„Generation Beziehungsunfähig“ contra „Der unbesiegbare Sommer in uns“

Zwei neue Bücher liegen vor mir: Michael Nasts „Generation Beziehungsunfähig“ (vor der Veröffentlichung schon in 2. Auflage) und Nina Ruges „Der unbesiegbare Sommer in uns (in neuer, 4. Auflage).

Michael Nast, „Sprachrohr seiner Generation“ (so sein Verlag), dem bei seinen Lesungen (meist im Audimax der Unis) junge urbane Singles zu Tausenden lauschen, hat seinen Netz-Artikel zu einem Buch mit gleichem Titel ausgebaut. Der literaturbewanderte 40-jährige Single, Buchhändler aus Köpenick, spricht seinem zu 90 Prozent weiblichen Publikum aus der Seele. Mit der Formel „Ich kann nicht, ich bin beziehungsunfähig“, legt er ein Bekenntnis ab über seine emotionale Unzulänglichkeit. Zu kompliziert sei das zeitgenössische Ich, um sich einem Leben in Partnerschaft auszusetzen. Die „Flexibilisierungslogik der Arbeitswelt“ verlange ein entsprechend kühles Kalkulieren auch im Privatleben. Es bleibe eine Unzufriedenheit von immer nur potenziell einander Liebenden. Und diese bilden die Anhängerschaft dieses „charismatischen Wanderpredigers der Beziehungsunfähigkeitslehre“, eines „Suchenden, der zu Suchenden spricht“ (ZEIT 18.02.16). Für ihn ist am Ende immer „das System“ schuld an der emotionalen Verkorkstheit der jungen Erwachsenen.

Nasts Lösungen? Die Ehe als herkömmliche Antwort, als Beziehungsform, die „ja religiös geprägt“ sei drohe sich aufzulösen. Man wage dafür keinen Einsatz mehr, weil man Verletzungen vermeiden wolle. Gegen diesen Egotrip verweist Nast auf den Schriftsteller Jonathan Franzen: „Mein Herz sagt es mir, und mein gesunkenes Maß an Selbstsucht liefert verlässliche Beweise dafür“. Es sei die Liebe, die den Impuls auslöst, ein „besserer Mensch zu werden“ und damit „die Selbstsucht zu überwinden“.

Neue Anfänge lägen in uns, mit ihnen beginne die Veränderung, so endet Nasts Buch.

Neue Anfänge – wie das aussehen könnte, das zeigt Nina Ruge in ihrem sehr persönlichen Buch „Der unbesiegbare Sommer in uns“. Die bekannte TV-Moderatorin versteht ihr Buch als „Wegweiser zu unserem ureigenen Kraftort“. Die ehemalige Studienrätin für Biologie und Deutsch sieht sich als „Mitglied der modernen Wissensgesellschaft“ und ist zugleich dankbar, dass sie „die tiefe Bewusstheit für das Geschenk des Lebens“ entdeckt hat. „Seit mehr als 40 Jahren befinde ich mich auf einem anderen Weg. Ich preise das Geschenk unseres Verstandes und trainiere mich zugleich in einem neuen Bewusstsein“. Nach der Angstphase ihrer Kindheit und nach der Pubertät erfuhr sie die Kraftquelle in sich selbst, die durch Worte nicht erreichbar ist, weil sie auf einer anderen Ebene als der des Verstandes wohnt. „Letztlich haben alle Religionen das zum Ziel: uns die Tür zu dem zu öffnen, was der Verstand nicht zu fassen weiß“. Jenen Ort intensiver Kraft nennt sie den unbesiegbaren Sommer, nach der Metapher von Albert Camus: „Mitten im tiefsten Winter entdeckte ich, dass in mir ein unbesiegbarer Sommer wohnt.“

Solches Entdecken, das ständiges Üben erfordert, ist eine „mühsame Reise ins Innere der Liebe“. „Gott verspricht eine sichere Landung, aber keine ruhige Reise. Also, los!“

In Ruges Reiseführer ist besonders bemerkenswert das Kapitel 13 (S. 167 – 181), mit der Überschrift: WAS IST LIEBE – UND WENN JA, WIE VIELE?) Und als Untertitel:
„Ihr seid das Licht für die Welt“ (Mt. 5,15).

Angesichts einer Riesenpalette verschiedener Spielarten von Liebe auf dem Markt der Gefühle im 21. Jahrhundert fragt Ruge nach einem „Quell für Liebe, und wenn ja – wo entspringt er?“ Die „Erretter – Liebesvorstellungen der Hollywood- und TV-Schmonzetten“ (à la Pretty Woman und Rosamunde Pilcher) sind für Ruge „großartige Lehrstücke darüber, was die Essenz der Liebe gerade nicht sein kann“.

Gibt es, so fragt sie, vielleicht Formen von Liebe, die weniger in Abhängigkeit von außen stehen. Und sie antwortet: „Vielleicht solche, die aus uns selbst kommen. Zum Beispiel die, von der uns das Johannesevangelium erzählt? Gott ist Liebe. Wer in der Liebe lebt, der lebt in Gott, und Gott lebt in ihm.

„Die Scarlett-Julia-Liebe hat mit der Bibel-Liebe nichts zu tun, oder? Jawohl, dieser Meinung bin ich (weitgehend)“. Ein starkes Bekenntnis von Nina Ruge – und sie belegt es aus ihren Erfahrungen mit Menschen –„ich fürchte, es sind nicht so sehr viele -, die tun alles mit Liebe.“

In solchen Menschen finde das Ego einfach keinen Nährboden! Und sie verweist auf Meister Eckhart (der vor 700 Jahren auch in Köln gepredigt hatte): „Der wahrhaft Liebende liebt Gott in allem und findet Gott in allem.“

Und Nina Ruge fragt weiter, „was uns denn überhaupt liebesfähig macht, im Sinne von Johannes und Meister Eckhart natürlich“.

„Durch den unbesiegbaren Sommer in uns“, also „aus dem klaren und permanenten Bewusstheit für das Wunder des Lebens in uns und um uns herum“, lautet die Antwort. „Diese Bewusstheit ist nicht Liebe. Aber aus ihr heraus sprudelt sie.“

Ruge nennt diese Bewegtheit im Anklang an den Zen-Buddhismus ihr Satori, eine Art befristete Erleuchtung, empfunden als Befreiung vom Ich und vom Diktat der Zeiten. Von Gotteserfahrung mag sie nicht sprechen, „weil die Vokabel zu verquer aufgeladen ist“.

Aus dieser Erfahrung entstehe eine „unerschöpfliche, unzerstörbare Liebe zu allem, was ist“. Wer in diesem Bewusstsein lebt, der fragt nicht: „Wo kriege ich Liebe her?“, weil er weiß, dass diese Frage einer der größten Irrtümer überhaupt über die Liebe ist.

© Patrick Marty / cc0 - gemeinfrei / Quelle: pixabay.com/Pfarrbriefservice.de
„Gott verspricht eine sichere Landung, aber keine ruhige Reise. Also, los!“ (Nina Ruge). Foto: Patrick Marty / cc0-gemeinfrei / pixabay.com/pfarrbriefservice.de

1:0 für Nina Ruge, mit Gruß an Michael Nasts „Generation Beziehungsunfähig“!

„Wenn wir sie vermessen wollen, die Liebe unseres Partners, dann verlieren wir uns.“

„Wenn keiner den anderen retten muss, verlieren Liebesgeschichten ihren tragischen Charakter.“

„Wo wir den starken Quell der Liebe in uns selbst entdecken, dann, ja dann wird Liebe zwischen zwei Menschen auf einer ganz anderen Ebene möglich.“

Und wie öffnet sich für Nina Ruge das Portal zum unbesiegbaren Sommer in uns? Indem wir ein Bewusstsein für die Heiligkeit und Kraft des Seins als zweite Wahrnehmungsebene in den Alltag einbeziehen.

Wie gelingt das Nina Ruge?

„Wenn ich nachfühle, mit welcher Bestimmtheit ich meine Umwelt betrachte (und sei es die Rose in meiner Badezimmer-Vase), dann weiß ich auch, wie es um meine Portale in Richtung unbesiegbarer Sommer steht. Keine liebevolle Bestimmtheit – kein offenes Tor. Ein Seismograph mit Namen Herzlichkeit.“

Kennen wir das nicht von Ignatius von Loyola? „Gebet liebender Aufmerksamkeit“ nennt er das in seinen geistlichen Übungen.

In den Schlusssätzen ihres Liebeskapitels spricht Nina Ruge vom „gravierenden Irrtum unserer Zeit, dass Liebe auf wenige Menschen zu beschränken sei und vor allem, dass sie auf der Haben-Seite verbucht wird. Es geht darum, Liebe zu GEBEN, umfassend und immer, mal mit hoher Frequenz, mal mit niedriger“.

Nina Ruges „Wegweiser zu unserem ureigenen Kraftort“ – eine dringende Lesempfehlung für die „Generation Beziehungsunfähig“!

Michael Nast, Generation Beziehungsunfähig, Edel Verlag (14,95 Euro)

Nina Ruge, Der unbesiegbare Sommer in uns, Kailash Verlag (17,99 Euro)

Brasilien im Krieg gegen die Tigermücke Aedes Aegypti

Seit Jahrzenten kämpft Brasilien gegen die Virus-Erkrankung “Dengue-Fieber”, die von der Stechmücke Aedes Aegypti übertragen wird. Die Erkrankung ist ein weltweites Gesundheitsproblem, vor allem in tropischen und subtropischen Regionen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass jährlich zwischen 50 Millionen und100 Millionen Personen in 100 Ländern in allen Erdteilen – außer in Europa – infiziert werden. Rund 550.000 Menschen müssen im Krankenhaus behandelt werden und rund 20.000 sterben.

In Brasilien erkrankten im Jahr 2015 mehr als 1,6 Millionen Menschen an Dengue, 843 sind an den Folgen der Krankheit gestorben. Es gibt vier Arten von Dengue, die meistens ohne größere Probleme verlaufen mit Symptomen wie Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, die nach etwa sieben Tagen abheilen. Die Krankheit kann aber auch zu einer hämorragischen Dengue werden mit hohem Todesrisiko.

Überascht wurden die brasilianischen Gesundheitsbehörden im vergangenen Jahr durch das Auftreten eines neuen Virus, dem Zika-Virus, bisher unbekannt in Brasilien. Der Zika-Virus wurde 1947 bei Affen in Uganda festgestellt und ab 1951 bei Menschen in Asien, Afrika und Ozeanien. Die Übertragung erfolgt auch durch die Mücke Aedes Aegypti. Doch in den vergangenen Wochen kamen Meldungen vom Forschungsinstitut Osvaldo Cruz in Rio de Janeiro, dass man den Zika-Virus auch im Speichel und Urin nachgewiesen hat. Es wird auch vom Nachweis des Zika-Virus in Blutproben, Muttermilch und Spermatozoiden berichtet, eine mögliche Übertragung konnte jedoch noch nicht nachgewiesen werden. Hauptüberträger bleibt der Aedes Aegypti. Obwohl eine Zika-Infizierung bei mehr als 80% der Infizierten symptomlos verläuft, kann es bei schwangeren Frauen schwere Folgen für die Neugeborenen haben. Der Zika-Virus ist mit hoher Wahrscheinlichkeit verantwortlich für Mikrozephalie bei Neugeborenen (Fehlbildungen bei Schädel und Gehirn).

Die WHO schätzt, dass ca vier Millionen Menschen in Lateinamerika an Zika erkranken werden, davon 1,5 Milionen in Brasilien. Aktuell stehen 4.107 Patienten unter Mikrozephalie-Verdacht in Brasilien (Zahl ändert sich täglich), 508 Fälle wurden bereits bestätigt, aber nur bei 67 Fällen wurde der Zika-Virus nachgewiesen. Bei weiteren 80 Todesfälle wird der Zusamenhang noch untersucht. Die Region Nordosten ist mit 82% der Fälle am meisten betroffen. Zika verbreitet sich fünf mal schneller als Dengue und 21 Bundesstaaten meldeten bereits Fälle von Mikrozephlie. Wegen der schnellen Verbreitung des Zika-Virus und der Zunahme von Mikrozephalie bei Neugeborenen hat die brasilianische Regierung Sondermaßnahmen zur Bekämpfung des Aedes Aegypti angeordnet und die WHO den Zika-Virus als Weltgefahr eingestuft.

Die Stechmücke Aedes Aegypti ist auch für die Übertragung des Virus Chicungunya veranwortlich, einer fieberhaften Erkrankung, die meistens harmlos verläuft. 2015 wurden in Brasilien 7.823 Fälle von Chikungunya-Fieber in 84 Städten registriert.

Brasilen rüstet sich im Kampf gegen die Mosquitos (Stechmücken). Es gibt zwei Arten von Mosquitos: Pernilongos oder Culex Quinquefasciatus und Aedes Aegypti.

Schmutziges Wasser dient als Brutstellen des Aedes Aegypti. Foto: José Cruz/Agência Brasil
Schmutziges Wasser dient als Brutstelle des Aedes Aegypti. Foto: José Cruz/Agência Brasil

Pernilongos sind nur halb so gross wie der Aedes Aegypti, ca 3-4mm, stechen in der Dämmerung und hauptsächlich nachts, um Blut zu saugen. Sie legen ihre Eier in schmutziges kontaminiertes Wasser, wie z.B. Abwasser. Ohne Wasser überleben die Eier nicht. Die Symptome bei Pernilongos sind Juckreiz und Hautrötung. Sie können auch die Wurmerkrankung Filariose (elefantiase) übertragen, die als nicht epidemische Krankheit eingestuft wird.

Der Aedes Aegypti ist fast doppelt so gross wie der Pernilongo, 5-7mm, und unterscheidet sich auch in der Hautfarbe: Er hat einen schwarzen Körper und Flügel. Er fliegt in niedriger Höhe, ohne den typischen Sum-Sum-Lärm der Pernilongos, ist wesentlich schneller und hauptsächlich morgens von neuen bis 13 Uhr aktiv. Er legt seine Eier in normales Wasser, hauptsächlich Regenwasser, Wassertümpel, Blumengefäse mit Wasser, Wasserdepots, die nicht abgedeckt sind, Swimmingpools, die nicht entsprechend versorgt werden, alte Autoreifen und nicht entsorgter Müll auf leerstehendem Grundstücke usw. Doch letzte Meldungen informieren über Nachweis von Larven des Aedes Aegypti in schmutzigem Abwasser.

Die Eier können bis zu 18 Monate in einem trockenen Ambiente überleben und bei Kontakt mit Wasser wieder aktiv werden. “Aedes Aegypte” sticht mit “lokaler Betäubung”, so dass der Stich unbemerkt bleibt, auch ohne Hautsymptome wie beim Pernilongo. Doch die Folge kann eine Übertragung von Zika, Chikungunya und Dengue sein, mit teilweise schweren Folgen wie hämorragische Dengue oder Mikrozephalie.

Verantwortlich für die jährlich steigende Zahl von Dengue und jetzt Zika und Chikungunya sind vor allem die prekären sanitären Anlagen (Abwasser- und Müllentsorgung, schlecht funktionierende Wasserdepots, leerstehende Grundstücke, die häufig als Müllablagerung dienen, Baustellen, die vielen Straßenlöcher mit Wasserpfützen, defekte Wasserabflüsse in Wohnhäusern und Wohnungen usw.) und eine wenig kooperationsbereite Bevölkerung im Kampf gegen den Aedes Aegypti. Hinzu kommen chaotische Zustände in der Gesundheitsversorgung. Viele Komunen sind finanziell überfordert, auch die Wirtschafts- Finanz- und politische Krise verschärft die Situation. Der Staat Amazonas wird bis Ende März seinen Haushalt für 2016 ausgegeben haben. Im Mato Grosso sind 90% der Städte pleite und wissen nicht, wie sie die Versorgung der Bevölkerung garantieren können. Viele Krankenhäuser sind total überfordert und teilweise herrschen extrem chaotische Zustände.

Soldaten gegen Mosquitos

Die brasilianische Bundesregierung hat für 2016 einen Betrag von 1,27 Millarden Reais (rund 300 Millionen Euro) zur Bekämpfung des Aedes Aegypti zur Verfügung gestellt und dieser Betrag soll noch erhöht werden. Es geht um die Ausbildung von Gesundheitsagenten, Aufklärung der Bevölkerung und Spritzaktionen gegen den Aedes Aegypti. Alle Gebäude und Grundstücke sollen systematisch abgesucht und die vorgefundenen Brutstellen des Aedes Aegypti vernichtet werden. Mit Unterstützung des Militärs – mehr als 220.000 Soldaten – sollen über drei Millionen Haushalte nach möglichen Brutstellen der Stechmücke abgesucht werden.

Brasilien setzt Soldaten gegen die Stechmücken ein. Foto: Marcelo Camargo/Agencia Brasil
Brasilien setzt Soldaten gegen die Stechmücken ein. Foto: Marcelo Camargo/Agencia Brasil

Hochkonjunktur hat die Industrie für Schutzmittel gegen Stechmücken. Die Preise sind erheblich gestiegen und trotzdem fehlt manchmal das Produkt. Es gibt Schutzmittel in Form von Sprays oder Lösungen, die vier bis zehn oder mehr Stunden wirken. Ein kleines Fläschen mit ca. 100 ml kostet in Cuiabá 25 Euro. Da bleiben die Armen auf der Strecke, da sie das Geld dafür nicht haben.

Ein weiteres Schutzmittel ist das Mosquitonetz. Das Olympische Komitee in Rio de Janeiro will eine eine Milliarde Reais für die Installierung von Moskitonetzen in den Olympiastadien ausgeben.

Auf jeden Fall ist der Zika-Virus eine Herausforderung für die brasilianischen Behörden und fordert eine schnelle Lösung, um die Folgen wie Mikrozephalie in Grenzen zu halten.Von Panik in der Bevölkerung kann man nicht sprechen. Große Sorge gilt den schwangeren Frauen und viele Frauen wollen vorerst auf eine Schwangerschaft verzichten. Eine Reihe von Freunden und Bekannten erkrankten an Zika-Virus, jedoch ohne größere Probleme. Viele Brasilianer können zwischen Zika und Dengue unterscheiden, und Dengue ist seit Jahrzenten bekannt.

Das Zika-Problem grassiert hauptsächlich in den Armenvierteln, wo häufig Abwassersystem und Müllentsorgung nicht funktionieren und die Menschen oft wochenlange Wartezeiten auf eine ärztliche Untersuchung in Kauf nehmen müssen. Hinzu kommt, dass der Zika-Virus eines von vielen Problemen ist, wie hohe Arbeitslosigkeit, schlechte Krankenversorgung, zunehmende brutale Gewalt und vielem mehr.

Doch er bietet auch eine Chance: Zika wird das Bewusstsein der Bevölkerung für bessere sanitäre Einrichtungen und Müllentsorgung und auch die Kooperationsbereitschaft im Kampf gegen den Aedes Aegypti stärken.

Überfall auf Mallersdorfer Schwestern in Südafrika

Leider hatten wir, die Mallersdorfer Schwester in Vryheid/Südafrika, am 3. Februar einen bewaffneten Raubüberfall. Die Schwestern haben sich inzwischen etwas vom Schock erholt.

Die Schwestern Dolorosa und Immaculate sind am vorletzten Mittwochnachmittag zur Bank gegangen, aus Sicherheitsgründen durch den Hintereingang, um Geld abzuholen, das sie am Vortag bestellt hatten, denn es war eine größere Summe. Sie fuhren heim in die Garage, die offen war. Ein Auto fuhr heran und im Nu waren zwei Männer auf jeder Seite des Wagens. Sie wollten natürlich die Tasche mit dem Geld. Die Schwestern hatten die Türen verschlossen, schrien um Hilfe und hupten in der Hoffnung, dass jemand zu Hilfe kommt. Dann schlugen die beiden Täter die Fenster links und rechts des Autos ein. Der eine auf der Fahrersitzseite hat Sr. Dolorosa wahrscheinlich auf die Seite geschubst, dass er die Tasche mit dem Geld erreichen konnte. Sie haben den Schwestern nichts angetan und auch nicht geschossen. Die Täter liefen, als sie das Geld hatten, sofort zum Auto und fuhren weg. Sr. Dolorosa war so schnell, ist sofort wieder rückwärts aus der Garage rausgefahren, um die Autonummer zu sehen. Die Täter fuhren links und Dolorosa nach rechts sofort zur Polizei. In Kürze konnte das Auto mit einer ND Nummer in Lakeside gefunden werden, ein zweites Auto war im Spiel und wurde in Bhekuzulu entdeckt. Vom Geld war allerdings keine Spur sichtbar.

Weil Sr. Dolorosa so schnell reagierte, ist sie dann gleich mit der Polizei nach Lakeside gefahren, um das Auto zu identifizieren. Das Schlimme war, unsere 82-jährige Sr. Edith, die Einzige, die um die Wege war, zufällig früher als sonst beim Kaffee trinken war und das Schreien, das Hupen und das Geklirr der gebrochenen Autoscheiben hörte. Sie wusste nicht genau, was passiert war, drückte den Panik-Knopf um unsere Sicherheitsfirma zu alarmieren, die aber nicht gekommen ist.

Auch einige Arbeiter hörten alles, liefen zusammen, wussten aber nicht, was passiert war. Als sie das Garagentor aufsperrten, sahen sie nur das Glas herumliegen, etwas Blut, kein Auto und keine Schwestern. Die logische Folgerung war, die Schwestern wurden entführt. Bis sie dann endlich von der Polizei hörten, dass die Schwestern auf der Polizeistation und sicher sind, dauerte es leider einige Zeit, denn Sr. Dolorosa hatte ihr Handy stumm gestellt und auf die vergeblichen Anrufe nicht geantwortet. So waren alle hier im Schock und großem Kummer. Man stellt sich ja alles Mögliche vor.

Ich war die letzte, die von allem hörte, weil ich Hausaufgabenbetreuung hatte und im letzten Eck der Schule war. Wir sind Gott von Herzen dankbar, dass die Schwestern nicht erschossen wurden. Ja, es ist schlimm, aber trotzdem hoffen wir, dass die Polizei noch etwas Genaueres herausfindet.

Südafrika verzeichnet im Vergleich zu Deutschland hohe Kriminalitätsraten, vor allem in den Großstädten und deren Randgebieten, den Townships. Vryheid in der Battlefields-Region von KwaZulu-Natal ist eigentlich ein gemütliches Landstädtchen. Aber auch hier gibt es Schattenseiten. Der Konvent und die Schule der Nardini-Sisters, wo ich lebe und arbeite, sind mit Alarmanlagen und hohen Zäunen abgesichert. Das Leben in der Stadt geht seinen gewohnten Lauf, allerdings gab es in den letzten Wochen mehrere Überfälle auf Geschäfte. Man muss einfach aufpassen und umsichtig sein. Für mich ist es traurig, dass man niemand mehr trauen kann.

Vom heißen Senegal zurück in die kalte Oberpfalz

Sehr abwechslungsreich verlief unser Besuch in der KLB-Partnerdiözese Tambacounda. Nach einem Eingewöhnungstag in Mbour am Atlantik, führte uns eine sechsstündige Fahrt nach Tambacounda an unser eigentliches Ziel. Es war ein erster Vorgeschmack auf die staubigen Straßen, die uns auf unserer Reise erwarten würden.

Höhepunkt des nächsten Tages war die Einweihung einer Bibliothek für eine Schule, die unsere Begleiter vom Lionsclub Kempten im Allgäu finanziert hatten. Der Neubau scheint sehr gelungen, die Ausstattung mit Computerraum schien uns doch „auf die Schnelle“ hergerichtet zu sein.

Zeitig brachen wir am nächsten Tag auf, zum Besuch des Dorfes Diam Diam, das an dem von der KLB mitfinanzierten Alphabetisierungsprogramm teilgenommen hatte. Ein ortskundiger Führer begleitete uns in das abgelegene Dorf, wo wir mit einem Spalier von Kindern und Erwachsenen herzlich empfangen wurden. Auf dem Dorfplatz folgte ein vierstündiges Programm mit Gesängen und wirbelnden Tänzerinnen und Tänzern, die sich an Originalität und Schnelligkeit gegenseitig zu übertreffen schienen, begleitet von rasenden Trommelschlägen. Aus allen 40 teilnehmenden Frauengruppen trafen am Nachmittag Abordnungen ein, die sich selbst vorstellten und das Projekt begeistert lobten. Es fielen Sätze wie zum Beispiel „Schule bedeutet Freiheit“ oder „Seit der Alphabetisierung hat niemand mehr das Dorf verlassen“ oder „Die Frauen sollen nicht nur kochen, sondern müssen zur Entwicklung der Gesellschaft beitragen“. Erstaunlicherweise sprechen auch der Imam (religiöser Führer) und der Dorfchef begeistert von dem Projekt.

Am nächsten Tag trafen wir Tambacoundas Bischof Jean Noel Diouf. Leider verlief das Gespräch nicht nach unseren Vorstellungen. Der neue Schulrat und der weltliche Berater des Bischofs, Francois Kital, bringen sehr viel Unruhe in die Diözese.

Ein Ausflug in das Bananendorf Ngeen zeigte uns, dass Erntehilfen beim Bananenanbau gebaut werden und die Vermarktung im „Fair Trade Handel“ geplant sind. Das Pumpenprojekt mit Gemüseanbau war leider nicht in Betrieb, es gibt wohl ein Problem mit dem Kabel.

Beim Besuch eines Krankenhauses in Tambacounda fanden wir erschreckende hygienische Verhältnisse vor. Chefarzt Dr. Millogo und sein Ärzteteam müssen in Behandlungsräumen und im Operationssaal unter nicht vorstellbaren Bedingungen arbeiten.

Mit einer Zwischenstation in Kedougou ging es weiter nach Südosten, Richtung Grenze zu Guinea, nach Salemata. Die Regenzeit war dieses Jahr so heftig und die Straßen so ausgewaschen, dass selbst der Geländewagen Schwierigkeiten hatte. Am Ortseingang hatten die Wassermassen sogar eine Brücke zerstört. Die Schule von Salemate wurde von Hélène Dumont vom Verein Zukunft für Senegal aus Deining vor der Schließung gerettet. Durch ihren beispielhaften Einsatz wurde durch mehr als 200 Schulpatenschaften und großzügige Spenden nicht nur der Schulbetrieb aufrechterhalten, sondern es konnten auch die Gebäude und Inneneinrichtung saniert werden. Leider gibt es in der Zusammenarbeit mit dem neuen Schulrat und dem weltlichen Berater des Bischofs große Meinungsverschiedenheiten, so dass die Fortführung der Patenschaften für diese Schule nicht sichergestellt ist. So mussten wir erfahren, dass Enttäuschungen und Rückschläge auch bei noch so gut gemeinten Hilfsprojekten nicht ausbleiben.

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Mission beim Nomadenvolk der Pokot in Kenia

Nacht etlichen Jahren als Pfarrer in Kacheliba bin ich nun in Amakuriat, der Nachbarpfarrei, tätig. Beide Pfarreien – Kacheliba und Amakuriat – haben ähnliche Herausforderungen, die mit der Lebensart der Pokot zu tun haben. Bei dem Nomadenvolk im Nordwesten von Kenia haben das Christentum und westliche Wertvorstellungen erst kurze Zeit Wurzeln gefasst. Allerdings muss ich anmerken, dass Amakuriat in der Wertschätzung von Ausbildung noch weit hinter Kacheliba hinterherhinkt. Wenn ein Kind in der Schule kein Essen bekommt, weil zum Beispiel der Staat das Geld für die Schulspeisung nicht auszahlt oder das Essen nicht ausliefert, oder wenn der Schulleiter Gebühren für den Unterricht verlangt, lassen viele Eltern ihre Kinder zu Hause. Andererseits gibt es hier noch relativ wenige Internatsschulen, so dass Kinder, die wirklich zur Schule gehen wollen, manchmal 10 Kilometer und mehr zurücklegen müssen, um zur Schule zu kommen. Bei Regen sind dann einige Flüsse nicht zu überqueren oder nur nach langem Warten. Etliche Schulen haben deshalb provisorische Internate eingerichtet. Die Kinder räumen abends die Schulbänke auf die Seite und breiten ihre Matten aus, auf denen sie dann schlafen. Zum Glück hat der Staat seinen ehrgeizigen Plan vorangebracht, jeden Erstklässler mit einem Laptop auszustatten. Nicht, dass die Kinder nun Computer hätten (das wird, wenn überhaupt, noch lange dauern), aber wenigstens hat der Staat Solarenergie in den Grundschulen installiert, die diesen provisorischen Internaten sehr zu Gute kommen.

Um die Christen in den entlegenen Gebieten besser versorgen und die Schulen regelmäßiger besuchen zu können, haben wir die Pfarrei Amakuriat in zwei Subpfarreien (Filialen) mit jeweils 30 Außenstationen aufgeteilt. Im Norden liegt das Zentrum Amakuriat. Im Süden und Südosten besuchen wir die Kapellen von Chelopoy aus. Während P. Maciej Mikolaj und Br. Cesar Chacón in Amakuriat sind, verbringe ich die meiste Zeit in Chelopoy zusammen mit dem kenianischen Scholastiker Benjamin, der hier vor seiner Diakonen Weihe zwei Jahre missionarischen Einsatz leistet. P. Junior Billo als Pfarrer von Amakuriat pendelt zwischen beiden Stationen hin und her. In Chelopoy haben wir ein Pfarrhaus gebaut, das mit dem nötigsten ausgestattet ist. Die Sonne liefert uns auch genug Strom, um zumindest nicht im Dunkeln zu sitzen und eine solarbetriebene Wasserpumpe bringt uns das Wasser auch bis zum Haus. Zudem gibt es dort das Gymnasium „St. Anna“, eine Grundschule und ein Schwesternhaus mit zwei Kenianischen Franziskus-Schwestern.
Mit der Zweiteilung der Pfarrei reduzieren sich die Entfernungen zwischen den Kapellen ziemlich; aber da die Gegend sehr bergig ist, brauchen wir auf den Schotter-, Fels- oder Schlammwegen trotzdem noch zwei bis drei Autostunden und manchmal Stunden zu Fuß bis ans Ziel. Was die Fahrten besonders beschwerlich machen, sind die vielen Wasserläufe, die sich bei Regen blitzartig zu reißenden Flüssen wandeln und die harte Einschnitte in den Wegen zurücklassen. Verglichen mit Kacheliba ist die Infrastruktur hier weit unterentwickelt.

Ein paar Gedanken noch zu meiner neuen Pfarrei

Obwohl wir Comboni-Missionare in dieser Gegend von Kacheliba aus seit 1973 präsent sind, war der Teil um Amakuriat herum etwas vernachlässigt, weil er über 100 Kilometer von Kacheliba entfernt liegt und die Straßen in der Vergangenheit größtenteils kaum passierbar waren. So sind wir hier im wahrsten Sinne des Wortes noch bei der „Erst-Evangelisierung“.

In manchen Gegenden waren Freikirchen vor den Katholiken da, an anderen Orten haben Katechisten, die oft betrunken waren, das Ansehen der Kirche unterminiert. In anderen Fällen ist es einfach so, dass die Leute keine Unterschiede zwischen den Konfessionen feststellen können und dann einfach zu der nächstgelegenen Kirche gehen. In diesem Fall ist es auch kein Thema, einen Sonntag hier und einen anderen Sonntag woanders zur Kirche zu gehen. Für uns ist das eine ziemliche Herausforderung. Während auf der Seite von Amakuriat die Kapellen ziemlich voll sind und ich wirklich sehr überrascht war von der Anwesenheit von vielen jungen Männern, sind auf der Seite von Chelopoy die Kirchen leer. In den Bergen, im Südöstlichen Teil der Pfarrei, geht es langsam aber mit viel Engagement voran. Vieles hängt auch von den Katechisten ab, die mehr oder weniger gut ausgebildet sind. Manche können gerade lesen und schreiben, andere sprechen kaum Kiswahili und nur ein paar wenige haben an einem Pastoralkurs in der Diözese als Vorbereitung zu ihrer Arbeit als Katechist teilgenommen. Leider haben wir kaum eine Wahl, da in den meisten Dörfern noch kaum Leute die Grundschule abgeschlossen haben oder die ersten gerade dabei sind, ihre Ausbildung zu beenden. Selbst ein Treffen der Christen in den „kleinen christlichen Gemeinschaften“ ist schwierig, da niemand da ist, der die Bibel lesen könnte. Anfang Juli hat der Bischof auch unsere neue Kirche in Chelopoy eingeweiht, die sehr vielen Christen Platz und damit auch viele Möglichkeiten der Fortbildung für die Christen bietet.

Ich als Priester genauso wie mein Mitbruder, der Scholastiker Benjamin, halten Gottesdienste (Eucharistie oder Wortgottesdienste) wo immer wir hinkommen und unterrichten die Leute über den Glauben. Wir schlafen in den Dörfern, so dass wir am nächsten Tag alle Zeit mit den Leuten verbringen können. Ich bin noch dabei, die Beste Art und Weise zu finden, wie wir den Menschen hier begegnen können. Da ist noch so viel Wissbegierde in den Leuten, die es einem wirklich leicht macht, sich Zeit für sie zu nehmen. Gottesdienste sind sehr lebendig, da wirklich jeder und jede mitsingt und mit guter Stimme. Die Pokot sind sehr freudige Menschen, wenngleich sie eigentlich auch sehr kriegerisch sein können, wenn es um ihre Herden geht.

Es ist auch hier wiederum eine wunderbare Erfahrung, die ich machen darf und ich wünschte mir das mit euch persönlich vor Ort teilen zu können.