Update aus Tschechien

Vor zwei Wochen habe ich als Einstand und aus gegebenem Anlass eine Kleinigkeit mit ins Büro gebracht und wurde ebenfalls mit einem kleinen Empfang und einem Geschenk überrascht. Ich durfte von jedem Glückwünsche entgegennehmen, teils auf Tschechisch (ich vermute mir wurde nur Gutes gewünscht ;), teils auf Englisch und auch auf Deutsch, was mich besonders gefreut hat. Dem Empfang ging eine kleine Andacht voraus, bei der dem gewaltsamen Tod eines Priesters gedacht wurde.
Für das Abendprogramm waren die Erasmus-Leute, die schon da sind, in einer kleinen Bar verabredet und auch hier hat die Orga-Gruppe herausgefunden, dass ich Geburtstag habe, und ich habe ein multikulturelles Happy Birthday, ein Teelicht und einen Tequila bekommen. Da ich überhaupt nicht damit gerechnet hatte, war ich kurz sprachlos und dann einfach nur happy, dass ich doch noch Geburtstag feiern konnte.

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Samstag und Sonntag waren wir dann in Usti und Umgebung unterwegs, haben eine Staustufe und eine Burg angeschaut und die tschechische Küche, die sehr zu empfehlen ist, genossen.

Dienstags war ich dann zu einem Treffen von Caritas-Vertretern zum Thema Migrations- und Flüchtlingsbewegungen in Prag eingeladen. Da ich die Vertreterin „meiner“ Caritas erst dort treffen sollte, fuhr ich allein nach Prag und mit den entsprechenden U-Bahnen zum vereinbarten Treffpunkt. Nach dem Treffen habe ich noch mit zwei weiteren Vertretern Treffen zur Besichtigung von Asylbewerber- Camps (Flughafen/Transitbereich und ein Auffanglager) vereinbart. Generell ist die Flüchtlingsthematik allerdings nicht so stark im Fokus der Öffentlichkeit, da die Fallzahlen sich sehr stark von denen in Deutschland unterscheiden.

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Mein Projekt, das ich im Auftrag der Caritas national und als Aufgabe im Praxissemester durchführen darf, nimmt auch langsam Gestalt an. In Kooperation mit der Universität in Usti soll eine Bilderausstellung über tschechische Einwanderer stattfinden. Ein weiterer Ausstellungsort ist noch in Planung. Meine Aufgabe ist hierbei die Organisation und Durchführung. Mehr dazu, wenn es wirklich spruchreif ist.

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Das Wohnheim füllt sich so langsam und inzwischen sind auch alle Erasmus-Leute angekommen –eine ziemlich multikulturelle Truppe. Insgesamt sind wir 100 Erasmus-Studenten, von denen rund 50 türkischer und 25 spanischer Herkunft sind. Die 25 anderen verteilen sich auf alle Länder Europas.

Sobald es wieder etwas zu berichten gibt, melde ich mich hier wieder, um euch auf dem Laufenden zu halten.

In diesem Sinne, Na shledanou!

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Das Evangelium mit Freude verkünden

Die Freude, die aus dem Evangelium kommt und das Herz des Menschen erfüllt, ist für Papst Franziskus das wesentliche Kennzeichen derer, die Jesus begegnet sind. Ihr hat er sein Apostolisches Schreiben Evangelii Gaudium (EG) gewidmet, das er selbst als programmatisch für sein Pontifikat bezeichnet.

Was sind die Inhalte? Wie können sie in die Pastoral Eingang finden? Welche Bespiele in aller Welt sind hilfreiche Wegweisung? Diesen Fragen widmete sich vom 18. bis 20. September 2014 im Vatikan eine internationale Pastoralkonferenz mit dem Titel „Das Evangelium mit Freude verkünden“. Etwa 2000 Vertreter aus mehr als 60 Ländern folgten den Beiträgen der 20 Referenten aus allen Kontinenten, die der Päpstliche Rat zur Förderung der Neuevangelisierung eingeladen hatte. Für das Bistum Eichstätt nahmen Prälat Dr. Christoph Kühn, Beauftragter für die Angelegenheiten der Weltkirche und stellvertretender Hauptabteilungsleiter für Pastoral und kirchliches Leben, und Dr. Markus Oelsmann, Referent in der gleichen Hauptabteilung des Bischöflichen Ordinariates, gemeinsam mit Carolin Kissling (Sachausschuss „Pastorale Ent­wicklung“ des Diözesanrates) und Maria Groos (Diözesanpastoralrat) an dem Kongress im Vatikan teil.

Eichstätter Teilnehmer des Pastoralkongresses im Vatikan (von links nach rechts): Dr. Markus Oelsmann, Maria Groos, Prälat Dr. Christoph Kühn und Carolin Kissling. pde-Foto: Privat
Eichstätter Teilnehmer des Pastoralkongresses im Vatikan (von links nach rechts): Dr. Markus Oelsmann, Maria Groos, Prälat Dr. Christoph Kühn und Carolin Kissling. Foto: Privat

Den Auftakt machte Jean Vanier, der 76 Jahre alte Gründer der Lebensgemeinschaften der „Arche“, in denen Menschen mit und ohne Behinderung zusammenleben. Er erzählte von Pauline, einer der ersten Personen, die er aufgenommen hat. Sie war blind geboren, von ihrer Familie und Umgebung abgelehnt, und schließlich gewalttätig geworden. Ihr Leben war für Vanier ein Schrei: „Gibt es jemand, der mich liebt, der mich anschaut, der mit mir leben will?“ In der Wohngemeinschaft erfuhr Pauline Annahme, Zärtlichkeit und Liebe. Nach einer Weile verschwand ihre Aggressivität. Jean Vanier betonte: Dies ist der Schrei aller Armen, auf den es zu antworten gilt. Auch die Helfenden verändern sich dabei. Viele kommen anfangs aus einer Großzügigkeit heraus, und sie gehen nach einiger Zeit als Personen, die ihre eigene Bedürftigkeit kennen gelernt haben. „Ich brauche Dich“ – für Vanier sind das die „Zauberworte“, die die Grundlage des Glaubens und der Freundschaft darstellen. Beredtes Zeugnis für die Freude, die dabei in ihm selbst lebt, sind seine strahlenden Augen, die ihm trotz seines Alters eine große Jugendlichkeit verleihen.

"L'Arche"-Gründer Dr. Jean Vanier mit Kongressteilnehmern. Foto: Privat
„L’Arche“-Gründer Dr. Jean Vanier mit Kongressteilnehmern. Foto: Privat

Theologisch griff ein Vortrag über „Die kerygmatische Verkündigung“ diese Lebenserfahrung auf. Das Kerygma ist die Erstverkündigung, die lautet: „Jesus Christus liebt dich, er hat sein Leben hingegeben, um dich zu retten, und jetzt ist er jeden Tag lebendig an deiner Seite, um dich zu erleuchten, zu stärken und zu befreien…“ Sie ist die „erste“ im qualitativen Sinn, denn sie ist die hauptsächliche Verkündigung, die man immer wieder auf verschiedene Weisen neu hören muss und die man … immer wieder verkünden muss.“ (EG 164). Nur so, das betonte der Referent Xavier Morlans i Molina aus Barcelona, könne der ursprüngliche Sinn des christlichen Glaubens als persönlicher und gemeinschaftlicher Begegnung mit Christus wiedergewonnen werden. In ihr komme die Anziehungskraft Gottes auf den Menschen zum Ausdruck.

Das zeigte in sehr lebendiger Weise der Beitrag von Erzbischof Kardinal Barbarin aus Lyon über die Pastoral in großen Städten. Er stellte klar, dass die Mission nichts „Zusätzliches“ ist, sondern ganz einfach der Natur des Menschen entspricht. So ist es auch in Evangelii Gaudium beschrieben: Wer von Freude ergriffen ist, der will diese Freude den Mitmenschen mitteilen und sucht Wege dazu. So war zum Beispiel in der Vergangenheit das Fest Unbefleckte Empfängnis in Lyon ein sehr wichtiger Tag, jedoch von Seiten der Kirche begrenzt auf die Kathedrale der Stadt. Die Türen aller anderen Kirchen waren verschlossen. Eine Frau ergriff die Initiative, um mehr Kirchen zu öffnen für alle, die mit ihren Freuden und Leiden dort Aufnahme suchten. Mittlerweile gibt es 1.500 „Missionare des 8. Dezember“, die den Besuchern heiße Schokolade ausschenken, ihnen zuhören und mit ihnen beten. Drei Millionen Menschen kommen in vier Tagen in die Stadt – eine riesige Zahl, und darunter viele Suchende. Das Wahrnehmen des einfach Notwendigen im Alltag der Menschen hat eine neu gelebte Spiritualität und Solidarität in alten und neuen Strukturen hervorgebracht, die ihren Grund in einer Beobachtung von Kardinal Lustiger von Paris haben: „Die Kraft der Liebe errichtet die Stadt. Wer möchte sich nicht davon anstecken lassen?“

So ging es dem Zuhörer auch unwillkürlich bei den Ausführungen des Wallfahrtsdirektors von Lourdes, Pater Horacio Brito, über die Volksfrömmigkeit. Er zeigte sich sehr bewegt über die vielen einfachen menschlichen Gesten, die er bei den Wallfahrten beobachten kann. Sie bringen das Vertrauen der Menschen in Gott gerade im Leid zum Ausdruck. „Wer kann nicht bewegt sein, wenn eine Mutter ihr krankes Kind an den Felsen von Massabielle drückt?“ Die Volksfrömmigkeit zeigt, dass durch die Gnade des Heiligen Geistes ein ganzes Volk mit der ihm eigenen Kultur fähig wird zur Verherrlichung Gottes. Alle werden einbezogen, auch die Armen, auch diejenigen, die nicht einmal einen offiziellen Status haben. Vielleicht haben nicht alle ein klares Bewusstsein ihres Glaubens, aber gerade hier liegt ja eine Chance der Neuevangelisierung. Das Gebet sowie die Feier der Eucharistie und des Sakramentes der Buße sind wesentlich, damit der offenbarte Glaube vertieft und das Band mit Gott erfahrbar wird.

Jeder Vortrag – als Lebenszeugnis oder als anthropologisch-theologische Darstellung – hob eine der zahlreichen Facetten von Evangelii Gaudium hervor. Der Wert der Familie, die Bedeutung der Begegnung und der Schönheit, die Notwendigkeit der Nutzung Sozialer Medien oder die Darstellung historischer Bezüge zu päpstlichen Verlautbarungen früherer Jahre. In allem schien die Vielfalt auf, die uns zur Verkündigung gegeben ist. Und immer war dabei eine der großen Betonungen von Papst Franziskus deutlich, nämlich das Hinausgehen in die Peripherie, dort wo die menschliche und materielle Armut am größten ist.

Begegnung der Kongressteilnehmer mit Papst Franziskus. Foto: Privat
Begegnung der Kongressteilnehmer mit Papst Franziskus. Foto: Privat

Der Papst selbst ließ es sich schließlich nicht nehmen, am Freitagnachmittag persönlich an der Begegnung teilzunehmen. Mit ansteckender Lebendigkeit und Freude betrat er den Saal, um das Wort an die Teilnehmer zu richten. Er betonte noch einmal, dass die Evangelisierung die Hauptaufgabe der Kirche sei. Er verglich die Kirche mit einem Feldlazarett mit vielen verwundeten Menschen, die von uns das erbitten, was die Menschen von Jesus erbeten haben: ein Zeichen der Nähe, der Güte, der Solidarität und der Barmherzigkeit Gottes. Jede einzelne Aktivität muss aber von der Aufmerksamkeit auf die einzelne Person und ihre Begegnung mit Gott gekennzeichnet sein. Eine Pastoral ohne Gebet und Kontemplation könne niemals die Herzen der Menschen erreichen und den Samen des Wortes Gottes aufkeimen lassen. Sein Schlusswort lautete: „Lasst uns säen und Zeugnis geben. Das Zeugnis ist der Anfang einer Evangelisierung, die das Herz berührt und es verwandelt.“ Folgen wir ihm!

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Tabgha am See Genezareth – eine kleine Oase des Friedens

Vertrautes Gesicht in der Ferne! Am 31. August wurde ich von Pater Matthias und einem Volontär in Tel Aviv abgeholt, hergebracht und herzlich aufgenommen. Tabgha in Galiläa am See Genezareth ist mir ein bekannter Ort, der mich doch ins Staunen bringt. Bei all den Nachrichten über die Auseinandersetzungen im Land eine kleine Oase des Friedens.

Ich habe hier vorerst eins abgemacht: Zwei Jahre Lebenszeit, die ich in besonderer Weise meiner Beziehung zu Jesus Christus widmen möchte und außerdem einer schönen Lebensgemeinschaft hier am Ort. Sie besteht aus sechs Benediktinermönchen, die mit zwölf Mönchen in Jerusalem zusammengehören, sechs Volontären aus Deutschland und Amerika und neun arabischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Hinzu kommen die aktuellen Gäste und die große Gruppe der Pilger aus aller Welt, die sich von der Schönheit und der Botschaft dieses Ortes berühren und senden lassen.

Meine Aufgaben sind bisher angedeutet, aber noch nicht so ganz konkret. Ich habe hier ein  Nähplätzchen mit herrlichem Blick auf die Brotvermehrungskirche, den Klosterneubau und den See Genezareth. In der zweiten Hälfte des Raumes hat sich Pater Prior Basilius ein Malatelier eingerichtet.

Neben mir liegt die erste Aufgabe: Eine Albe von Bruder Nathanael, der Faden wurde morsch, die Nähte gingen auf. Neben meiner Tätigkeit an der Nähmaschine, wo so einiges entstehen wird, kommen die Verantwortung für das Gästerefektorium und Hilfe in der Küche hinzu. Außerdem ein Dienst für die Volontäre, der sich noch herauskristallisiert.

In der Begegnungsstätte Beith Noah, wo den Sommer über Gruppen jüdischer und palästinensischer Kinder mit Behinderung Urlaub machen dürfen, möchte ich ein kleines Nähprojekt anbieten. Paul, der Verantwortliche für alle Volontäre in Beith Noah, und Prior Pater Basilius sind dafür aufgeschlossen. So bitte ich meine Freundin Brigitte, mir zwei Nähmaschinen zuzusenden, die mir für diese Art von Arbeit geschenkt wurden.

Kleber für Nähmaschine

4.9.14: Ich war ich mit Pater Jonas einkaufen. Das Nähmaschinenöl entpuppte sich allerdings als Kleber! So ist das, wenn man die Schriftzeichen nicht lesen kann. Aber ich bekam auch eine herrliche Taschenlampe, damit ich im Dunkeln nicht stolpere, denn zur Laudes (5:30 Uhr) und zur Komplet (20:15 Uhr) ist es schon dunkel.

Am Pool kann man sich in der Früh und nachmittags, wann immer man halt will, erfrischen, denn heiß ist es hier! Wir haben zwischen 32 und 38 Grad zurzeit.

Heute treffe ich mit Pater Matthias Gabi, aus Regensburg, die um 16 Uhr mit der Gruppe St. Augustin aus Würzburg, Gottesdienst hat. Wir haben alle drei zusammen den Gestaltkurs in Werdenfels besucht.

Rollmäppchen aus Tischdecke

7.9.14: In Beith Noah war eine arabische christliche Gruppe zu Besuch. Sie nennen sich „House of light“ und bestehen in der Hauptsache aus einem sehr engagiertem Ehepaar und vielen Helfern. Anis, der Mann geht regelmäßig in die Gefängnisse, lässt sich die Listen von den christlichen Gefangenen geben und besucht sie. Er erzählt von seinem Glauben und bestärkt die Gefangenen im christlichen Glauben, damit sie Kraft und Hoffnung schöpfen. Dann besucht er ihre Familien und versucht sie so gut wie möglich zu unterstützen. Zu Besuch bei uns  waren die Familien der Gefangenen, um sich zu erholen.

Ich bot ihnen an, mit den Kindern etwas herzustellen an der Nähmaschine und sie waren sehr dankbar, weil sie niemanden für die älteren Kinder hatten.

So verkleinerte ich, mit Erlaubnis, eine alte Tischdecke, die ich im Keller fand und nähte mit den Kindern die auch hier beliebten Rollmäppchen. Plötzlich wurde es eiskalt und alles war nass. Ein kleiner Junge, der gerade einen Zorn auf seinen Bruder hatte, der gerade nähte, wollte ihn mit einem Glas kaltem Wasser erschrecken. Er traf nicht ihn, sondern mich, ganz, ganz schön „erfrischend“!

Abends, als alle schon abgereist waren, hatte ich noch ein gutes Gespräch mit Noel und Anis, die mich und uns alle herzlich einluden, sie zu besuchen. Wir beteten am Sonntag Abend miteinander, wie ich es seit 30 Jahren mit Freunden zu Hause um diese Zeit meistens tue. Das war sehr verbindend.

11.9.14: Heute machten die Patres mit den Volontären einen Ausflug in die „Berge“. Wir wanderten 16 km durch bewaldete Berglandschaft des Merongebirges. Am Schluss bereiteten wir mit Pater Jonas ein herrliches und üppiges Picknick im Freien.

„Die Nähmaschine ist bei mir ein Teil der Kommunikation“

13.-15.9.14: Am Wochenende war eine Gruppe der Palestinian Medical Relief Society ( PMRS) in Beith Noah zu Besuch. Eine moslemische Gruppe mit einem vorbildlich liebevollen und partnerschaftlichen Umgang untereinander.

Majida, die Leiterin, besucht Familien mit behinderten Kindern und lehrt den Eltern diese Kinder anzunehmen und zu fördern. Eines dieser Kinder lebte sechs Jahre im Stall bei den Schafen, ein anderes lebte das ganze Jahr draußen.

Seit elf Jahren verbringt Majida mit diesen Kindern einige Ferientage wie hier in Tabgha. Diese Kinder sind dankbar und zufrieden. Ich habe mit ihnen kleine Kissen genäht und ihren Namen in Arabisch draufgestickt, darüber waren sie sehr glücklich. Nun wünschen sich die Mütter, dass ich nach Ramallah komme und ihnen lerne, wie das geht. Paul hat es ihnen für Januar, wenn hier nicht viel los ist, in Aussicht gestellt.

Das freut mich, denn die Nähmaschine ist bei mir ein Teil der Kommunikation, auch wenn wir nicht die gleiche Sprache sprechen. Ich habe viel über arabische Lebensweise und Gastfreundschaft dieser engagierten Menschen kennengelernt und erlebt, was Jesus meinen könnte mit: „Liebe deinen Nächsten!“

15.9.14: In Dalmanutha, dem Platz am See, feierten wir mit 50 philippinischen UN-Soldatinnen und -Soldaten, die mit diesem Gottesdienst ihren Friedensdienst auf den Golanhöhen beendeten. Sie haben viel gegeben für ihre schwierige Mission bei der zunehmend eskalierenden Gewalt. Es war einfach schön, mit ihnen zusammen ganz selbstverständlich katholischen Gottesdienst zu feiern. Die philippinischen Schwestern, die hier auf dem Grundstück ein kleines benediktinische Kloster haben, bereiteten die Lieder vor und bekochten die Soldaten u.a. mit Fisch, den diese sich zuvor mit der Hand fingen.

Außerdem nahmen rund 20 christliche arabische Frauen aus Nazareth  und eine kleine österreichische Pilgergruppe teil. Es wurde deutsch, englisch und arabisch gefeiert.

Neue Woche, neues Glück!

Meine Aufgaben sind übersichtlich: Gardinen für zwei Gästehäuser nähen, Fischernetze flicken und in der Küche helfen, denn der zweite Koch hat nun endgültig keine Lust mehr. All diese Arbeiten finde ich sehr selbstverständlich und mit Suad, auch Mama und Oma, verstehe ich mich bestens und lerne von ihr.

Heute besuchte uns Abt Gregory in der Küche, eine herzliche Begegnung. Ihm habe ich letzten Herbst unter Anleitung von Sr. Benedikta, mein erstes Messgewand genäht.

Der Konflikt in der Ostukraine und die Kirchen: ein Propagandakrieg

Seit mehreren Monaten wird der ukrainische Staat von dem Konflikt im Osten des Landes zerrissen. Dabei geht es nicht nur um die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen ukrainischen Militärkräften und prorussischen Separatisten, sondern parallel dazu wird auch ein Propaganda- bzw. Informationskrieg geführt. Die russische Propaganda versucht mit allen Mitteln, den Konflikt, der aus Russland mit allen Kräften unterstützt wird, als einen Krieg der Kiewer Regierung gegen das eigene Volk darzulegen.

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Ökumenisches Gebet für die Ukraine in Lviv / Lemberg. Foto: Pressestelle der griech.-kath. Erzeparchie Lviv

In den ersten Augustwochen gerieten auch die Kirchen in den Fokus der russischen Propaganda. Am 14. August meldete sich Patriarch Kyrill, der Vorsteher der russisch-orthodoxen Kirche, zu Wort. Er wandte sich an die orthodoxen Kirchen und rief ihre Vorsteher dazu auf, ihre Stimme zur Verteidigung der orthodoxen Christen zu erheben. In seinem Aufruf benannte er auch die „Schuldigen“ an der prekären Lage der Orthodoxen, nämlich die „Uniaten“ und „Schismatiker“. Damit waren die Mitglieder der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche und der ukrainischen orthodoxen Kirche Kiewer Patriarchat gemeint.

Das Moskauer Patriarchat erhob in der auf seiner Internetseite veröffentlichten Stellungnahme den Vorwurf, bewaffnete Mitglieder der griechisch-katholischen Kirche und des orthodoxen Kiewer Patriarchats hätten in der Ukraine „moskautreue Priester beschimpft, gefoltert und verhaftet“. Der Patriarch listete mehrere angebliche Fälle von „gezielter Verfolgung“ orthodoxer Priester auf, die er „Unierten und Schismatikern“ zuschrieb.

Dabei blieb es aber nicht. Am 20. August ging der russisch-orthodoxe Patriarch noch weiter und bat die Vereinten Nationen um Hilfe für seine Kirche in der Ukraine. Nach Angaben des russisch-orthodoxen Außenamtes und der Agentur „Interfax“ wandte er sich an die UNO, den Europarat und die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) mit der Bitte, sie sollten Gewalt gegen orthodoxe Priester „nicht gleichgültig“ gegenüberstehen. Im Mittelpunkt der Kritik standen wiederum die mit Rom verbundene griechisch-katholische Kirche und das orthodoxe Kiewer Patriarchat. Diese hätten der ukrainisch-orthodoxen Kirche, die mit Moskau verbunden ist, „Schaden zufügen“ wollen.

Beide betroffenen Kirchen waren herausgefordert, auf diese Angriffe zu reagieren. Entsprechende Vorwürfe weisen sie entschieden zurück. Der für die griechisch-katholische Militärseelsorge zuständige Erzpriester Lubomyr Jaworskyj erklärte in einer Stellungnahme, Kyrill I. lasse sich von „Informationen aus Quellen der russischen Propaganda leiten“. Es habe keinerlei Übergriffe von Geistlichen seiner Kirche auf orthodoxe Priester gegeben. Darauf folgten auch zwei offizielle Erklärungen der griechisch-katholischen Kirche (UGKK) auf die Vorwürfe des Moskauer Patriarchen. Am 15. August wurde in einer Mitteilung erklärt, dass die Situation in der Ukraine die „Tragödie des ganzen Volkes, der Anhänger aller Konfessionen und aller Schichten der Gesellschaft“ sei und nicht bloß nur der einen Konfession, wie es das Moskauer Patriarchat zu vermitteln versuche. Es sei unzulässig, den Konflikt auf die interkonfessionelle Ebene zu übertragen, denn dies würde die Spannungen in der ukrainischen Gesellschaft nur vertiefen.

Die UGKK unterstrich, dass „Geistliche aller Konfessionen, welche ihren Seelsorgedienst in den Regionen von Donetsk und Luhansk sowie in der Autonomen Republik Krim verrichten, leiden und ihr Leben riskieren“. Unabhängig von der konfessionellen und religiösen Zugehörigkeit der Betroffenen wurde in der Stellungnahme der UGKK jegliche Art von Gewalt gegen friedliche Bewohner verurteilt. Darin wurde ebenfalls an das Engagement des gesamtukrainischen Rates der Kirchen erinnert, dem alle ukrainischen Kirchen angehören und der sich seit Monaten um eine friedliche Lösung des Konflikts bemüht.

Am 21. August wandte sich auch das Oberhaupt der UGKK, Großerzbischof Sviatoslav Shevchuk an die weltweite Gemeinschaft der Katholischen Kirche und an alle Menschen guten Willens. In seiner Erklärung wies er die Vorwürfe des Moskauer Patriarchen erneut zurück. Er hob das gemeinsame Martyrium der Kirchen und der kirchlichen Vertreter im vom Konflikt beladenen Osten der Ukraine hervor und führte eine Reihe von konkreten Beispielen auf, die zeigen, dass im Osten nicht nur die Katholiken, sondern auch die Orthodoxen und Protestanten zu Opfern von Gewalt, Misshandlung und Tötung werden. Der gegenwärtige Propagandakrieg macht es nochmals deutlich, dass der russische Staat alle Mittel einsetzt, damit die Situation nicht nur im Osten, sondern in der Gesamtukraine instabil bleibt. Es erweist sich erneut, dass auch die russisch-orthodoxe Kirche sich in diesem Propagandakrieg wieder in den Dienst des Staates stellen und missbrauchen lässt.

Die russischen Propagandastrategen und das Moskauer Patriarchat bedenken jedoch zu wenig, dass sie durch solche Vorwürfe und Versuche einen interkonfessionellen Konflikt in der Ukraine entfachen und der ukrainischen orthodoxen Kirche, die dem Patriarchen in Moskau unterstellt ist, großen Schaden zufügen können. Denn diese Kirche, die vor kurzem ihr neues Oberhaupt, den Metropoliten Onufrij, gewählt hat, wird in ihrer gegenwärtigen Haltung zwischen Kiew und Moskau zerrissen. Sie, die seit Jahren als eine Kirche galt, die die russischen Einflüsse und Interessen in der Ukraine vertrat, muss sich einerseits in der heutigen Situation neu definieren, um ihre Gläubigen nicht zu verlieren; andererseits muss sie ebenfalls einen solchen modus vivendi mit ihrem geistlichen und jurisdiktionellen Zentrum in Moskau finden, dass aus der öffentlichen Meinung der Verdacht weggeräumt wird, diese Kirche erfülle weiterhin die Funktion eines verlängerten Armes der russischen Politik in der Ukraine.
Es bleibt also die Hoffnung, dass die Kirchen in diesem Informationskrieg doch nicht missbraucht werden oder sich missbrauchen lassen, sondern umgekehrt durch ihr Engagement und ihre Frieden stiftende Rolle zur Beilegung des Konfliktes in der Ukraine beitragen.

Via catalana – wohin geht die Zukunft Kataloniens?

Keiner hat es für möglich gehalten. 500.000 Menschen sollten sich anmelden, um eine überdimensionale Menschenkette in Form eines V durch ganz Barcelona zu bilden. V für „via catalana“ – katalanischer Weg, V für „votar“ – abstimmen und V für „victoria“ – Sieg. Bis zum letzten Tag war es unsicher, ob sich genügend Katalanen finden werden, in den beiden großen Hauptstraßen „Gran Via“ und „Diagonal“ den Wunsch nach katalanischer Unabhängigkeit zu demonstrieren.

Demonstration für den katalanischen Weg. Foto: Ottmar Breitenhuber
Demonstration für den katalanischen Weg. Foto: Ottmar Breitenhuber

Als es dann soweit war, kamen nach Schätzung der „Policía Urbana“ 1,8 Millionen! La Diada 2014, der Unabhängigkeitstag Kataloniens (11. September) im Jahr 2014, wurde zur größten Unabhängigkeitsdemonstration in der Geschichte dieses Landes. Am 11. September 1714 hat das kleine Volk im Nordosten der iberischen Halbinsel in den Wirren des Spanischen Erbfolgekrieges seine nationale Unabhängigkeit endgültig verloren. Nach einem Jahr Belagerung haben die französischen Truppen, verbündet mit dem spanischen Königshaus, Barcelona endgültig eingenommen. Eine furchtbare Unterdrückung des stolzen Volkes war die Folge. Jede Form von katalanischer Kultur wurde von den Besetzern verboten. Auch die eigene Sprache, das Catalá, eine literarische Hochsprache genauso wie das Französische, Italienische oder Spanische, durfte in der Öffentlichkeit nicht mehr gesprochen werden. Eine Kultur sollte ausgelöscht werden.

Demonstration für den katalanischen Weg. Foto: Ottmar Breitenhuber
Demonstration für den katalanischen Weg. Foto: Ottmar Breitenhuber

Gut 200 Jahre später, nach dem Spanischen Bürgerkrieg (1936 – 1939), das Gleiche noch einmal: Im 19. Jahrhundert hatte sich Katalonien von der Unterdrückung durch die Bourbonen erholt. Und nicht nur das, es hatte sich erneut zum wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum Spaniens entwickelt. Die Vielzahl der Gebäuden im typischen Stil des katalanischen Jugendstil (Gaudí, Domenich i Muntaner u.a.) sind ein beeindruckendes Zeugnis davon. General Franco, der mit seinen Truppen den Spanischen Bürgerkrieg für sich entschieden hatte, errichtete eine zentralistische Militärdiktatur in Madrid. Da hatte der katalanische Unabhängigkeitsgedanke natürlich keinen Platz. Wieder wurde die katalanische Kultur und die katalanische Sprache aus der Öffentlichkeit verbannt.

Demonstration für den katalanischen Weg. Foto: Ottmar Breitenhuber
Demonstration für den katalanischen Weg. Foto: Ottmar Breitenhuber

Erst nach dem Tod Francos, mit der Einführung der Demokratie im Jahre 1975 – übrigens durch König Juan Carlos I. – durften sich die einzelnen Autonomien Spaniens langsam wieder an die eigene kulturelle Identität erinnern. Und da Katalonien sich rasch wieder zur wirtschaftlich stärksten Region Spaniens entwickelt hatte, kam es damit auch bald wieder in vielerlei Hinsicht zu einer Rivalität zwischen Barcelona und Madrid. Und vor allem: Die Politiker im zentralistischen Madrid hatten Angst vor den separatistischen Bestrebungen und der Stärke Kataloniens. Die Folge war eine immer stärker werdende Benachteiligung durch eine ungerechte und zentralistische Steuerpolitik. Außerdem wurden fest versprochene Rechte, die man zunächst in den Autonomiestatuten zugesagt hatte, schließlich doch nicht zugestanden. Das führte zu einem immer größer werdenden Unmut unter den Katalanen. Die Wirtschaftskrise Spaniens und die Erinnerung an die einstige politische Unabhängigkeit und kulturelle Größe ließ schließlich den Ruf nach erneuter Unabhängigkeit von Spanien in Katalonien immer lauter werden. Und, was normalerweise ziemlich selten ist, sowohl ein sehr großer Teil der Bevölkerung als auch Politiker verschiedenster Parteien sind sich in diesem Anliegen einig.

Demonstration für den katalanischen Weg. Foto: Ottmar Breitenhuber
Demonstration für den katalanischen Weg. Foto: Ottmar Breitenhuber

Am 9. November 2014 will die Regierung Kataloniens nun in ihrem Land eine Volksabstimmung durchführen: Was ist der Bevölkerungswille? Ein von Spanien unabhängiger neuer Staat Katalonien oder Verbleib als eine sogenannte Autonomie im Zentralstaat Spanien. Nur, da wäre noch ein „kleines“ Problem an der geplanten Volksabstimmung am 11. November: Laut spanischer Verfassung ist eine Volksabstimmung nur möglich, wenn sie von der Zentralregierung in Madrid einberufen oder genehmigt wird. Und die hat natürlich überhaupt kein Interesse an den diesbezüglichen Plänen der Politiker in Barcelona. So geht’s also los. Barcelona sagt: Wir machen die Abstimmung trotzdem! Madrid: Ihr habt überhaupt keine Rechtsgrundlage dazu. Keiner weiß, wie es weitergehen soll. Keiner ist bereit, seine Position aufzugeben. Kommt es zu einer Abstimmung? Wenn ja, wie geht sie aus? Und dann? Was folgt daraus?

Demonstration für den katalanischen Weg. Foto: Ottmar Breitenhuber
Demonstration für den katalanischen Weg. Foto: Ottmar Breitenhuber

1,8 Millionen Katalanen auf der Straße geben jetzt aber dem Wunsch nach einer „via catalana“ einen neuen Aufschwung. So wie bisher, kann und darf es nicht weitergehen! Lässt sich dieser deutliche Wille eines Volkes wirklich noch aufhalten? Wird man den Katalanen verbieten, was den Schotten demnächst erlaubt wird? Natürlich, eine politische Unabhängigkeit Kataloniens ist noch lange nicht die Lösung aller katalanischen Probleme. Aber: Nur wer sich der individuellen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Stärken bewusst ist, sie pflegen und fördern darf, der wird auch einer größeren Einheit, ob spanischer Nationalstaat oder europäischer Vielvölkergemeinschaft, einen für alle gewinnbringenden Beitrag geben können. Eine Vielfalt in der Einheit. Vielleicht gibt es ja in diesem Sinne eine „via catalana“. Ich jedenfalls wünsche es Katalonien, Spanien und Europa.