Leben mit Behinderung in Palästina

Das Friedenslicht, das jedes Jahr in der Geburtsgrotte in Bethlehem entzündet und von Pfadfindern nach Deutschland gebracht wird, leuchtet in diesen Tagen in vielen Pfarreien und Einrichtungen in unserem Bistum. Eine Besonderheit in diesem Jahr ist, dass die Pfadfinder ein Lichtzeichen der Hoffnung zurück nach Palästina senden. Sie unterstützen die Behinderteneinrichtung Lifegate in Beit Jala nahe Bethlehem, indem sie Olivenholzschnitzereien, Gotteslobhüllen und Olivenöl aus den Werkstätten dieser Institution verkaufen und Spenden sammeln.

Leben mit Behinderung in Palästina heißt in vielen Fällen versteckt werden, weil die Familie Angst hat, dass die ganze Familie von der Gesellschaft verstoßen wird. Das habe ich bei einem längeren Aufenthalt direkt vor Ort erfahren. Oftmals bleibt behinderten Kindern auch Bildung, Ausbildung und eine normale Entwicklung vorenthalten – aus Unwissenheit und Scham der Eltern. Die medizinische Versorgung ist mangelhaft. Menschen mit Behinderungen werden mit ihren Leiden und Problemen oft nicht ernst genommen. Hinzu kommt, dass viele Familien nicht über die Mittel verfügen, teure Diagnostik und Behandlungen finanzieren zu können bzw. für viele Krankheitsbilder in Palästina weder eine Diagnostik, geschweige denn eine adäquate Behandlung verfügbar ist.

In dieser großen Not nimmt die Rehabilitationseinrichtung „Lifegate“ eine herausragende Stellung ein. Sie ist einzig in ihrer Art in Palästina und in Beit Jala beheimatet. Beit Jala ist eine Kleinstadt im Westjordanland, etwa fünf Kilometer von Jerusalem und mit Bethlehem inzwischen zusammengewachsen. Ziel der Arbeit ist es, die Situation betroffener Menschen zu verändern. Lifegate führt behinderte Menschen in die Selbstständigkeit, integriert sie in die Gesellschaft und in das Berufsleben, hilft ihnen, somit für sich selber zu sorgen.

Im Jahr 1989 begann der deutsche Erzieher und CVJM-Sekretär Burghard Schunkert aus Gießen in Beit Jala damit, jungen behinderten Männern eine Ausbildung anzubieten – kurze Zeit später kamen behinderte Frauen dazu. Inzwischen bietet die Berufsausbildungswerkstatt 14 Lernberufe und für schwer behinderte Menschen einen beschützenden Arbeitsplatz an.

Lifegate ist die einzige Einrichtung im Westjordanland, die eine fundierte Frühförderarbeit und einen Förderkindergarten anbietet. Dazu kommt eine Therapieabteilung mit einem Ausbildungs- und Fortbildungsprogramm für die Mütter der Kinder. Die Lifegate-Therapeuten und -Techniker bieten mit der Fachwerkstatt eine Rollstuhl- und Hilfsmittelversorgung an. Regelmäßige Hilfsmittelsprechstunden werden bei Lifegate für andere Organisationen der Behindertenhilfe durchgeführt. Vor zwei Jahren hat Lifegate eine Förderschule eingerichtet. Gleich zu Beginn gab es so viele Anmeldungen, dass mit drei Klassen begonnen werden musste. Im letzten Jahr gab es sogar fünf 1. Klassen.

Die Arbeit finanziert sich aus Spenden und dem Verkauf der Geschenkgegenstände, die von den behinderten Menschen hergestellt. Die Handwerksarbeiten können über die Caritas-Werkstätten in Tauberbischofsheim und bei der laufenden Friedenslichtaktion im Bistum Eichstätt erworben werden. Mit dem Verkauf werden Menschen mit Behinderungen mit Arbeit versorgt. Zudem stellen Eltern von behinderten Kindern und die Bauern der Umgebung ihr Olivenöl zum Verkauf zur Verfügung. Über 150 Volontäre aus Deutschland unterstützten bisher die Arbeit von Lifegate und gründeten in Würzburg den Förderverein Lifegate-Tor zum Leben.

Bei den vielen Besuchen im vergangenen Jahr hat mich die Arbeit von Burghard Schunkert und seinem Team aus etwa 40 Mitarbeitern sehr fasziniert und überzeugt – als wirkliche Friedensarbeit und „Völkerverständigung“. Es hat mich tief beeindruckt, dass der palästinensische, muslimische Vater erkennt, dass die „eigenen Leute“ sein Kind niemals so gut behandelt hätten, wie es die Israelis tun, und dafür deren Sprache lernt. Und wie es den israelischen Arzt fasziniert, wie sich dieser Vater für seine behinderte Tochter einsetzt und dafür Arabisch büffelt. Auch hat es mich tief beeindruckt, wie muslimische und christliche Eltern miteinander umgehen: Sie tauschen Erfahrungen und bei Bedarf Hilfsmittel aus, besuchen sich gegenseitig zu den Festen und lernen miteinander Hebräisch.

Der Umgang der Mitarbeiter hat mir ebenso imponiert. Er ist von Respekt und gegenseitiger Wertschätzung geprägt. Es ist jeder wichtig und wertvoll. Eine große Stärke von Lifegate ist der Umgang mit den Spendengeldern. Diese fliesen zu einem sehr hohen Prozentsatz in die Arbeit von Lifegate. Die Verwaltung besteht aus zwei Sekretärinnen (eine in Beit Jala und die andere hier in der Geschäftsstelle) sowie einer 400-Euro-Kraft zum Verkauf der Waren in Deutschland.

Natürlich gefällt mir auch, dass man die Arbeiten aus den Werkstätten hier Deutschland bestellen kann. Mein Mann und ich haben viele „Mitbringsel“ geordert und damit gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Kein Problem mit einem zu schweren Koffer, keine Probleme am Zoll und so ganz nebenbei haben wir auch noch ein gutes Werk getan – und schön, oftmals sehr individuell, sind die Geschenkartikel zudem auch noch.

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Jugend in Brasilien – ein Blick hinter die WM-Fassade

Seit mehreren Jahren unterstützt die Mitarbeiterschaft der Caritas-Zentrale Eichstätt und der ihr angeschlossenen Beratungsstellen im Bistum ein Hilfsprogramm zugunsten von Straßenkindern und anderen benachteiligten jungen Menschen in Recife/Brasilien. Vor zwei Jahren starteten Jugendliche innerhalb dieses vom Hilfswerk Caritas international geförderten Programms ein besonders anschauliches Projekt: Sie wurden zu Fotoreportern ausgebildet, erforschten mit der Kamera ihre Umgebung und dokumentierten, welche Missstände sie berühren: zum Beispiel Müllhalden und Umweltverschmutzung in ihren Vierteln, Wohnungslosigkeit, Armut und Drogenproblematik. Die Fotografie diente so dazu, die Wahrnehmung der Kinder und Jugendlichen für ihre Lebensbedingungen zu verändern und dadurch für soziale Themen in ihrer Gesellschaft sowie auch im Ausland zu sensibilisieren.

Aus dieser Arbeit entstand eine Wanderausstellung, die bereits in verschiedenen Städten in Deutschland zu sehen war – in den vergangenen Wochen bei uns im Diözesanjugendhaus Schloss Pfünz. Anlass, sie hierher zu holen war zum einen die Projektpartnerschaft der Eichstätter Caritas mit der Caritas in Brasilien. Zum anderen diente die Ausstellung als eine Initiative unseres Caritasverbandes innerhalb der bundesweiten Caritas-Jahreskampagne unter dem Motto „Weit weg ist näher, als du denkst“.

Das Projekt wurde im Zusammenhang mit der Fußballweltmeisterschaft 2014 in Brasilien durchgeführt. Die Macher wollten damit die Vor- und Nachfreude (vor allem aus deutscher Sicht) über dieses Großereignis sicherlich nicht vermiesen. Doch die Ausstellung zeigt, wie sich jenseits der „WM-Fassade Brasilien“ junge benachteiligte Menschen in schwierigen Lebenslagen – unter anderem aus „Favelas“ (Armenvierteln) – kritisch mit ihrer eigenen schwierigen Lebenswelt auseinandersetzen. Brasilien wird als Land der Gegensätze dargestellt: Dass es inzwischen zu einer Wirtschaftsmacht aufgestiegen ist, wurde zum Beispiel mit fotografierten Hochhäusern deutlich gemacht. Im Vordergrund standen aber Bilder über soziale Problematiken: von der Familie, die keine Bleibe findet, über die Arbeit der Müllersammler bis zum drogenabhängigen Jungen. Es waren aber auch schlicht einfallsreiche Bilder dabei, die auf persönliche Vorlieben der jungen Menschen in ihrem Alltag aufmerksam machten. Ein Nachwuchsreporter fotografierte zum Beispiel seine Trompete als Schattendarstellung.

So hatten wir Freude an einer sozial wie künstlerisch ansprechendende Ausstellung. Danke an Caritas international, dass wir sie in Pfünz haben konnten. Dank vor allem aber den neuen jungen Fotoreporter in Brasilien dafür, dass sie uns durch ihre Bilder und ihr Engagement diesen „Weitblick“ ermöglichten.

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Mönche am See Genezareth

Am biblischen Ort der Brotvermehrung, wo ich derzeit als Volontärin tätig bin, leben seit 1939 deutschsprachige Benediktinermönche. Seit fast zwei Jahren wohnen sie im neu errichteten Kloster. Ein Klosterneubau wurde notwendig, nachdem das alte Wohngebäude im erdbebengefährdeten Gebiet am Nordufer des Sees Genezareth immer mehr Risse bekam, zum Teil armdick. Der einsturzgefährdete Altbau wurde unmittelbar nach Bezug des Neubaus abgerissen.

Der Neubaukomplex des Klosters von Tabgha wurde südlich an die Brotvermehrungskirche angebaut, an jene Stelle, wo bereits in byzantinischer Zeit ein Kloster stand. Im neuen Benediktinerkloster leben zurzeit sechs Mönche. Da Abt Gregory und Cellerar Bruder Simon Petrus aus Jerusalem regelmäßig kommen, wird für sie eine Zelle freigehalten. Die noch verbleibenden Zellen werden von Gastmönchen genutzt. Gäste fehlen dem Kloster nie!

Das Refektorium im neuen Kloster ist sehr großzügig gebaut. Dort essen – nach monastischer Tradition – in Stille, mit Tischlesung beziehungsweise Tischmusik – die Mönche gemeinsam mit den anwesenden Gästen und Volontären zu Abend. Ein angenehm ruhig und klar gestalteter Raum. Das gemeinsame Essen hat eine beeindruckende Wirkung auf uns alle, es findet still und sehr schnell statt.

Das Gästerefektorium unter dem Oratorium, in dem wir unsere anderen Mahlzeiten einnehmen, schätzen wir alle sehr. Hier kann geredet, gelacht und diskutiert werden, wir lernen die neuen Gäste kennen und haben gute Gemeinschaft mit den arabischen Mitarbeitern.

Im Zuge des Neubaus entstand auch ein modern gestalteter Gebetsraum, das Oratorium des Klosters. Es steht tagsüber für alle offen, hat 12 bunte Glasfenster und über dem Altar eine schwebende eucharistische Taube. Hier finden, außer dem morgendlichen Gottesdienst, alle gemeinsamen Gebetszeiten statt, die auch von Gästen und Volontären gut besucht werden. Eine weitere Besonderheit des Oratoriums ist der Wetterfisch auf dem Dach, er ist etwas dick, fast wie ein Wetterwal:)

Mit dem Neubau entstanden zwei schlicht gestaltete Sprechzimmer, die für Begleit- und Beichtgespräche genutzt werden. Nach Tabgha kommen sehr viele Touristen und Pilger. An manchen Tagen bis zu 5000. Daher ist es für alle, die permanent an diesem Ort leben, wichtig, auch einen Raum des Rückzugs zu haben. Neben den bereits erwähnten Mönchszellen sind das der Klausurhof, ein vom Neubau umschlossener Gartenbereich, der Kapitelsaal (der Versammlungsraum der monastischen Gemeinschaft), die Rekreation (Wohnzimmer des Klosters) und die Bibliothek.

Selbstverständlich sind auch viele Nutzräume errichtet worden, wie zum Beispiel die neue Küche, eine Wäscherei, eine Werkstatt und eine Besonderheit in Israel: ein großer Bunker für Kriegstage. Alles ist erdbebensicher gebaut. Der Klosterneubau ist klar, ruhig und schön. Er erleichtert den Mönchen das Dasein im Heiligen Land, besonders in der heißen Zeit. Es ist eine Herausforderung, einem so wunderbaren Gebäude das Leben zu geben, das man ihm schuldet. Wir haben außer beim Gebet, Abendessen und in der neuen Küche wenig Berührung mit dem Inneren des Klosters, denn wir wohnen und arbeiten außen. Ich persönlich habe inzwischen eine kleine Wohnung unter dem alten Speisesaal, mit Blick auf den Klosterneubau, Kirche und See. Sie ist alt, aber ich bin dort sehr glücklich.

Priorat Tabgha, See Genezareth

Interkulturalität und jede Menge Spaß – unterwegs mit Erasmus-Studenten

Auch in Tschechien hat der Advent und mit ihm der Winter Einzug gehalten. Auch wenn der Schnee noch etwas auf sich warten lässt, so sind doch alle Straßen schon weihnachtlich beleuchtet und die Geschäfte dekoriert. Allerdings fehlt hier in Leitmeritz ein Weihnachtsmarkt, und der Weihnachtsmarkt in Usti nad Labem hat diese Bezeichnung eigentlich nicht  verdient. Naja, ich werde mir am Wochenende Ersatz in Dresden holen. Soll ja angeblich der schönste Weihnachtsmarkt in ganz Deutschland sein. Ich bin gespannt!

Ansonsten war in der letzten Zeit so einiges los: Seit dem letzten Blogeintrag war ich wieder ziemlich unterwegs. Zusammen mit ein paar Freunden (eine Finnin, ein Portugiese, ein Grieche, ein Türke, eine Tschechin, ein Tscheche, zwei Deutsche und ein Italiener) waren wir in Dresden und in Berlin unterwegs. Da wir zu beiden Städten sehr gute Bus- und Bahnverbindungen haben, nutzen wir die Gelegenheit und verbrachten in Dresden einen Tag und eine Nacht und in Berlin ein ganzes Wochenende. Gerade für die nichtdeutschen Erasmus-Studenten waren die Ausflüge etwas Besonderes. Viele von den Studenten waren zu ersten Mal in einer deutschen Stadt. Die Architektur in Dresden und die kulturelle Vielfalt in Berlin haben sie sehr beeindruckt.

Sehr spannend waren auch die Fragen von meinem türkischen Kommilitonen zu Kirchen, Religion und Symbolik. Seine Fragen stellten mich aber zum Teil auch vor Herausforderungen: Wie erklärt man bestimmte Rituale oder Symbole, ohne bei „Adam und Eva“ anzufangen beziehungsweise der Bedeutung gerecht zu werden? Wir hatten sehr spannende Gespräche und einen interessanten Austausch über verschiedene Sichtweisen und Weltanschauungen.

In Berlin hatten einige der Studenten ebenfalls einen Aha-Moment. Wir besichtigten neben dem Stasi-Museum und der Berliner Mauer auch die Gedenkstätte Deutscher Wiederstand im Bendlerblock. In einer beeindruckenden Ausstellung stellten wir alle, manche zum ersten Mal, fest, dass es im Deutschland von 1933 – 1945 nicht nur Mitläufer gab. Am meisten berührt hat wohl das Schicksal der Mitglieder der Weißen Rose, die sich als Studenten in unserem Alter gegen das Regime erhoben haben.

Natürlich haben wir auch die Eastside-Gallery und das Holocaust-Mahnmal besucht und die obligatorische Currywurst gegessen. Wir haben also ganz dem Touri-Klischee entsprochen und hatten nicht zuletzt wegen unserer Interkulturalität jede Menge Spaß.

Ein Wochenende später haben wir dann in der großen Erasmus-Gruppe Kutna Hora besucht. Die frühere Silbermienenstadt ist Standort einer wunderschönen sehenswerten UNESCO-geschützten Kirche und natürlich der alten Bergwerkstollen, die die gesamte Stadt untertunneln. Bei einer geführten Tour in 150 Metern Tiefe konnten wir ein Gefühl dafür entwickeln, was es bedeutet hat, im 17. Jahrhundert Silber abzubauen. An der engsten Stelle der Führung war der Tunnel noch 40 cm breit und 120 cm hoch und somit nichts für schwache Nerven. Aber jeder, der zuvor noch Angst hatte, hat diese überwunden und konnte am Ende Stolz auf sich sein.

Ein ganz wunderbares Ereignis hat mich in den letzten zwei Wochen ebenfalls beschäftigt: Am 20. November bin ich zum ersten Mal Onkel geworden, und Mutter und Kind sind wohl auf. Im Büro haben wir alle zusammen auf das neue Erdenkind angestoßen, und die Woche darauf bin ich zu einem spontanen Kurzbesuch zuerst bei meinem Neffen und dann bei meiner Familie aufgebrochen. Da zusätzlich zu der Geburt in der Heimat noch einige Geburtstage gefeiert wurden, hat sich das angeboten und war eine gelungene Überraschung.

In meinem Praktikum geht es ebenfalls voran, und mir wird es hier nicht langweilig. Dank der guten Beziehungen meines Praxisanleiters bekam ich die Möglichkeit, ein Positionspapier zur Lage der Flüchtlinge in Georgien zu verfassen. Das Schreiben sollte Grundlage der Planung eines Hilfeprojekts darstellen. Ich suchte also sämtliche Informationen über Flüchtlinge und Binnenvertriebene zusammen und wälzte eine Woche lang georgisches Recht, nur um dann mitgeteilt zu bekommen, dass ein solches Projekt nicht stattfinden wird, weil sich keine drei Organisationen vor Ort finden, mit denen man zusammenarbeiten kann. Naja, so läuft das wahrscheinlich meistens, aber auch wenn mein Resultat nicht verwendet werden kann, so war es doch eine sehr gute Übung, bei der ich viel gelernt habe. Zeitgleich laufen weiterhin die Vorbereitungen für die Ausstellungen, und die Planung wird immer konkreter. Ich freue mich schon, die Ausstellung nach Eichstätt zu bringen und „meine“ Fakultät zu besuchen.

Heute war ich als Knecht Ruprecht zusammen mit meinem Praxisanleiter (Nikolaus) und einer Kollegin (Engel) im Kindergarten nebenan und war wohl, wenn auch unbeabsichtigt, ziemlich authentisch. Die lautesten Kinder waren plötzlich ziemlich handzahm und still.

Meine Zeit hier rennt und rennt, jetzt sind es noch zwei Wochen bis ich über Weihnachten wieder in die Heimat fahre, und im neuen Jahr sind es dann noch drei Wochen Praktikum. Mir wird jetzt eigentlich erst bewusst, wie schnell die letzten Monate, nicht zuletzt wegen den tollen Leuten, die ich hier kennen gelernt habe, vergangen sind.

Ich hoffe bei allen Lesern hat sich inzwischen eine weihnachtliche Vorfreude eingestellt und alle sind wohlauf und können die besinnliche Zeit genießen.

Ganz liebe Grüße,

Maximilian

Hoffnung für das Klima in Peru

Derzeit findet die 20. Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (COP20) in der peruanischen Hauptstadt Lima statt. Der Klimawandel lässt auch die Peruaner nicht kalt, wie man hier im Alltag erfahren kann. Vor einigen Wochen war ich mit einer anderen Laienmissionarin aus Brasilien im Armutsviertel von Arequipa unterwegs, um eine Familie mit einem frisch geborenen Baby zu besuchen. Auf dem Rückweg von diesem Besuch kamen wir ins Gespräch mit einer Frau, die in einer einfachen Hütte wohnt. Sie erzählte, dass sie Angst hat vor den Starken Regenfällen im Januar und Februar und dass sie hofft, dass der Regen wie in diesem Jahr „ausbleibt“ oder sich auf geringe Mengen beschränkt. Der Regen bedeutet für sie, für ihre kleine Hütte und alles was für sie existenziell ist, eine ernsthafte Bedrohung. Der Regen könnte ihr mit seiner gewaltigen Macht alles nehmen.

Ihre Aussage ist verständlich und doch zugleich verstörend. Denn das Wasser ist knapp hier. Besonders nachdem es im letzten Jahr in der Regenzeit kaum geregnet hat. Alle Pflanzen, die sich nicht mit der Hilfe von Bewässerung ans Leben klammern können, vertrocknen. Der große Fluss Arequipas, der „Rio Chili“, führt wenig Wasser. Alle warten sehnsüchtig auf die Tropfen, die vom Himmel fallen sollen, außer die Bewohner im Armutsviertel. Für sie ist scheinbar der Regen eine Bedrohung und kein Segen.

Dass Arequipa unter Wassernot leidet, ist kein Zufall. Peru bleibt nicht vom Klimawandel verschont. An nichts lässt sich das so gut ablesen wie am Wahrzeichen Arequipas, dem Hausberg Misti. Traditionell ist seine Spitze von einem zarten weißen Schneemantel überzogen. Doch seit zwei Jahren ist nur noch roher Stein die Zierde des Vulkans. Nur wenn Nebel den Berg verhüllt lässt sich manchmal hier und da ein kleiner Fleck Schnee entdecken. Auch der andere Vulkan in der Nähe von Arequipa, der Chachani, der wesentlich höher ist als der Misti, ist nur noch an oberster Stelle von Schnee bedeckt. Zerstört der Klimawandelt also die Wahrzeichen Arequipas?

Erst kürzlich habe ich mit einer Arbeitskollegin aus dem Kindergarten über dieses Phänomen gesprochen. Sie glaubt, dass der Klimawandel die Peruaner nachdenklich stimmt, sie beschäftigt. Sie hat mir gesagt, dass die meisten Menschen diese Anzeichen durchaus ernst nehmen. Aber es ändere sich nichts, weil es kaum Hilfestellungen von der Regierung gebe. Für die Politiker seien diese Anzeichen offensichtlich nicht so bedeutend wie sie es für die Bevölkerung sind. Steckt Resignation hinter dieser Aussage? Hoffnungslosigkeit, die ein Stoppen des Klimawandels nicht mehr für möglich hält?

Ich glaube nicht, denn es gibt Zeichen, die den Glauben an Möglichkeiten des Einzelnen und ihre Tragweite bestärken. Wenn meinen Fünfjährigen eine Woche lang im Kindergarten die Bedeutung von Strom und Wasser erklärt wird. Wenn sie die Bedeutung des Wassers und seine Kostbarkeit verstehen lernen und sich voller Begeisterung ausdenken, wie sie Wasser sparen können. Wenn sie Bilder malen, die das Einsparen von Strom zeigen, um das Klima zu schützen. Und wenn sie selbst kleine Pflanzen züchten, um ein Verständnis für deren Einfluss auf unser Leben zu erhalten.

Der Klimaschutz ist auch ein Anliegen der Kirche, die anlässlich der COP20 (vom 1. bis 12. Dezember) verschiedene Veranstaltungen zum Thema Klimawandel und Umweltschutz organisiert. Bereits am 9. November haben Katholiken in Peru und in Deutschland (hier besonders in der Erzdiözese Freiburg, die eine Partnerschaft mit der Katholischen Bischofskonferenz Peru pflegt) gemeinsam einen Tag des Fastens und Gebetes abgehalten. So haben sie unter anderem für die Achtung vor den Gütern der Schöpfung gebetet.

Am 5. Dezember findet zudem ein Treffen von Bischöfen aus der ganzen Welt mit Regierungsvertretern der teilnehmenden Staaten an der Klimakonferenz in Lima statt. Auswirkungen des Klimawandels insbesondere auf die arme und marginalisierte Bevölkerung sowie die Achtung vor den Gütern der Schöpfung und Vorschläge für mehr Klimagerechtigkeit stehen auf der Gesprächsagenda. Wenn das kein Anlass zur Hoffnung ist!

Mehr zum Thema:

Ein Jahr in Peru (persönlicher Blog von Anna Schönstedt)