Frauen in brasilianischen Gefängnissen

Seit November bin ich nun nicht mehr die zweite Vorsitzende der nationalen Gefängnisseelsorge Brasiliens. Das Mandat ist nach vier Jahren ausgelaufen. Wir hatten im November in Belo Horizonte die nationale Hauptversammlung mit Neuwahlen. So ganz ohne Arbeit bin ich aber nicht davon gekommen. Ich wurde für einem anderen Dienst gewählt, zur “Coordenadora Nacional para a questão da mulher presa”, das heißt, jetzt bin ich beauftragt, auf nationaler Ebene für die Themen rund um Frauenseelsorge in den Gefängnissen. Die Aufgabenbereiche ändern sich also doch sehr, werden „kleiner“, aber die Herausforderung für mich ist größer. Ich bin aber recht zuversichtlich und motiviert, in diesem spezifischen Bereich nun zu arbeiten.

Im Jahr 1997 ist der brasilianischen Gefängnisseelsorge bewusst geworden, dass die Frau im Gefängnis nicht beachtet wird. So wurde seitdem die Frauenseelsorge besonders intensiviert. Heidi Cerneka, Amerikanerin und Missionarin der Mary Knoll Bewegung, begann damals die Realität der Frau im Gefängnis mehr in den Blick der Gefängnisseelsorge zu stellen und eine sozialpolitische Diskussion zu diesem Thema anzustoßen. Inzwischen gibt es eine Vernetzung von verschiedensten Organisationen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Problematik der Frau im Gefängnis zu diskutieren, die unmenschlichen Bedingungen im Frauenstrafvollzug anzuprangern und neue Wege aufzuzeigen.

In den letzten zehn Jahren ist die Frauenquote in den Gefängnissen ums Dreifache gestiegen. Heute sitzen rund 370.000 Frauen in Brasilien hinter Gittern. Wie auch bei den Männern sind es hauptsächlich Jüngere. Zwei Drittel der weiblichen Häftlinge sind zwischen 18 – 25 Jahren, 60 Prozent von ihnen sind wegen Drogendelikte oder Drogenbeschaffungsdelikte in Haft. Die meisten von ihnen sind sogenannte „mulas“, einfache Drogenkuriere, und nicht Drogenhändlerinnen. Sie kommen fast ausschließlich aus verarmten Familien und versuchen durch diese „Arbeit“ ihre Kinder zu ernähren

„Männer mit Menstruationszyklus“

Es sind verschiedenste Faktoren, die den Straffvollzug der Frauen beschwerlicher machen als für Männer. Ich möchte hier nur kurz einige davon erwähnen:

  • Die meisten Frauen werden von ihren Männer bei ihrer Verhaftung verlassen und somit bleiben sie ohne die Unterstützung von „außen“, was bei den brasilianischen Gefängnissverhältnissen allerdings notwendig ist. Die Besuche während ihrer Haftzeit beschränken sich oft nur auf ihre Mütter, die meistens auch die Kinder der Insassinnen während der gesamten Haftzeit versorgen.
  • Die größte Sorge dieser Frauen in Haft ist die um ihre Kinder. Wenn sie nicht von den Großeltern aufgenommen werden können, kommen sie in staatliche Heime. Die Väter sind da längst über alle Berge.
  • Schwangere Frauen haben es besonders schwierig im Gefängnis. Die medizinische Versorgung ist sehr prekär, Gynäkologen gibt es so gut wie gar nicht. Die Angst, ob sie rechtzeitig ins Krankenhaus gebracht werden, wenn die Wehen beginnen, ist ständig präsent. Vor kurzem gab es eine große Aktion gegen die Vorgehensweisen für Gebärende, die während des Geburtsvorgangs mit Handschellen ans Bett gekettet wurden. Die Gefägnisseelsorge konnte zusammen mit anderen Organisationen die Behörden so unter Druck setzen, dass es nun eine Gesetzesvorlage gibt, die verbietet, dass während der Geburt Handschellen angelegt werden. Es ist schon ein Skandal, dass es dazu ein Gesetz braucht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Frau während der Geburt ihres Kindes eine Flucht aus dem Krankenhaus versucht.
  • Wenn Frauen während ihrer Haft gebären, dürfen sie laut Gesetz ihre Neugeborenen sechs Monate bei sich behalten – so lange sie das Kind stillen. In vielen Gefängnissen gibt es für diese Frauen keine eigene Abteilung. Es wird einfach eine Zelle als „Berçário“ (Kinderstube) deklariert – mitten unter den anderen Frauen.
  • Die Frauengefängnisse sind in ihrer Mehrzahl alte, renovierte Männergefängnisse. Die Haftbedingungen sind „männlich“, auch für die Frauen. Wer schon Fotos von den brasilianischen Gefängnissen von mir gesehen hat – da gibt es keinen Unterschied zwischen Frauen- und Männergefängnisse. Es sind die gleichen Baustrukturen und Ordnungsregeln, Überbelegungen, Wassermangel, nicht ausreichende medizinische und juristische Betreuung etc. Der kleine Unterschied besteht darin, dass die Zellen rosa gestrichen sind und aufgeräumter scheinen. Besonders krass wird dies, wenn die Anstaltskleidung aus dem gleichen groben Stoff und Schnitt wie bei den Männern auch für Frauen benutzt wird. Heidi, meine Vorgängerin in der nationalen Frauenseelsorge, sagte mal: „Die Frauen im Gefängnis werden wie „Männer mit Menstruationzyklus“ behandelt.

Heute nur mal ein kleines Reinschnuppern in dieses Thema „Frau im Gefängnis“. Ihr werdet sicher in nächster Zeit noch mehr von mir davon hören. In den nächsten Wochen bin ich beschäftigt mit der Sammlung von Texten und Themen für eine kleine Fortbildungsbroschüre für die Gefängnisseelsorger/innen, die hauptsächlich mit den Frauen in Haft arbeiten. Auch wollen wir die bereits veröffentlichten 40 Gottesdienstvorlagen für spezielle Themen für die Frauen in Haft ausweiten, zum Beispiel Meditationen über die Frauen in der Bibel, Prophetinnen im Alten Testament und über die Begegnungen Jesu mit den Frauen. Na ja, es wird „groß werden“, wie schon unser Ordensgründer, der Herz-Jesu-Missionar Pater Christian Moser MSC vor fast 60 Jahren sagte. Also es gibt viel zu tun.

Machen wir es wie Gott, werden wir einfach zum Menschen

Schon wieder ist es Weihnachten: Gott wird in Jesus Christus Mensch, damit auch wir den Weg, die Wahrheit und das Leben finden, das uns zum wahren Menschen macht. Ich hoffe, wünsche und glaube, dass wir dieses An­gebot im persönlichen Bereich gerne annehmen. Wenn ich aber das Welt­szenario an­schaue – Ukraine, IS, Ebola in Afrika und ein militarisierter Südsudan –, dann muss ich feststellen, dass ein Friede, der ja Menschsein erst möglich macht, in anscheinend unendliche Ferne gerückt ist.

Bruder Hans Eigner im Südsudan. Foto: Privat
Frieden aufbauen: Bruder Hans Eigner im Südsudan. Foto: Privat

Seit knapp einem Jahr bin ich in einem rauen Teil Afrikas. Den Südsudan kann ich nicht mit anderen Ländern Afrikas vergleichen. Schon das Klima hier ist extrem und nur selten ist die Kleidung am Körper trocken. 40 Jahre Krieg haben Schlimmes an den Menschen hier verursacht. Vor dreieinhalb Jahren kam es zur endgültigen Trennung zwischen dem schwarzafrikani­schen Süden und dem arabischen Norden, der die Menschen des Sü­dens schon seit der Zeit des Sklavenhandels als Menschen zweiter, besser dritter Klasse betrachtet hat. Doch die überschwängliche Freude der Unab­hängig­keit ist seit einem Jahr ernüchtert, denn im jüngsten (54.) Staat Afri­kas ste­hen sich die zwei Hauptstämme feindlich gegenüber. Die vielen klei­nen Stämme im Süden haben nicht viel zu melden. Es herrscht Bürgerkrieg, der vor allem in den Gebieten des Nordens stattfindet, wo die Ölquellen sind. Die Rauigkeit, die im ganzen Land zu spüren ist, färbt auf alle Gesellschafts­schichten ab und ich glaube, dass auch ich nicht verschont bleibe. Es ist kein Wunder, dass sich in so einer Situation eine Kultur des „Überlebens“ ent­wi­ckelt. Jeder kämpft sich irgendwie durch. Einen Sinn für das Gemein­wohl gibt es wenig, somit ist jedem und jeder der eigene Stamm näher als der Staat, der sich in kürzester Zeit zu einer Diktatur entwickelt hat. Ganz im Sinn des Überlebens gilt das Gesetz des Mose: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Trotz der grundsätzlich religiösen Haltung der Leute greift der Glaube meines Er­achtens wenig in den Lebensvollzug ein. Die Botschaft eines Got­tes, der selbst die Feindesliebe fordert, klingt wie von einem anderen Stern. Und doch ist nur so die Kette der Feindschaft und des Hasses langsam zu durch­brechen. Aber wer fängt an, gibt nach und gibt sich als der Schwä­chere? Für die Militärs ist das schier unmöglich.

Es gibt hier unzählige (Hilfs)-Organisationen, die für die Menschen arbei­ten, aber kaum jemand tut etwas für die wahrhaft menschliche Entwicklung. Doch nur durch mühsame Arbeit mit den Menschen kann es eine Verände­rung geben. Die viel gepriesene Kirche des Südsudans, die die Zeit der Kriege (1956-1972 und 1984-2005) überstanden hat, hatte ihre Einheit vor allem durch den gemeinsamen Feind im arabischen Norden. Jetzt mer­ken wir, dass sich diese Kirche mehr auf die tieferen Werte des Glaubens besinnen muss (Versöhnung, Menschenwürde, Respekt des anderen). Mission hier muss neu überlegt werden. Zu viel läuft an der Oberfläche und im Rituellen ab, verändert aber nicht die Situation und greift nicht in das Leben der Men­schen ein. Vielleicht bin ich mit meinem Urteil zu hart und die Menschen hier sind mehr traumatisiert, als ich es wahrnehmen will und kann.

Friedensarbeit durch Bildung

Wir sind hier eine gute Gruppe von 55 Comboni-Missionaren und kommen aus allen Teilen der Erde. Schon immer war es das Anliegen der Missionare völker- bzw. stammesverbindend zu arbeiten, denn dies ist die Grundlage des christlichen Glaubens. 150 Jahre sind wir Comboni-Missionare nun tätig in diesem Land – mit Höhen und Tiefen.

In meiner praktischen Tätig­keit geht es häufig um die Be­ratung, Planung und Aus­führung von Gebäuden. Gerade hier in den heißen und schwü­len Tropen ist es wichtig, die Gebäude entsprechend zu pla­nen. So kann ich hier meinen Beruf gut einsetzen. Immer ha­ben wir Comboni-Missionare die schu­lische Bildung als den entscheidenden Faktor gese­hen. Heute mehr denn je ist die Bildung der Weg hin zu einem friedlichen Miteinander. Aus diesem Grund bin ich glücklich, in verschiedenen Projekten arbeiten zu können, die alle ein guter Beitrag für den Frieden sind. Meist geht es um Schulen, Begegnungsorte für die Jugend und auch um ein Zentrum für Friedensarbeit und die Be­wältigung von Trau­mata. In den Camps am Stadtrand von Juba leben nach den schweren Massa­kern im Dezember 2013 rund 32.000 Menschen vom Stamm der Nuer. Sie wer­den ver­sorgt und beschützt durch die Vereinten Na­tionen (Blauhelme). Es gibt viele Spannungen im Lager. Vor allem die Ju­gend ist ungeduldig und sucht nach Alternativen und Perspektiven. Wir helfen mit wo, immer es nur geht.

Kinder und Jugendliche erhoffen sich viel von der Bildung, denn sie möchten nicht wie ihre Väter, immer mit der Waffe in der Hand, leben. Der Bau eines Zentrums, ganz in der Nähe der Flüchtlings­lager, wo wir gezielt Jugendarbeit machen werden, ist uns wichtig. Jugend­liche brauchen eine Führung. Gute Unterhaltungs- und Bildungs­angebote gibt es nicht, und viele Ju­gend­liche erfahren sich gelangweilt, ver­gammeln oder kommen auf dumme Gedanken. Gleichzeitig wollen sie nicht wieder in einen Krieg gezo­gen wer­den. Einfache Antworten gibt es hier nicht. Wir wollen den Jugend­lichen hel­fen, bessere Aussichten für das Le­ben zu finden. Das geht am besten, wenn wir uns auf sie einlassen und uns mit ihnen auseinandersetzen.

So versuche ich, hier wie Ihr an Euren Orten dem Leben gerecht zu werden. Die Arbeit kostet manchmal viel Kraft und es bleiben Fragen offen, weil man doch nicht weiß und versteht, was im Kopf der Menschen wirklich vor sich geht. Aber mit Gottes Hilfe gibt es ein bisschen Erfolg und Früchte. Auch merke ich, dass das Vertrauen wächst. Ich danke Jeder und Jedem, die/der mitgeholfen hat, mich und unsere Arbeit hier in diesem Jahr zu unterstützen. Ein ganz herzliches Vergelt’s Gott! Friede ist möglich.

Es ist so gut zu wissen, dass Gott uns immer – egal wo wir gerade stehen – ent­gegenkommt. So wünsche ich Euch ein gesegnetes, friedenbringendes und freudiges Weihnachtsfest. Die drei Sterndeuter sind dem Stern gefolgt. Hän­gen wir doch auch „unseren Karren“ an den richtigen Stern. So be­kommt unser Leben die richtige Richtung und hat auch ein Ziel.

Für das Neue Jahr 2015 wünsche ich Euch Gesundheit, Gelassenheit, Geduld, Freude, Froh­sinn, Friede und Gottes reichen Segen. Machen wir es wie Gott, werden wir einfach zum Menschen.

Fröhliche Weihnachten und Happy New Year auf Tansanisch

Wenn wir an Vorweihnachtszeit denken, kommen uns sofort verschiedene Bilder ins Gedächtnis: Mit dem Glühwein am Abend auf dem Weihnachtsmarkt, Tee trinkend und Plätzchen essen, auf dem Sofa einkuscheln, durch den Schnee stöbern, Weihnachtsfilme schauen und weihnachtliche Musik hören, den Weihnachtsschmuck in den Fenstern bestaunen etc.

Was aber wenn sich plötzlich das komplette Umfeld ändert, man nicht von Tannen, sondern von Bananenstauden umringt ist. Wenn es nicht mehr bewölkt, kalt und grau ist, sondern die Sonne in voller Stärke vom Himmel brennt und nur zwischendurch von heftigen Regenschauern unterbrochen wird. Ist Weihnachten dann überhaupt noch möglich? Und was bedeutet es für die Menschen, die da leben? Haben sie eine ganz andere Vorstellung? Wie feiern sie denn eigentlich Weihnachten?

Es fängt schon damit an, dass man hier in Tansania, wo ich als Missionarin auf Zeit lebe, nicht bereits im September (als ich ausgereist bin) Weihnachtsgebäck in den Supermärkten kaufen kann, wie in Deutschland. Und auch jetzt sind die einzigen sichtbaren Plastikweihnachtsbäume solche, die im „europäischen“ Supermarkt verkauft werden.

Der Advent wird im Konvent der Schwestern vom Kostbaren Blut aber auch so gefeiert, wie in Deutschland. Ein festlicher Gottesdienst, ein Adventskranz mit vier Kerzen und adventliche Lieder. Zwei weitere Volunteers und ich haben dann spontan „Wir sagen euch an den lieben Advent“ zum Besten gegeben, um die Heimat ein bisschen näher zu holen.

Ansonsten beginnt die Vorbereitung auf Weihnachten hier kurz vor den Feiertagen. Am 24. Dezember werden ganz viele Kühe, Ziegen und Hühner geschlachtet, die auf dem Markt an alle verkauft werden, die keine eigenen Tiere haben. Dann werden die Häuser geschmückt. Wer die Möglichkeit hat, nimmt natürliche Weihnachtsbäume, hier kleine Zypressen, ansonsten die aus Plastik. Diese werden mit Lametta und Luftschlangen und kleinen Anhänger wie Sterne geschmückt. Diejenige, die mehr ausgeben können, hängen auch mal eine Lichterkette ans Dach. Bei den Schwestern ist außerdem in der Kirche und im Speisesaal eine Krippe mit Jesus, Maria und Josef und den Tieren aufgestellt. Ansonsten werden die Häuser – bei vielen eben Wellblech-Hütten – nicht viel dekoriert.

An Heiligabend gehen alle in die Kirche, auch diejenige, die seit Monaten nicht mehr in der Kirche waren oder aus Prinzip nur an Weihnachten gehen. Der Gottesdienst wird mit Weihnachtsliedern gestaltet und die Opfergaben beschränken sich diesmal nicht nur auf Geldgaben. Auch Nahrungsmittel, wie Bananen, eine Ziege (wenn es sich das Dorf leisten kann), Getreide, Eier oder Milch gehören dazu.

Danach beginnt das große Festessen, das die nächsten zwei Tage dauert: Chips (wie Pommes), Fleisch (Hühnchen, Rind oder Ziege – was man sich eben leisten kann), Eis, Soda (immer von Coca-Cola) und auch im Konvent abends mal einen Wein. Ansonsten wird auch gerne Spaghetti oder „Pilau“ (Reis mit Fleisch und vielen Gewürzen) gekocht. Ein großes Festmahl und eine willkommene Abwechslung, da es im Alltag meist nur „Ugali“ (Maisbrei) und Gemüse oder „Makande“ (Mais und Bohnen) gibt.

Am ersten Feiertag geht man morgens wieder in die Kirche und setzt die Feier fort. In aktiven Pfarreien kann auch mal ein Krippenspiel organisiert sein. Gefeiert wird hier immer mit der Familie. Viele Leute, die zum Arbeiten wegziehen mussten, sparen das ganze Jahr, um an Weihnachten daheim sein zu können. Dazu rotiert man zum Beispiel innerhalb der Familie, so dass man nicht jedes Jahr bei den Gleichen feiert, oder jede Familie zahlt einen Beitrag, wovon das gemeinsame Essen finanziert werden kann. Es wird Weihnachtsmusik gehört, viele Lieder auf Swahili, aber auch amerikanische Weihnachtssongs – meist auf Radio Maria, einem christlichen Radiosender. Die Geschenke liegen, wie bei uns auch, unter dem Weihnachtsbaum und wenn man eine Karte geschenkt bekommt, wird sie wie Schmuck an die Äste des Baumes gehängt. Das größte Geschenk hat man sich aber eigentlich schon gegönnt: Das ist neben der Feier das Outfit. Das ganze Jahr über wird gespart, damit zu Weihnachten jeder neu eingekleidet werden kann. Wer in die Messe kommt, von dem wird erwartet, dass er ein neues schönes Kleid trägt.

Am 26. Dezember besucht man nochmal andere Verwandte oder, im Fall der Schwestern, andere Gemeinschaften, die in der Nähe sind, und feiert mit ihnen zusammen. In den Pfarreien wird außerdem Essen an die Armen verteilt. Da sind die Schwestern auch immer im Einsatz.

Als ich all das gehört habe, war ich doch erstaunt, dass das so ähnlich zu unserem Weihnachten ist, auch wenn das ganze Rundherum so unterschiedlich ist. Deswegen wollte ich wissen, was ist denn „typisch tansanisch“ ist? Die Antwort war leicht: „The tanzanians just know how to celebrate.“ Die Tansanier wissen einfach, wie man richtig feiert. Weihnachten ist für sie das wichtigste Fest im ganzen Jahr und darauf wird gespart, so dass man eine riesige Feier organisieren kann und alles in neuem Glanz erstrahlt. Dafür wird viel (bis alles) investiert.

Dementsprechend ist bei den meisten für Silvester nicht mehr wirklich Geld übrig, so dass sich das Fest eher im kleinen Rahmen abspielt. Ein Feuerwerk, so wie wir das kennen, gibt es hier zwar nicht, aber nachdem bis Mitternacht runtergezählt wurde, werden Autoreifen angezündet und (leider) auch andere Dinge, um das alte Jahr zu vertreiben und das Neue Jahr willkommen zu heißen. Die Schwestern gehen kurz vor Mitternacht in die Messe und läuten das Neue Jahr dann mit einem Glockenspiel ein.

Die Kehrseite des Weihnachtstrubels ist leider die Kriminalität. Rund um Weihnachten muss man vor allem auf dem Markt aufpassen, da die Leute, die Geld für die Feier brauchen, häufig einen Diebstahl zur finanziellen Notlösung verüben. Vergleichbar mit den Taschendieben auf den Weihnachtsmärkten bei uns zu Hause.

Speziell am Weihnachtsabend ist es Kindern nicht mehr erlaubt rauszugehen, da die Gefahr durch verstärkten Alkohol- und Drogenkonsum sehr groß ist, dass etwas passiert. Deswegen sieht man an den Feiertagen, vor allem in den Städten auch viele Polizisten patrouillieren. All diese Eindrücke sind natürlich vor allem gültig für die Gegend, wo ich in Einsatz bin – nahe von Arusha im Norden von Tansania.

Ich freue mich jetzt schon sehr das Weihnachtsfest selber zu erleben und bin gespannt, was für mich wohl der größte Unterschied zum Fest zu Hause sein wird und was mir am meisten in Erinnerung bleiben wird.

Merry Christmas and a Happy New Year! Erholsame Feiertage und einen guten Rutsch!

Empanadas, Pisco und Weihnachtsplätzchen am Pazifik

Nachdem es in meinem letzten Blogbeitrag eher um meine Arbeit ging, jetzt mal etwas über das Leben außerhalb der Arbeit. Anfang November war ich mit meiner WG in La Serena, einer Stadt, die circa acht Stunden mit dem Bus nördlich von Santiago am Meer liegt. Natürlich waren wir am Meer, haben die Stadt besichtigt und zudem einen Tagesausflug in das Valle de Elqui gemacht. Dort wird „Pisco“ (Traubenschnaps), eine Spezialität Chiles, hergestellt. Wir konnten eine Brennerei besichtigen und duften eine kleine Kostprobe machen.

Mir hat das Wochenende sehr gut gefallen, weil es einfach schön war, mal aus der Großstadt Santiago rauszukommen und in die Natur zu gehen.

Vor vier Wochen haben wir (zwei meiner Mitbewohnerinnen und ich) mit einer Gruppe für Kinder aus unserer naheliegenden Gemeinde begonnen. Es sind circa 15 Kinder im Alter zwischen 4 und 14 Jahren. Wir treffen uns jeden Dienstagabend, um zu spielen oder für sonstige Aktivitäten wie zum Beispiel Plätzchen backen.

Im November war ich auch einmal bei einer chilenischen Familie eingeladen, um Empanadas selbst zu machen. Empanadas sind gefüllte Teigtaschen und eine weitere Spezialität Chiles. Natürlich haben auch die Weihnachtsvorbereitungen begonnen. Ich kann gar nicht glauben, dass ich schon so lange hier bin und dass die Zeit so schnell vergangen ist. So feiern wir auch in der Sala Cuna mit den Kindern den Advent. Jeden Morgen werden die Kerzen am Adventskranz angezündet und wir singen Weihnachtslieder. Zudem wird den Kindern jede Woche eine weitere Person der Weihnachtsgeschichte (Maria, Josef, Engel Gabriel, Jesus) vorgestellt. Außerdem habe ich für meine Kinder einen Adventskalender gebastelt, ein Brauch, der in Chile kaum bekannt ist. So gibt es jeden Tag eine kleine Überraschung für die ganze Gruppe. Das geht von Zahnbürsten (die sind hier sehr teuer und in der Sala Cuna besitzt nur ein kleiner Teil der Kinder welche), Plätzchen backen über Straßenmalkreiden bis hin zu Früchten. Es macht meinen Kindern ziemlich viel Spaß.

Jedoch fühlt es sich für mich leider noch nicht so weihnachtlich an, denn bei über 30 Grad und praller Sonne ist das etwas schwierig. Aber vielleicht ändert sich das ja auch noch 😉

Am 5. Dezember war der Jahresausflug der Fundación Cristo Vive Chile. Alle Mitarbeiter sind in ein Schwimmbad mitten in der Natur gefahren und wir haben dort zusammen den ganzen Tag verbracht. Erst da habe ich gemerkt, wie groß die Fundación eigentlich ist und wie viele Menschen dort arbeiten. Für mich war der Tag richtig schön, da man auch mal außerhalb der Arbeit etwas mit seinen Tías gemacht hat.

Am 6. Dezember war ich zum ersten Mal auf einem Kindergeburtstag eines Kindes aus meiner Sala eingeladen. Die Kleine wurde zwei Jahre alt. Aber der Geburtstag war, obwohl die Familie nicht viel Geld hat, sehr groß und aufwändig organisiert. Das hat mich anfangs ein bisschen schockiert. Da hat man nämlich sehr deutlich gemerkt, dass die Chilenen, vor allem hier in den ärmeren Vierteln, viel Wert auf Materielles legen, obwohl sie nicht viel Geld haben.

Anfang Dezember war ich dann mit meiner WG und noch ein paar anderen Freiwilligen und zwei Chilenen in Valparaíso, der größten Hafenstadt des Landes, rund zwei Stunden von Santiago entfernt. Dort war es wunderschön. Der historischer Stadtkern von Valparaíso wurde 2003 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt – und das zu Recht. Überall an den Wänden kann man bunte Graffitis sehen. Das bringt viel Leben in die Stadt. Außerdem liegt sie an Hängen, somit hat man quasi von überall aus einen schönen Blick auf das Meer. Dort waren wir natürlich auch und haben die Sonne und das schöne Wetter genossen. Diese Stadt werde ich sicher noch öfter besuchen.

Im Moment bin ich jedoch erstmal damit beschäftigt, Geschenke für meine Tías und Mitbewohner zu besorgen, Plätzchen zu backen, Weihnachtspost zu schreiben und so weiter. Also langweilig wird es hier nie.

Ich wünsche Euch allen „Frohe Weihnachten“, feiert schön und genießt die Feiertage. Und dann schon mal einen „Guten Rutsch“ ins Neue Jahr! Bis bald !

Weihnachten in Kolumbien

Advent – das ist diese besinnliche, ruhige Zeit im Dezember, wenn der Himmel meist grau ist und das Wetter bitterkalt. Wenn man merkt, dass alles so langsam einem Ende zugeht. Als Schüler oder Student wartet man auf die Ferien und macht sich Gedanken um Weihnachtsgeschenke. Die Fußgängerzonen sind festlich geschmückt und voller Lichterglanz. Es duftet nach Tee, Zimt und Vanille. Und die Vorfreude auf das Weihnachtsfest wird immer größer.

So erinnere ich mich an die Vorweihnachtszeit. Natürlich, ich gebe zu, dass die Erinnerung vielleicht etwas idealisiert ist. Aber wer kann es einem verdenken, die Vorweihnachtszeit nicht etwas zu schönen? Zumindest einmal im Jahr darf man sich die Festlichkeit hinzudenken, auch wenn sie in der Realität, wie alles, meistens sehr viel profaner ist.

Und dann kommt da natürlich der Kontrast hinzu. 30 Grad und Sonnenschein mitten im Dezember. Ab und zu ein Hitzegewitter oder ein Regenschauer, aber das tut der Hitze hier in den Tropen keinen Abbruch. Wo ich mich befinde? In Quibdó, einer kleinen Stadt in der Pazifikregion, im Westen Kolumbiens. Und auch hier, in diesem katholisch geprägten Land, wird selbstverständlich Weihnachten gefeiert und auch der Advent. Doch das wirkt nicht nur wegen des heißen Wetters ganz anders.

Die Lichterketten an den Häusern sind bunt und müssen vor allem eines tun – blinken. Ansonsten gilt: je mehr, desto besser. Dazu kommt eine mir unverständliche Vorliebe zum Plastik. Aber zugegeben, wo keine Nordmanntannen und Fichten wachsen, muss man eben auf die Künstlichkeit zurückgreifen.

Was die Besinnlichkeit angeht, so verstehen es aber auch die Kolumbianer, einen gewissen Glanz in den Advent zu zaubern. Der 7. Dezember ist der Tag der Kerzen (Día de las Velitas), mit dem die Weihnachtsfeierlichkeiten im Land beginnen. Abends stehen in jedem Haus unzählige Kerzen in den Fenstern, vor den Türen und auf den Balkonen. Sie bleiben dort stehen, bis sie heruntergebrannt sind. Ein beeindruckender und zauberhafter Anblick, bei dem sich in mir eine große Sehnsucht ausbreitet. In den Häusern werden die Türen und die Fenster geschmückt und alle freuen sich schon auf das Weihnachtsfest – so wie bei uns daheim auch.

Religiös sind vor allem die letzten neun Tage vor Heiligabend wichtig. Am 16. Dezember beginnt die sogenannte „Novena de Navidad“. Ab dann werden jeden Tag Weihnachtsmessen gefeiert und zusammen gebetet. Manch einer lädt zu sich nach Hause ein, oder man besucht Freunde in verschiedenen Stadtvierteln, um gemeinsam zu beten und zu singen.

Darum bin ich auch schon sehr gespannt wie Weihnachten selbst wird. Man sagte mir schon, dass Weihnachten und Silvester hier in umgekehrter Art gefeierten werden wie es bei uns in Deutschland der Fall ist. So soll Weihnachten die große Party auf den Straßen und Silvester die „besinnlichere“ oder besser gesagt emotionalere Feier im Kreis der Großfamilie sein. Wie das wohl wird?

In diesem Sinne wünsche ich eine besinnliche Adventszeit und frohe Weihnachten!

Dominiks Blog: La vida en el Chocó – Mein Jahr in Kolumbien