Elektroschrott in Ghana

Seit einigen Jahren beschäftige ich mich mit Fragen des Umweltschutzes. Was können wir als Christen tun, um die Schöpfung zu bewahren? Diese Frage stelle ich mir immer wieder. Dass wir uns nun auch im Rahmen des Fachkräfteaustauschs zwischen dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Bistum Eichstätt und dem katholischen Jugendverband COSRA aus Koforidua, Ghana mit Fragen der Schöpfungsverantwortung befassen, scheint im ersten Moment nicht auf der Hand zu liegen. Doch auf den zweiten Blick ist es genau unser Handeln, dass Menschen in Afrika direkt beeinflusst.

COSRA-BDKJ-Besuch bei der Recyclingfirma Adamec in Führt. pde-Foto: Anika Taiber
COSRA-BDKJ-Besuch bei der Recyclingfirma Adamec in Führt. pde-Foto: Anika Taiber

Ich hole mal etwas weiter aus: Afrika, Ghana, Accra – die Hauptstadt des westafrikanischen Küstenstaats liegt direkt am Meer. Accra, eine, wie man lesen kann, pulsierende Metropole mit über zwei Millionen Einwohnern. 2013 wurde Accra vom Blacksmith Institute zu einem der zehn schmutzigsten Orte weltweit ernannt. Der Ortsteil Agbogbloshie ist wohl eine der größten Elektroschrott-Müllkippen der Welt. An der Korle-Lagune stapeln sich ausgediente Computer, Fernseher und sonstiger Elektromüll, der auf dubiosesten Weg dort hingeraten ist. Es ist nicht etwa Schrott, der aus Ghana selbst stammt, vielmehr landet dort Müll aus Mitteleuropa, aus Deutschland.

Eine eindrucksvolle ARTE-Reportage belegt den Weg, den der Müll an die westafrikanische Küste nimmt und benennt die Ursachen*. Pro Jahr werden in den Industrieländern rund 50 Millionen Tonnen Elektroschrott entsorgr. 75 Prozent davon kommen nie in den offiziellen Recycling-Anlagen an. Der illegale Export von Elektroschrott ist ein Millionengeschäft, das die Umwelt sowie das Leben und die Gesundheit vieler Menschen zerstört.

Die Technologien sind bekannt, um über 90 Prozent des Elektroschrotts wieder zu verwerten. Der Fürther Recyclingspezialist Thomas Adamec, den ich bereits von einer Diskussion beim Diözesanen Schöpfungstag 2014 kenne, hat in seinem Verwertungsbetrieb eine Großanlage entwickelt, die manuell vorbehandelten Elektroschrott maschinell bearbeiten kann. 3.000 Tonnen Schrott können hier im Monat verwertet werden, die recycelten Materialien gelangen dann wieder in die Rohstoffkreisläufe. Dadurch hilft die Anlage knappe Ressourcen zu sparen und die Umwelt zu schonen .

In Ghana ist die Technologie entweder nicht vorhanden oder einfach zu teuer um Elektroschrott entsprechend zu recyclen, oftmals wird die Kunststoffverkleidung von Kabeln und Gehäusen verbrannt, um an die Metalle zu kommen. Dabei werden Schadstoffe in Luft und Wasser freigesetzt und viele seltene Ressourcen gehen verloren.

Ich freue mich, dass wir es schaffen, mit unserem Fachkräfteaustausch Wissen und die Idee vermitteln können, dass es eine Lösung für die Probleme gibt, wenngleich damit ein großer technischer Aufwand verbunden ist und ein Umdenken stattfinden muss.

Gefordert sind dabei vor allem auch wir Europäer, es kann schließlich nicht sein, dass unser Wohlstandsmüll auf den afrikanischen Kontinent oder nach Asien verschifft wird und dort die Umwelt zerstört.

Unsere partnerschaftlichen Verbindungen in die ganze Welt verbinden uns nicht nur in Glauben und Gebet, sie erinnern uns auch immer wieder daran, dass wir verantwortlich für unser Handeln sind.

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Verfolgung um Christi und des Evangeliums willen: „Es ist eine religiöse Säuberung“

„Grausame, unmenschliche, unerklärliche Verfolgungen, vor allem gegen Christen“, nennt Papst Franziskus das Vorgehen von islamischen Terroristen und Fanatikern im Nahen Osten gegen Minderheiten. „Sie sind die Märtyrer von heute, gedemütigt und diskriminiert um ihrer Treue zum Evangelium willen“ (Papst Franziskus, rv 6.8.2015). „Ich rufe die internationale Gemeinschaft von neuem dazu auf, nicht stumm und tatenlos zu bleiben angesichts dieses inakzeptablen Verbrechens“ (Papst Franziskus, Mai 2014). Seit Beginn der Kämpfe in Syrien im Frühjahr 2011 wurden Schätzungen zufolge rund 250.000 Menschen getötet. Fast die Hälfte der Bevölkerung – zwölf Millionen Männer, Frauen und Kinder – sind auf der Flucht. Der Patriarch der syrisch-katholischen Kirche Ignace Youssif III. Younan ruft uns zu:

„…Es ist eine religiöse Säuberung! Was Ihre Regierungen nicht sehen wollen, und wovon Ihre Regierungen nichts wissen wollen. Denen ist die Religionsfreiheit dieser Gemeinschaften, die über Hunderte von Jahren durch ihre Treue zum Evangelium dort durchgehalten haben, ziemlich egal! …Man sagt uns, es gebe internationale Einrichtungen zur Verteidigung der Menschenrechte und der Religionsfreiheit – aber wo sind die denn? Das ist eine Lüge! …Was sollen wir tun? Wie hat es der ‚Islamische Staat’ geschafft, so weit zu kommen!“(rv 08.08.15).

Wachen wir endlich auf! Realitätssicht und kein falsches Neutralitätsprinzip! Wir werden an unserer Äquidistanz und verbaler Ausgeglichenheit noch kaputt gehen. Wir sind dabei, die eigenen christlichen Wurzeln zu verleugnen. Ohne eigene Identität aber fehlt uns die Fähigkeit, Ereignisse und Zusammenhänge richtig zu deuten. Der permanente Versuch, die Christenverfolgungen der Gewalt gegen andere religiöse Gruppen gleichzustellen, entspricht nicht den Tatsachen. Mindestens 70 Prozent aller Verfolgungen in der Welt trifft Christen (Pew Research Center, Washington). Die EU verwechselt leider bis heute oft die europäische Identität mit der eigenen Brieftasche. Europäische Identität ist ohne das Christentum nicht denkbar.

Die Ankunft von immer mehr muslimischen Flüchtlingen bei uns wird sehr bald zu einer großen Herausforderung für die christliche und demokratische Identität des Kontinents werden. „Als Christen haben wir die Pflicht, die Flüchtlinge aufzunehmen, aber Europa muss auch die eigene, d.h. eine christliche Identität wahren können. … Es gibt muslimische Migranten, die sich (bei uns) mit einem speziellen Problem konfrontiert sehen. Sie können z.B. die Trennung von Religion und Politik, von Kirche und Staat, wie wir es sagen würden, nicht akzeptieren. Das hat einen direkten Einfluss auf den Integrationsprozess. Und was machen wir da? Wir müssen sagen, dass es Grundwerte gibt, die akzeptiert werden müssen. Dazu gehört die Wahrung des Pluralismus in unserer Gesellschaft, die Trennung von Politik und Religion und die Akzeptanz normaler demokratischer Prozesse, sodass ein friedliches, konstruktives Zusammenleben möglich ist, und die Menschen, die kommen, Teil der Gesellschaft werden und sie bereichern“ (Erzbischof S. M. Tomasi, Vertreter des Hl. Stuhls bei der UNO, 23/08/2015).

Hilfe für alle, ja – aber auch in Rücksicht auf unsere christlichen Schwestern und Brüder. Wenn wir größere Zusammenstöße vermeiden wollen, dann müssen wir bei der Flüchtlingsverteilung bei uns auch über die nationale und religiöse Zusammensetzung der einzelnen Gruppierungen nachdenken. Es müssen sich die Christen wenigstens in unseren Einrichtungen sicher und wohl fühlen können, was längst nicht mehr überall gewährleistet ist.

Ich bitte Sie alle, soweit es Ihnen möglich ist, engagieren Sie sich in Helferkreisen für die Flüchtlinge. Jeder von Ihnen hat ein Talent, das dringend gebraucht wird. Im Vertrauen auf die Hilfe Gottes, seiner Mutter und aller Heiligen, werden wir, dank Ihrer Mithilfe und Ihrem Gebet, auch weiterhin unseren notleidenden Brüdern und Schwestern helfen können.

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Ein Jahr in Chile – meine beste Entscheidung

Ich melde mich wieder – ein letztes Mal. Denn ich bin wieder zu Hause. Ein ganzes Jahr war ich jetzt weg von zu Hause. Von meiner Familie und meinen Freunden habe ich nur meinen Bruder gesehen. Seit einer Woche befinde ich mich nun wieder hier in Deutschland!

Doch zunächst zu den letzten Wochen in Chile… Sie waren voll von Abschied und deshalb voll von schönen Momenten, aber auch von Traurigkeit begleitet. Denn für mich war es ein sehr schrecklicher Gedanke, all die Menschen in Chile verabschieden zu müssen. Auch der Gedanke „das mache ich jetzt zum letzten Mal“ war sehr schrecklich. So habe ich meine Freunde und Arbeitskolleginnen oft nochmal zu mir nach Hause eingeladen und versucht, so viel Zeit wie möglich mit ihnen zu verbringen.

Vom 21. bis 23. Juli war unser Abschlussseminar mit allen Freiwilligen in Punta de Tralca, ein kleiner Ort am Pazifik. Dort haben wir noch einmal das ganze Jahr reflektiert und über unsere Erfahrungen und Erlebnisse gesprochen. Ein großes Thema war auch der bevorstehende Abschied und das Wiedereinleben in Deutschland. Mit allen Freiwilligen zusammen haben wir eine große Abschiedsparty veranstaltet und jeder konnte seine liebgewonnen Chilenen einladen, das war sehr schön!

Von der Fundación Naciente wurden alle Freiwilligen, die dort gearbeitet haben, mit einem leckeren Mittagessen verabschiedet. Außerdem haben mir noch meine eigene Sala und meine Kinderkrippe einen Abschied bereitet. Ich war jedes Mal den Tränen nahe und wenn ich in die kleinen Kinderaugen blickte und wusste, dass es meine letzten Stunden mit ihnen sein würden, war es vorbei und die Tränen liefen mir nur so herunter.

Am 1. August ist meine Mitbewohnerin bereits nach Hause geflogen – die Freiwilligen der Organisation Amtena kommen und fliegen immer eine Woche vor uns und ich konnte die neuen Freiwilligen schon begrüßen. Am 5. August war mein letzter Arbeitstag und es war für mich schrecklich, alle verabschieden zu müssen!

Die letzten Tage in Chile habe ich damit verbracht, alle meine Liebsten noch mal zu sehen, Koffer zu packen und ein letztes Mal Santiago zu genießen. Von ein paar Arbeitskolleginnen und meiner chilenischen Familie wurde ich dann am 9. August zum Flughafen gebracht – es war ein sehr tränenreicher Abschied!

Nach einem etwas turbulenten Flug kam ich endlich in Deutschland an und wurde wahnsinnig lieb von meiner ganzen Familie empfangen. Meine Geschwister spielten mir noch am Flughafen ein Ständchen mit ihren Blasinstrumenten und ich habe mich wirklich gefreut, sie nach einem Jahr wieder in den Arm nehmen zu können!

Jetzt lebe ich mich wieder in Deutschland ein. Ich treffe Freunde und Familienmitglieder und darf immer wieder von meinen Erlebnissen in Chile erzählen. Auch wenn der Abschied und die Rückkehr nicht einfach waren, ist es schön, wieder zu Hause zu sein.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal allen Spenderinnen und Spendern danken, durch die ich viele Projekte in der Sala Cuna, aber auch in der Kindergruppe der Gemeinde verwirklichen konnte. Ein neuer Rasen, viele Bastelaktionen, neue Spielgeräte, eine Fotowand für die Kinder, Pizza backen mit den Kindern, ein Adventskalender mit vielen kleinen Dinge und sonstige Materialien waren ein Teil davon. Herzlichen Dank dafür!

Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass dieses Jahr in Chile die beste Entscheidung war, die ich treffen konnte. Klar, das Jahr war voll von Höhen und Tiefen, aber das ist jedes Jahr und in meinem Fall haben die Höhen absolut überwogen. Diese Erfahrungen und Erlebnisse werden ein Leben lang in meinem Kopf bleiben, auch wenn mir jetzt nach meiner Rückkehr vieles wie ein Traum vorkommt.
Ich vermisse Chile jetzt schon, aber einen Ort, an dem man ein Jahr lang gelebt hat, und seine Sitten und Traditionen, die man liebgewonnen hat, vergisst man wohl nicht so schnell. Für mich steht jetzt schon fest, dass ich eines Tages – sei es im Urlaub, Auslandssemester oder zur Arbeit – nochmal zurückgehen werde.

„Nie wieder wirst du an einem Ort ganz zu Hause sein, denn ein Teil deines Herzens wird sich immer an einem anderen Ort befinden. Das ist der Preis, den du dafür zahlst, dass du Menschen an mehr als nur einem Ort kennen lernen und lieben darfst.“