links) und Theresa Stark. Foto: Matthias Chloupek

Begeistert, bereichert, bestärkt: Eindrücke von der Romwallfahrt der Ministranten aus dem Bistum Eichstätt

Star Wars und Pfingsten

Zwei Meter hoch, furchterregend, so steht er in der kleinen Olympiahalle in München: Darth Vader, die Verkörperung des Bösen, in der Ausstellung „Star Wars Identities“, ab Pfingstsamstag (14. Mai). Der Filmemacher George Lucas schafft in „Star Wars“ eine Welt von mythischer Strahlkraft, mit dem „Kampf zwischen Hell und Dunkel, Vater und Sohn, Natur und Technik, West und Ost“. Der Autor bediente sich ganz bewusst „der großen Erzählungen unserer Kultur, reicherte sie mit Westernelementen und einem Schuss asiatischer Spiritualität – und schuf so ein postmoderne Epos von bleibender Faszination“. (Star Wars – Der Mythos unserer Zeit, Philosophie magazin, Sonderausgabe 5. November 2015).

Die aktuelle Ausstellung „Star Wars Identities“ in München konfrontiert den Besucher mit diesen Fragen. Angesichts des acht Meter langen interstellaren Raumschiffes („podracer“) und entlang an rund 200 Exponaten kann man an interaktiven Stationen, mit Kopfhörer und Armband, 10 Fragen zur eigenen Identität beantworten:

Etwa: Mit welchen Genen bin ich auf die Welt gekommen und wie wurde ich erzogen? Wie werde ich beeinflusst? Welche Werte vertrete ich? Wie würde ich mich in Gefahrensituationen verhalten? Auf welcher Seite stehe ich: auf der guten oder auf der dunklen Seite der Macht?

Das Armband speichert meine Entscheidungen an den Stationen und sagt mir am Ende, ob nicht doch die dunkle Seite der Macht, also Darth Vader, meine Identität bestimmt!

Sollte man das vielleicht eine säkulare Gewissenserforschung nennen, angesichts der Faszination des Bösen?

„Die Macht des Bösen banne weit“, so singt die Kirche im Pfingsthymnus „Veni Creator Spiritus – Komm Schöpfer Geist“!

Doch wie soll das gehen: das Böse in der Welt, in uns, bannen?

Leben heißt: sich entscheiden! In Star Wars wird dies erlebbar an Anakin und Luke Skywalker. Beide, Vater und Sohn, müssen wählen, zwischen der dunklen und der lichten Seite.

„Verführerisch ist der Ruf der dunklen Seite, denn sie verspricht grenzenlose Macht. Der junge Anakin Skywalker (der Vater) verfällt ihr und wird so zu Darth Vader. Der Seelenkampf zwischen Gut und Böse ist eine existenzielle Grundfrage, die Philosophen von Augustinus bis Heidegger umtrieb. Entscheidend bleibt dabei der Umgang mit ureigensten Ängsten. Wie Meister Yoda weiß: Furcht ist der Pfad zur dunkeln Seite“ (Philosophie magazin, S. 53). Luke Skywalker, der Sohn, widersagt und widersteht der dunklen Macht.

Manches in den Star Wars-Filmen erinnert an den Apostel Paulus – etwa die Lichtschwerter. Im Römerbrief (13,12) heißt es: „Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe. Darum lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts“.

Die „Waffen des Lichts“ beim Apostel Paulus sind keine Lichtschwerter und auch keine Laserwaffen! Die Waffen im Kampf von Getauften und Gefirmten, so sagt Paulus, sind von anderer Art. Er beschreibt das schön im Epheser-Brief (6, 11-20):

„Zieht die Rüstung Gottes an, damit ihr den listigen Anschlägen des Teufels widerstehen könnt. Denn wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt, gegen die bösen Geister des himmlischen Bereichs. Darum legt die Rüstung Gottes an. Vor allem greift zum Schild des Glaubens! Mit ihm könnt ihr alle feurigen Geschosse des Bösen auslöschen. Nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes. Hört nicht auf zu beten! Betet jederzeit im Geist, seid wachsam, harrt aus und bittet für alle Heiligen, auch für mich.“

„Das Schwert des Geistes – gegen die bösen Geister des himmlischen Bereichs“: Das ist nicht die „Force“ in Star Wars („eine Kraft, die alles durchwaltet und mit deren Hilfe ganze Raumschiffe durch reine Konzentration aus dem Sumpf gezogen werden können“).

Die „Force“, die Kraft des Heiligen Geistes – sie ist allgegenwärtig, unsichtbar, lebendigmachend. Und diese Kraft ist an ihren Früchten zu erkennen: „Die Früchte des Geistes sind Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung“ (Gal 5,22).

Die Kraft des Heiligen Geistes: Das ist nicht der Wille, die Kontrolle über die Welt zu gewinnen, sie ist vielmehr die Fähigkeit, im Einklang mit dem Schöpfergeist von innen heraus die Welt zu gestalten und so zum echten Skywalker, zum „Himmmelsgeher“ zu werden!

„Veni Creator Spiritus – Komm Schöpfer Geist, kehr bei uns ein“!

Pfingsten als Fest des Heiligen Geistes ist Absage an Darth Vader. Pfingsten ist Befähigung zum Widerstand gegen eine dunkle Identität in uns:

„Die Macht des Bösen banne weit,
schenk deinen Frieden allezeit.
Erhalte uns auf rechter Bahn,
dass uns kein Unheil schaden kann! “ (Gotteslob 342,5)

Video: Was feiern wir an Pfingsten?

Brasilien: Das einfache Volk leidet am meisten

Seit Monaten bewegt uns die politisch brisante Situation in Brasilien. Heute nun (12/05/2016) ist diese langwierige brasilianische Novela zu einer sehr entscheidenen Phase gekommen. Präsidentin Dilma Rousseff wurde heute, nach einer über 20-stündigen Sitzung des Senates, für 180 Tagen vom Amt suspendiert. Michel Temer, Vize-Präsident, hat bereits die Amtsgeschäfte übernommen, während nun das eigentliche Verfahren der Amtsenthebung von Dilma Rousseff beginnt.

Obwohl ich derzeit in Deutschland bin, habe ich in diesen Tagen mit Spannung die Situation in Brasilien per Internet verfolgt. Mich, eine brasilianische Juristin, bewegt besonders auch die Art und Weise, wie es zu diesem sogenannten „kalten Putsch“ gekommen ist.

Juristisch wird das Amtsenthebungsverfahren mit den vorgeworfenen Verstößen gegen das Haushaltsrecht begründet. Jedoch ist diese Begründung recht fadenscheinig und eher politisch als rechtlich motiviert. Auch wenn bewiesen wird, dass die Präsidentin Haushaltsgelder verschoben hat, würde dieses Vergehen nicht zu einer Amtsenthebung führen. Ich bin nicht allein mit dieser Meinung: Gewerkschafter, Künstler, Intellektuelle, Landarbeiter und Anhänger des Bündnisses „Frente Brasil Popular“ klagen diese im Grunde illegale Machenschaften an. Auch die brasilianische Bischofkonferenz veröffentliche verschiedene Verlautbarungen, um auf diese ethische Krise in der Politik aufmerksam zu machen.

Diese Absetzung einer direkt vom Volk gewählten Präsidentin ohne rechtlichen hinreichenden Grund seites der rechten Opposition wird ein „kalter Putsch“ genannt, der von gezielten Medienkampagnen begleitet wird, um so die Behauptung zu verstärken, die Präsidentin sei in Korruptionsskandle verstrickt – was jedoch bis jetzt nicht bewiesen wurde.

Ich werde oft gefragt, wer meiner Meinung nach besser ist: Dilma oder Temer?. Was mir aber in diesen Tagen vor allem nachgeht ist das, WIE mit dieser politischen Krise umgegangen wird. Das Vertrauen in Politiker ist stark gesunken, ständig werden neue Korruptuionskandale aufgedeckt und veröffentlicht. Verwickelt sind darin kleine und große multinationale Firmen, Stadträte, Bürgermeister, Parlamentsmitglieder, Senatoren und auch Richter aller Justizebenen, die Organisatoren vom Fußballweltmeisterschaft und Olympiade etc… die Liste ist lang. Es scheint, dass das Grundgesetz ignoriert und außer Kraft gesetzt worden ist. Geld und Manipulation durch die Medien spielen dabei eine große Rolle. Es gibt im Grunde keine Partei oder hervorragende Person in der Politik, die eine echte Alternative sein könnte.

Und wie immer, wer am meisten dabei leidet, ist das einfache Volk, das mehrfach betrogen und belogen wird. Michel Temer, der die konservative Opposition vertritt, verkündet schon  seit Wochen, dass die sozialen Errungenschaften der letzten Jahre abgebaut würden, wenn er die Amtsgeschäfte übernehmen wird.

Was dies für uns, die Gefängnisseelsorge bedeutet, für unser Anliegen für einen gerechteren und menschenwürdigen Strafvollzug, ist noch ungewiss. Im Justizministerium stehen die verschiedenen Programme still. Ein neuer Justizminister wird diese Tage sein Amt übernehmen  und folgedessen viele neue Staatssekretäre ernennen. Ich habe wenig Hoffnung, dass wir in den nächsten Monaten mit unseren sozialpolitischen Aktionen große Fortschritte machen werden, obwohl in den letzten Monaten doch so einiges in Bewegung kam, z. B. bei den Aktionen gegen die Privatisierung des Gefängnissystems oder der Straferlass für Frauen, die wegen kleiner Kurierdienste als Schwerverbrecherinnen verurteilt wurden, ohne dass sie eigentlich ein aktiver Teil der kriminellen Drogenwelt sind, ebenso für schwangere Frauen oder Mütter mit Neugeborenen, etc.

Auf gut bayrisch heißt es jetzt: „Schau ma mal“! Auf alle Fälle werden wir nicht aufgeben und mit Hoffnung weitergehen, denn „Deus é brasilieiro“ (Gott ist Brasilianer“).

Chaostage in Brasilien – Präsidentin suspendiert

Brasilien erlebt turbulente Tage. Heute wurde Staatspräsidentin Dilma Rousseff vorläufig für 180 Tage von ihrem Amt suspendiert. Der Senat hat dies mit 55 zu 22 Stimmen entschieden, um mögliche Amtsverfehlungen der ersten Frau, die es an die Spitze des brasilianischen Staates geschafft hat, juristisch untersuchen zu lassen. Die Nachricht von Rousseffs Suspendierung erreicht mich in Eichstätt, wo ich gerade auf Heimatbesuch bin. Es hatte sich aber bereits in den letzten Monaten abgezeichnet, dass es so kommen würde.

Rousseff soll mit Bilanztricks versucht haben, das Defizit im Staatshaushalt zu verringern, um somit ihre Chancen bei den Präsidentschaftswahlen 2014 zu verbessern. Sie wurde nach der Fußball-WM für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Das Amtsenthebungsverfahren wird nicht mit Korruptionsvorwürfen begründet, obwohl die Präsidentin auch immer wieder in Verbindung gebracht wurde mit dem größten Korruptionsskandal der Geschichte des Landes um den halbstaatlichen Ölkonzern Petrobrás. Schließlich saß sie jahrelang im Aufsichtsrat und war Präsidentin des Konzerns.

Die Probleme gingen schon los im Wahlkampf, als die Präsidentin ein Brasilien präsentierte, das es in Wirklichkeit nicht mehr gab. Nach der Wahl wurde klar, dass Brasilien eigentlich in einer schweren wirtschaftlichen Krise steckt und die Zentralregierung den Haushalt schwer überzogen hatte ohne Genehmigung des Kongresses. Und laut Verfassung wird das mit Impeachment (Amtsenthebung) bestraft. Zuerst muss die Abgeordnetenkammer dem Bundessenat die Genehmigung zur Eröffnung eines Impeachment-Verfahrens geben. Und das ist Geschehen. Der Senat hat heute entschieden, dass das Impeachment-Verfahren jetzt beginnt. Jetzt wird untersucht, ob sie wirklich schuldig ist oder nicht. Erst nach Abschluss dieses Prozesses, wenn ihre Schuld nachgewiesen wird, verliert sie ihr Amt und ihre politischen Rechte. Sie darf dann für acht Jahre nicht mehr gewällt werden oder öffentliche Ämter begleiten.

Ausschlaggebend waren ihr schwieriges Verhältnis zu den Kongressabgeordneten und die rasche Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in Brasilien. Das Land hat inzwischen 11 Millionen Arbeitslose, viele Bundesstaaten und Kommunen können ihre finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen, die öffentlichen Dienste funktionieren mangelhaft und die Kriminalität hat extrem zugenommen. Viele Jugendlichen sehen keine Zukunft mehr in Brasilien wollen das Land verlassen.

Laut Umfragen ist die Mehrheit der Bevölkerung aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage für das Impeachment. Die Mehrheit hat auch die Suspendierung der Präsidentin heute auf den Straßen gefeiert. Man erhofft sich jetzt, dass die neue Regierung – die vom bisherigen Vize-Präsidenten Michael Temer angeführt wird – möglichst schnell die Kreditwürdigkeit Brasiliens wiederherstellt und die sozialen und wirtschaftlichen Probleme angeht durch die notwendigen Reformen. Er muss mit einer sehr starken Opposition der Anhänger Dilmas rechnen. Gewerkschaften und soziale Bewegungen wie die der Landlosen (MST) haben bereits angedroht, dass sie das Land stilllegen werden und der neuen Regierung keine ruhige Minute geben werden. Temer steht unter Druck, er muss Erfolg haben, weil sonst sich die Stimmung gegen ihn wenden wird. Auch Temer hat Probleme mit der Justiz aufgrund des Petrobrás-Skandals, so dass die Situation weiterhin undurchsichtig ist.

Die Präsidentin bezeichnet das Amtsenthebungsverfahren als „Putsch“, was vom Obersten Bundesgericht entschieden widersprochen wird. Die Bundesrichter sagen, dass sich das Verfahren strickt an die Verfassung gehalten hat (die Mehrheit der Bundesrichter wurde von ex-Präsidenten Lula da Silva und von Dilma ernannt). Ein Politikwissenschaftler der Universität Rio der Janeiro sieht in dem Gerede vom „Putsch“ ein Versuch, die Anhänger von Lula und Dilma mobil zu halten. Es ist eine große Frage, wie diese sich in den nächsten Tagen verhalten werden. Es bleibt zu hoffen, dass sie ihre Drohungen nicht wahrnehmen und das Land nicht in ein totales Chaos stürzen.

Brasilien ist auch nach der heutigen Entscheidung gespalten und die Spaltung geht quer durch die Gesellschaft und durch die Familien. Wenn Temer Erfolg hat, wird sich die Situation sehr schnell zu seinen Gunsten ändern, andernfalls wird er der Nächste sein, der fällt. Brasilien kommt dann nicht zu Ruhe und die Probleme werden noch zunehmen. Die Brasilianer sagen „Gott ist ein Brasilianer“. Und da sie ein sehr starkes religiöses Empfinden und großes Gottvertrauen haben, hoffen sie, dass Brasilien seinen Weg findet und am Ende die Brasilianer sich wieder zusammenfinden.

Radio K1: Manfred Göbel – ein Leben für die Kranken