Quo vadis, Ukraine?

Seit letztem Jahr und noch mehr in den letzten Monaten kann die Ukraine als „ein Land der Tränen in Europa“ bezeichnet werden. Die „Revolution der Würde“ (wie der Euromaidan in der Ukraine rückblickend genannt wird – A.d.R.*), die Proteste im ganzen Land, das brutale Vorgehen der Janukowitsch-Polizei und die Todesfälle am Maidan-Platz in Kiew, der Konflikt mit Russland um die Halbinsel Krim, der „inoffizielle Krieg“ mit Russland in der Ostukraine, Tausende Tote und zahlreiche Flüchtlinge – dies alles ist die Realität der heutigen Ukraine, in der eine neue Generation heranwächst und sich gesellschaftlich formiert. Sie ist die Zukunft der Ukraine, und daher ist es überaus wichtig für sie, sowie für alle Ukrainer, die gegenwärtigen Geschehnisse im christlichen Geist einzuordnen und manche Seite der heutigen ukrainischen Geschichte auch positiv zu betrachten. Aus meiner Sicht entwickelten sich aus den letzten Ereignissen auch positive Aspekte für die Zukunft des Landes, unter anderem:

  • eine klare Entscheidung der überwiegenden Mehrheit der Ukrainer für die Werte der Demokratie und Freiheit;
  • das Gefühl der Würde und des Bewusstseins, ein eigenes Volk zu sein;
  • die Relativierung der unterschiedlichen Sprachen für die Einheit der Ukraine;
  • ein starkes Zeichen der Menschlichkeit in den Krisensituationen.

Die Erfahrung der Menschlichkeit und des Eintretens füreinander hat für die Gesellschaft in der Ukraine weitreichende Folgen. Die Ukrainer zeigen gegenwärtig ein großes Maß an Selbstorganisation, der gegenseitigen Hilfe und des Altruismus. Dies bemerken auch viele Menschen, die aufmerksam die heutige Situation in der Ukraine beobachten. Beispielhaft ist das kurze Zitat der Lemberger Journalistin Tetiana Sliysarschuk vom Medienportal „Zaxid.net“, die den Einsatz ihrer Mitbürger so beschreibt: „Der Freiwillige ist ein Phänomen der „Revolution der Würde“ und eine unentbehrliche Hilfe […]. Der Enthusiasmus und der Erfindungsreichtum der Ukrainer im Hinterland machen einen großen Eindruck“.

Seit dem Anfang der „Revolution der Würde“, den Ereignissen auf der Krim und in der Ostukraine unterstützen die Ukrainer einander mit einem beispielhaften Engagement. Es geht nicht nur um die große finanzielle Unterstützung der freiwillig Engagierten, die von unzähligen Menschen guten Willens erbracht wird, sondern auch um die breite Basis für die „Revolution der Würde“, die auf diese Weise sichtbar wird. Man kann in diesen Tagen besonders bemerken, wie das konkrete menschliche Leben geschätzt wird. Die Menschen in der Ukraine kümmern sich um die Familien der Verstorbenen am Maidan genauso wie um die Angehörigen der Opfer der Kämpfe und um die hunderttausend Binnen-Flüchtlinge.

Die ukrainischen Kirchen spielen momentan im Prozess dieser neuen Menschlichkeit auch eine wichtige Rolle: Sie möchten dem eigenen Volk in diesen schweren Stunden seiner Geschichte beistehen und versuchen mit verschiedenen sozialen Projekten die Gesellschaft zu unterstützen. Darüber hinaus sind viele Priester der verschiedenen ukrainischen Kirchen als Militärkapläne tätig, um die Zivillisten und die Soldaten in der Ostukraine geistlich zu betreuen. Im Blick auf die zurück liegenden Monate kann man sagen: Durch die Ereignisse seit dem Beginn der „Revolution der Würde“ haben die Ukrainer die Gesellschaft und den Alltag für sich selbst reorganisiert und befinden sich heute in einer Phase gelebter Solidarität.

Die Ukraine ist anders geworden. Obwohl die Ukrainer fast täglich Tote zu betrauern haben und viele Menschen Not leiden, sehen sie trotzdem mit großer Hoffnung in die Zukunft. Wie oben gesagt, das letzte Jahr ist das Jahr der großen positiven Änderungen in der ukrainischen Zivilgesellschaft geworden. Die Ukraine wartet auch auf die gleichen positiven Änderungen in der eigenen Politik und will ein Land mit europäisch-demokratischen Werten sein, in dem Frieden herrscht.

*Anmerkung der Redaktion: Der Euromaidan – in der Ukraine auch „Revolution der Würde“ genannt – wurde im November 2013 ausgelöst durch die Ankündigung der damaligen ukrainischen Regierung, ein geplantes Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union nicht unterzeichnen zu wollen.

Der Kampf gegen Lepra in Brasilien

Brasilien ist das zweitgrößte Lepraland nach Indien mit 32.000 Neuerkrankungen im Jahr 2013, davon 2.400 Kinder. Die Dunkelziffer dürfte um einiges höher sein. Die Lepra konzentriert sich in den Regionen Zentralwesten, Norden und Nordosten, während die besser entwickelten Regionen im Süden und Südosten die Krankheit bereits unter Kontrolle haben. Auffallend ist die hohe Zahl der Neuerkrankungen bei Kindern, was bedeutet, dass die Krankheit noch nicht unter Kontrolle ist, denn die Kinder werden von Erwachsenen angesteckt. Deshalb startete das brasilianische Gesundheitsministerium eine Kampagne in den Schulen. In 853 Städten wurden 3,8 Millionen Schulkinder auf Lepra untersucht und 300 neue Fälle entdeckt.

Die Kampagne wird von der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW), für die ich hier in Brasilien tätig bin, unterstützt und soll jährlich wiederholt werden. Der Verein mit Sitz in Würzburg leistet Hilfe für die Lepraarbeit in den Bundesstaaten Mato Grosso, Mato Grosso do Sul, Amazonas und Maranhão, mit einer Bevölkerung von 16.568.641 Einwohner und einer Fläche von km² 3.151.607. In 2013 wurden 7.852 neue Leprafälle in diesen Bundesstaaten registriert, dabei waren 658 Kinder betroffen. Mato Grosso hat mit 91 Leprafällen pro 100.000 Einwohner die höchste Leprarate Brasiliens, gefolgt von Maranhão mit 55 Fällen pro 100.000 Einwohner. Die Bundesstaaten Maranhão und Amazonas haben eine der höchsten Armutsraten Brasiliens – über 20 Prozent der Bevölkerung gelten als arm.

Da es sich um große, dünn besiedelte Gebiete mit teilweise schwer zugänglichem Gelände, wie im Amazonasurwald im Norden vom Mato Grosso oder in Maranhão, handelt, sind auch die Lepraaktivitäten mit erheblichen Anstrengungen und Gefahren verbunden. Die Leprateams sind häufig wegen der schlechten Straßen, gefährlichen Brücken, langen Bootsfahrten und abenteuerliche Flüge im Amazonasgebiet großen Gefahren ausgesetzt. Häufig können sie mit den niedrigen Tagegeldern kaum das Hotel bezahlen. Solche Reisen sind mit erheblichen Strapazen und vielen Überstunden, die nicht abgerechnet werden, verbunden.

Das Lepraprogramm ist in den brasilianischen Basisgesundheitsdienst integriert, der durch das Programm „ Teams für Familiengesundheit“ getragen wird. Die DAHW unterstützt die Städte im Kampf gegen die Lepra und trägt dazu bei, dass die Krankheit nicht vergessen wird. In Kooperation mit den nationalen Ausbildungs- und Forschungszentren für Lepra in Manaus und in Bauru/São Paulo unterstützt der deutsche Verein die Städte bei der Ausbildung von medizinischem Fachpersonal. 4.264 Fachkräfte aus 286 Städten nahmen an Ausbildungskursen teil. Da der Wechsel der Fachkräfte sehr hoch ist, müssen permanent Fortbildungen zum Thema Lepra angeboten werden.

Die Städte organisieren zudem Aufklärungskampagnen und führen Reihenuntersuchungen in der Bevölkerung durch. Im Rahmen der Rehabilitierung von Leprakranken werden in mehr als 25 Schusterwerkstätten in den vier Bundesstaaten jährlich über 1.500 Patienten betreut. Ein Chirurg vom Referenzzentrum Alfredo da Matta in Manaus fährt regelmäßig in die Urwaldstädte, um Leprakranke zu operieren.
Die gesellschaftliche Rehabilitierung von Leprakranken ist ein wichtiger Teil der Arbeit. Leprakranke organisieren sich in Selbsthilfegruppen, um sich gegenseitig zu helfen, besser mit Problemen wie Körperbehinderungen, Vorurteilen und psychischen Problemen umzugehen. Die Gruppen werden von einem Arzt und einer Krankenschwester sowie häufig von Sozialarbeitern und Psychologen begleitet. In der Gruppe nehmen auch Menschen aus der Gemeinde teil, die nicht an Lepra erkrankt sind, um die Reintegration der Leprakranken zu fördern. Die Gruppen treffen sich wöchentlich, organisieren Aktivitäten wie Stricken, Häkeln, Nähen, Handwerkkunst, Kochen und gemeinsame Feste. Die Produkte verkaufen sie dann auf dem Markt oder bei anderen Gelegenheiten. Der Erlös wird unter den Teilnehmern aufgeteilt und die Kosten für Anschaffung von Materialien finanziert. Fünf solche Gruppen unterstützt die DAHW in den vier Bundesstaaten.

Mehr zum Thema: Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe in Brasilien

Missionarin auf Zeit – Lehrerin in Tansania

Ich will diesmal ein bisschen näher von meinem Alltag in Tansania erzählen, der sich in den letzten Wochen so breit gemacht hat. Jeder Morgen startet mit der heiligen Messe, in die abwechselnd die erste und zweite Klasse hingeht. Meistens beinhaltet das ein bisschen Morgensport, damit ich nicht zu spät komme. Von allen Seiten werde ich mit einem „Good morning, Teacher. How are you?“ begrüßt. Dass die Mädchen im Gottesdienst mit dabei sind, ist super, weil sie mir mit ihrem lebhaften Gesang ganz wunderbar beim Aufwachen helfen können.

Als Lehrerin in Tansania. Fotos: Katharina Stein
Schule in Tansania. Fotos: Katharina Stein

Nach dem Frühstück gehe ich zurück in die Schule, richte mein Zimmer und gehe zum Klassenraum. Montags, mittwochs und freitags haben wir vorher noch Assembly, wo wir das Vater Unser auf Englisch beten und organisatorische Dinge besprechen. Dann geht’s in die Klasse. Eine Unterrichtsstunde dauert zwei Stunden, was die Sache sowohl für Schüler als auch Lehrer nicht unbedingt leichter macht.

Im jetzigen Stundenplan bin ich montags immer in beiden Jahrgängen und Dienstag und Mittwoch jeweils in einem Jahrgang. Die restliche Zeit kann man mich im Büro antreffen, wo ich der Schwester alles Mögliche an Arbeit abnehme, mich um das Taschengeld der Mädchen kümmere, meinen Unterricht vorbereite oder Swahili lerne, wenn gerade nichts zu tun ist. Um 13 Uhr ist Mittagessen, danach hab ich eine kurze Pause, bis es um 14 Uhr wieder ins Büro geht. Um 17 Uhr Uhr verlasse ich (wenn möglich) das Büro, und vertreibe mir die Stunde bis zum Prayer (Abendgebet). Dann gibt es Abendessen und schon ist der Tag fast vorbei, da bis 21 Uhr noch  Lernzeit für die Mädchen ist.

Am Donnerstag oder Freitag gehen eine Schwester und ich meistens in die Stadt, um das Shopping für die Schule zu erledigen. Wenn wir Glück haben, bekommen wir den PickUp, ansonsten fahren wir mit dem Kleinbus eine halbe Stunde lang in die Stadt. Schön eingequetscht zwischen all den Menschen. In einen Bus passen 16 bis 28 Leute. Voll gibt’s da nicht! In Arusha gehen wir in alle möglichen Läden, auf den Markt, zur Post, zur Bank etc.

Am Samstagmorgen gehe ich mit den Mädchen joggen, die Straße runter bis zur Hauptstraße. Dabei muss man aber immer  aufpassen, dass man nicht von einem Piki-Piki-Fahrer überfahren wird, der da   mit 100 Sachen runterbrettert. Vormittags putze ich mein Zimmer, nachmittags ist die Wäsche dran, die ich mit der Hand wasche *ächz*. Den restlichen Nachmittag mache ich irgendwas anderes.

Besonders schön ist es natürlich, wenn ich mal in die Stadt gehe oder mich mit jemandem treffe  oder bei einer Veranstaltung bin. Abends bin ich mit den Mädchen zusammen, die ihre Lieder für den Sonntagsgottesdienst üben. Das bedeutet aber nicht, dass die sich brav irgendwo hinsetzen und ein bisschen singen. Nein, wenn meine Mädchen singen, dann geht die Post ab! Da sitzt niemand lange still. Es wird getrommelt, gehüpft, geklatscht, getanzt und gejubelt. Und das alles zu Kirchenliedern – bei uns unmöglich. Da kommt es auch nicht selten vor, dass unsere Maassai-Mädchen gemeinsam anfangen ihre Stammestänze zu tanzen oder sich die Mädchen gegenseitig die Bewegungen ihres Stammes beibringen. Das ist wunderschön anzuschauen.

Sonntags heißt es Ausschlafen, da erst um 8 Uhr Messe ist. Danach helfe ich in der Küche, beende meine Wäsche oder bin anders aktiv. Nach dem Mittagessen gehen wir um 15 Uhr zum Fußballspielen auf einen Bolzplatz, wo wir uns eine bis eineinhalb Stunden austoben. Nicht jeder Fußballer würde die Sportart vermutlich als solche erkennen, aber es macht Spaß und wenn ein Tor fällt, ist das Geschrei groß. Heimlaufen, duschen und schon ist es wieder Zeit für das Gebet und Abendessen.

Das ist eine ganz normale Woche bei mir. Auch wenn der Ablauf im  Detail vielleicht nicht so spannend ist, ist er doch für mich eine große Umstellung gewesen.

Bolivien – Pfarrseelsorge in Santa Cruz de la Sierra

Es gibt einen gewissen Rhythmus im Leben, und doch ist jedes Jahr und jeder Tag neu und anders. Dies kann ich zumindest von 2014 sagen. In Bolivien herrscht relative Ruhe. Am 12. Oktober war Präsidentschaftswahl, und es war vorauszusehen, dass Evo Morales von der sozialistischen Partei wieder gewinnen würde. Es ist seine dritte Amtszeit. Dennoch hat er eigentlich nichts Wesentliches verändert oder verbessert, obwohl er immer vom Cambio (Wechsel) spricht. Rauschgift und Gewalt sind auf dem Vormarsch und kaum aufzuhalten. Die Behörden sind nicht in der Lage (oder auch nicht gewillt) ernsthaft durchzugreifen. Mal sehen, was die nächsten fünf Jahre bringen. Ein Freund der Kirche ist der Präsident jedenfalls nicht.

In der bolivianischen Franziskanerprovinz (Provincia Misionera San Antonio) hingegen hat sich einiges getan – und dies hat auch mich ziemlich betroffen. Am 25. März wurde unser einheimischer Provinzial Pater Aurelio Pessoa zum Weihbischof von La Paz ernannt. Damit musste er seine Ämter in der Provinz ruhen lassen. Da ich Vizeprovinzial war, musste ich automatisch die Provinzleitung übernehmen und somit auch das Provinzkapitel im September vorbereiten. Dies bedeutete, dass ich viele Visitationsreisen machen musste, um mit den Mitbrüdern zu reden. Dabei begleitete mich immer auch der bolivianische Provinzsekretär. Oft war er mein Fahrer, manchmal aber waren wir auch im Flugzeug unterwegs.

Zwar bin ich inzwischen 35 Jahre in Bolivien, doch viele und wichtige Teile des Landes hatte ich noch nie gesehen. Es war also eine einmalige Gelegenheit. Allerdings war dies nicht immer sehr erfreulich: Auf engen und kurvenreichen Schotterstraßen auf 3000 bis 4000 Meter Höhe, an tiefen Schluchten vorbei… Interessant, doch nicht immer angenehm.
Dann musste ich verschiedene Versammlungen leiten und unsere Vollversammlung vorbereiten. Um eine Kandidatenliste für den neuen Provinzial aufzustellen, wurden zwei Wahlen unter allen 103 Mitbrüdern durchgeführt. In beiden Wahlen lag ich klar an der Spitze. Ich gab den Mitbrüdern kund, dass ich mich nicht zur offiziellen Wahl stellen möchte. Gründe: Ich bin 69 Jahr alt und habe durchaus keine gute Gesundheit. Andererseits muss ein Provinzial ständig unterwegs sein. Und dies bei diesen Wegen, Entfernungen und Höhenunterschieden. Zudem ist knapp die Hälfte der Mitbrüder Bolivianer. Außerdem sind wir Ausländer fast alle mehr als 65 Jahre alt. Also ist es höchste Zeit, dass die Bolivianer selbst die Verantwortung übernehmen. Allerdings bin ich in das sogenannte Definitorium gewählt worden: Es sind fünf Ratsmitglieder, zu denen auch Pater Martin Sappl aus Bad Tölz zählt. Nun geht es bald um die Versetzungen. Es wird nicht einfach sein, und die kommenden Jahre werden schwierig. Nun ja, wir hoffen, dass es gut geht.

Pfarrei San Antonio

So bin ich vorerst noch Pfarrer von San Antonio in der Großstadt Santa Cruz de la Sierra, mit knapp 1,5 Millionen Einwohnern die größter Stadt Boliviens. Seit neun Jahren bin ich hier, nachdem ich 26 Jahre in Concepcion war. Wir betreuen 13 Außenstellen, die zum Teil wie eigene Pfarreien funktionieren. Im Haus sind wir momentan fünf Franziskaner: Drei Priester arbeiten in der Pfarrei (einer davon ist zugleich Leiter der Schule mit 2.400 Schülern). Zudem ist P. Walter Neuwirth (Deutscher) hier als Pensionär, und Bruder Feliz (Pole) als Hausökonom.

In diesen neun Jahren, die ich nun hier bin, konnte ich entscheidend mithelfen, dass eine Krankenstation im Haus für Franziskaner funktioniert, dass die Pfarrkirche zweimal erweitert wurde. Auch wurden verschiedene Säle und Räume als Pfarrzentrum geschaffen. Vor einem Jahr wurde auch das sogenannte Centro Franciscano mit Speisesaal, Versammlungsräumen und 50 Betten eröffnet. Dankbar kann ich sagen, dass es sehr gut angenommen wird und fast jede Woche Gruppen kommen. Doch dies alles muss natürlich organisiert werden.

In vielen Filialen konnte ich die Kapellen erweitern oder fertigstellen lassen, dazu auch Versammlungsräume. In vier Außenstellen am Stadtrand zelebrierte ich noch einige Jahre unter den Bäumen, doch inzwischen haben wir auch dort Kapellen und Räume. Doch ist nicht nur wichtig, zu bauen, sondern auch die Pastoral aufzubauen und zugleich zu entwickeln. So gibt es überall Gruppen, Vorbereitung für Erstkommunion und Firmung, einige Seniorenclubs, Musikgruppen, Jugendgruppen… Da es hier keine Orgeln gibt, spielen die Jugendlichen mit Gitarren, Trommeln und Elektroorgeln. Es ist gut, dass man älter und damit etwas schwerhörig wird. Doch den Leuten gefällt die Lautstärke. Jedes Wochenende können wir hier im Haus bis in die Morgenstunden kostenlos tanzen, da von den verschiedenen Bars die Musik tönt und sogar die Fensterscheiben vibrieren und klirren.

Andererseits kommen viele Jugendliche in die Kirche, spielen Musik und sind in der Gemeinde aktiv. So gibt es auch viele junge Katecheten für die vielen Filialen und Gruppen – wir haben zum Beispiel 350 Firmlinge und jährlich rund 100 Hochzeiten. Manchmal ist es nicht ganz so einfach, eine solche Pfarrei mit rund 50.000 Leuten in 13 Filialen zu organisieren und zusammenzuhalten. Aber bis jetzt scheint es, dass ich es ganz gut geschafft habe.

Nach wie vor haben wir zwei Speisesäle für Kinder aus armen Familien und eine Krankenstation. Auch helfe ich bei der Finanzierung eines Lehrers in der Taubstummenschule. Für einige Religionslehrer brauche ich monatlich gut tausend Euro. Wir sind dabei, Pfarr-Caritas zu verbessern, da Arme und Kranke aus der ganzen Stadt bei uns auftauchen. Wer ist wirklich arm, wer faul, wer betrügerisch? Immer wieder stehe ich vor Entscheidungen, den wirklich Armen zu helfen ohne in die Fallen der Schwindler zu tappen. Wir überlegen, ob wir nicht eine Sozialarbeiterin für diese wichtigen Aufgaben einstellen sollten und hoffentlich auch finanzieren können.