Proteste in Brasilien

Hier in Brasilien gehen momentan viele Leute auf die Straße, und oft hört man von neuen Streiks. Aber nicht alles hat mit der Fußballweltmeisterschaft (auf brasilianisch „Copa do Mundo“) zu tun. Insgesamt kann man zwischen drei “Arten” der Demonstrationen und Streiks unterscheiden:

  1. Die Streiks und Demonstrationen, die es immer und unabhängig von sämtlichen anderen Ereignissen gibt. Hier in Goiânia streiken zum Beispiel gerade die Lehrer, die bei der Stadt angestellt sind. Ihnen geht es aber nur um das Gehalt, Copa hin oder her.
  1. Die Demonstrationen, die im Frühjahr ausgebrochen sind, als der Preis der Busse erhöht wurde, dabei aber an den öffentlichen Verkehrsmitteln nichts verbessert wurde. Die Busse hier in Goiânia sind zum Beispiel immer überfüllt und sehr oft unpünktlich, und dafür zahlt man pro Fahrt 2,80 Reais (knapp 1 Euro). Wer von den Bussen abhängt und jeden Tag damit zur Arbeit fährt, für den ist das dann teuer und auch ganz schön unbequem. Das war der Auslöser für landesweite Demonstrationen, die aber nicht nur bei diesem Thema blieben. Gleichzeitig ging es dann auch noch um alles andere, das die Leute hier in Brasilien bewegt: Das Gesundheits- und Bildungssystem, die Rechte der Indios, die Korruption im Allgemeinen, und dann eben auch noch die Copa bzw. deren Organisation. Diese Demonstrationen, die vor allem von Studenten veranstaltet wurden, waren lange Zeit friedlich, bis die Polizei eingriff. Sie schlug die Proteste an vielen Orten mithilfe von Gewalt nieder. Angeblich schickte die Polizei sogar Leute in die Demonstrationen, die dafür bezahlt wurden, Unruhe zu stiften, um dann ein Eingreifen der Polizei mit Gewalt zu rechtfertigen und die Bevölkerung gegen die Demonstranten aufzubringen. Solche Gerüchte hört man hier oft, beweisen konnte das aber bis jetzt noch niemand. Die Protestbewegung schaffte es, sogar das Dach des Regierungsgebäudes in Brasilia zu besetzen.
  1. Die Anti-WM-Bewegung: Diese Bewegung gibt es im Prinzip schon, seit Brasilien als Gastgeberland der WM kandidiert hat. Sie hat Demonstrationen und verschiedene Aktionen gegen die Copa veranstaltet und veranstaltet sie auch immer noch bzw. wird sie wohl während der WM weiterführen. Auch einige brasilianische Musiker sind in dieser Bewegung engagiert, die vor allem bemängelt, dass für die WM Geld ausgegeben wird, das für Belange der Bevölkerung nie zur Verfügung gestellt würde.

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Solarpumpen-Projekt der KLB Eichstätt im Senegal

Wir befinden uns in Ngeen, einem 1000-Einwohner-Dorf am Fluss Gambia im Südosten Senegals, rund 50 km von der Regionshauptstadt Tambacounda entfernt. Die Bewohner sind vor 30 Jahren vom Norden hier an den Fluss gezogen, weil in der alten Heimat wegen des ausbleibenden Regens kaum noch Landwirtschaft möglich war. Hier am Gambia bewirtschaften sie, genossenschaftlich organisiert, auf 35 Hektar eine Bananenplantage. Das Gießwasser wird mit leistungsfähigen Dieselpumpen vom 20 Meter tiefer gelegenen Fluss auf die Felder gepumpt.

Bei unserem Besuch vor drei Jahren beklagten sich die Bauern, dass sich der Bananenanbau wegen des gesunkenen Bananenpreises und der steigenden Dieselkosten kaum noch rentiere. Gemüseanbau wäre eine Alternative. Er hätte eine positive Perspektive, zumal Gemüse in Tambacounda sehr gefragt ist. Auch für die Eigenversorgung wäre es eine gute Ergänzung zum täglichen Hirsebrei.

Im Rahmen der Partnerschaft der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) der Diözese Eichstätt mit der Landvolkbewegung MARCS der Diözese Tambacounda im Senegal wurde die Organisation „Ingenieure ohne Grenzen Regensburg“ für die Realisation des Gemüseprojekts gewonnen. Nach einigen Vorbereitungen reisten drei Mitglieder dieser Organisation nach Ngeen. Auf einer geeigneten Ackerfläche bauten sie mit Unterstützung einiger Dorfbewohner eine Solaranlage auf Betonstelzen. In einer Schlosserwerkstatt wurde ein Floß, auf dem die Pumpe montiert werden sollte, zusammengeschweißt. Wegen der fehlenden Infrastruktur und der weiten Wege waren die geplanten drei Wochen jedoch schnell verflogen, zumal auch die bestellten Anschlussschläuche noch nicht geliefert waren. So musste die Gruppe vor der Vollendung des Projekts wieder abreisen. Von Deutschland aus wurde versucht, die Fertigstellung zu organisieren. Durch verschiedene Umstände und Schwierigkeiten gelang dies jedoch nicht.

Im Februar dieses Jahres reisten wir zu zweit noch einmal für drei Wochen nach Ngeen. Nils Dalisson (ein Mitglied von „Ingenieure ohne Grenzen“) und ich versuchten, in Gesprächen mit den betroffenen Landwirten und dem Schlauchlieferanten eine erfolgreiche Lösung zu finden. In Tambacounda besorgten wir Anschlüsse und Verbindungen von Pumpe und Hauptschlauch und kauften Seile für die Verankerung des Floßes. Ein einheimischer Schlosser befestigte die Pumpe auf dem Floß. Mit vereinten Kräften wurde es über das Steilufer in den Fluss befördert. Die Freude war riesig als nach der elektrischen Verbindung von Pumpe und Solarmodul tatsächlich Wasser durch den Schlauch auf das Feld sprudelte. Umso größer war die Enttäuschung, als nach wenigen Minuten der Hauptschlauch platzte. Er war durch die längere Lagerung schon porös geworden. Wir brachten ihn zum Schlauchlieferanten, der versprach, ihn zu ersetzen. Da unsere zwei Wochen schon fast vorbei waren und er keinen Ersatzschlauch auf Lager hatte, blieb nur die Möglichkeit mit dem Händler einen Vertrag abzuschließen. Er beinhaltet nicht nur die Lieferung des Ersatzschlauches, sondern auch eine Schulung für Gemüseanbau und Installation einer Tröpfchenbewässerung.

Mittlerweile sind drei Monate vergangen und es gibt endlich gute Nachrichten. Sowohl der Unterricht hat stattgefunden, als auch die erfolgreiche Installation der Tröpfchenbewässerung wurde bestätigt. Auf den 3.000-Quadratmeter-Anbauflächen konnten schon die ersten Pflänzchen gesetzt werden. Für die KLB Eichstätt bleibt die Hoffnung, dass dieses Pilotprojekt für Solarenergie weitergeführt wird und der Gemüseanbau die Lebensbedingungen verbessert, sodass der finanzielle Einsatz der KLB von rund 15.000 Euro eine sinnvolle Unterstützung unserer Partner in der Diözese Tambacounda war.

Der Libanon und die Situation der syrischen Flüchtlinge

Die Situation im Libanon wird mit der zunehmenden Zahl der Flüchtlinge aus Syrien jeden Tag schwieriger. Es sieht bereits ähnlich aus wie im Jahr 1975, als der Zustrom von palästinensischen Flüchtlingen in den Libanon die Sicherheitslage destabilisierte und zu einem fünfzehn Jahre lang dauernden Bürgerkrieg führte. Aber heute ist die Gefahr auch deshalb sehr groß, weil die große Zahl der syrischen Flüchtlinge die libanesische Identität gefährdet. Geschätzt wird, dass bis 2015 rund vier Millionen syrische Flüchtlinge Schutz im Libanon suchen werden. Dies entspricht der Einwohnerzahl des Libanon. Derzeit schätzt die libanesische Regierung der Zahl der syrischen Flüchtlinge auf ca. 1,5 Millionen, das entspricht einem Drittel des libanesischen Volkes. Aus dieser hohen Zahl folgen viele Probleme:

  • Die Bevölkerung hat sich in vielen Städten und Dörfern mehr als verdoppelt.
  • Eine sehr hohe Belastung für die Lebensqualität und den Arbeitsmarkt, die Infrastruktur und die öffentlichen Dienste.
  • Der Wettbewerb um Arbeitsplätze zwischen den libanesischen und syrischen Flüchtlingen ist dramatisch.
  • Eine zunehmende Gewaltkultur: Die Zahl der festgenommenen Syrer beträgt heute bereits 17% der gesamten Insassen in libanesischen Gefängnissen. Die Ursache dafür ist, dass die Vertriebenen fast keine Arbeit finden können.
  • Äußerst schlimm ist der Gesundheitszustand von Vertriebenen: Die steigende Zahl der Vertriebenen und die damit verbundenen Lebens- und Wohnbedingungen hat sehr negative Auswirkungen auf ihre Gesundheit.

Statistiken der internationalen Hilfsorganisation Amel Association, die in ihren 24 Zentren und drei mobilen Kliniken etwa 90 000 Patienten pro Jahr betreut, zeigen folgendes:

  • Bis zu 47% der Patienten sind an Hautkrankheiten erkrankt unter anderem an Leishmaniose (Orientbeule, Kala Azar – eine Infektionskrankheit die weltweit in warmen Ländern vorkommt – in Europa zum Beispiel im Mittelmeerraum). Die Erreger werden von Sandmücken übertragen. Menschen und Tiere – wie Hunde – können erkranken).
  • 27% leiden an Krankheiten des Verdauungssystems und Darms.
  • 19% leiden an Erkrankungen der Atemwege.
  • 19% leiden an Unterernährung, vor allem Kinder.
  • 2% leiden an Infektionskrankheiten: Masern, Gelbsucht und Typhus.
  • 13% leiden an psychischen Erkrankungen als Folge von Trauma und Verdrängung.
  • Viele Menschen leiden zusätzlich an Krankheiten in Folge von häuslicher Gewalt oder sexuellem Missbrauch von Frauen.

Viele syrische Flüchtlinge im Libanon leiden an chronischen Krankheiten und sind nicht in der Lage, eine Behandlung zu bezahlen. Die Hilfsorganisationen sagen, dass es bereits ca. 300 Nierenversagen gibt, 200 Fälle von Thalassämie – darunter 150 Kinder – und zusätzlich ca. fünfhundert Fälle von Krebs.

Die libanesische Regierung, der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge und die vielen medizinischen Hilfsorganisationen entschuldigen sich, nicht alle dieser Fälle behandeln zu können, da dafür einfach das Geld fehlt und die Kosten sehr hoch sind. Die Föderation der Hilfsorganisationen im Libanon sagt, dass die Anzahl der chronischen Krankheiten unter den Flüchtlingen sehr gefährlich ist und es schnellst möglichst einer internationalen Finanzierung unter großer Beteiligung der Regierungen bedarf.

Eine bezahlbare Behandlung von chronischen Krankheiten durch die libanesische Regierung und die Hilfsorganisationen besteht derzeit nur für die Dialyse und Thalassämie. Die Kosten dafür sind von Wohlfahrtsverbänden und Wohltätern, aber auch nur für eine begrenzte Zeit bezahlt. Das Hauptproblem ist, dass die internationalen und lokalen Gremien die chronischen Krankheiten nicht wahrnehmen und den Großteil ihres Budgets für andere Krankheiten aufwenden.

Von der Kommission der Geberländer wurde der Finanzbedarf für das Jahr 2014 auf 1,9 Milliarden Dollar geschätzt, davon sind bis jetzt einschließlich dieses Monats nur 13% finanziert. Zusätzlich verschlimmern sich die Leiden mit dem ständigen Zustrom von neuen Flüchtlingen.

Der wöchentliche Bericht des UN-Hochkommissars für Flüchtlinge zeigt, dass offiziell die Zahl der syrischen Flüchtlinge im Libanon 1.044.000 Menschen erreicht hat und der Libanon das Land in der Welt ist, in dem in Bezug auf die Bevölkerung die höchste Konzentration von Flüchtlingen und Vertriebenen besteht.

Rund die Hälfte der Vertriebenen mieten Wohnungen und teilen oft kleine und bescheidene Unterkünfte mit anderen Familien, wobei eine sehr große Überbelegung herrscht. Vierzig Prozent leben in fragilen Umgebungen, wie zum Beispiel in Zelten, in informellen Siedlungen und Garagen  oder Arbeitsstätten und unfertigen Gebäuden.

Deutschland versucht den syrischen Flüchtlingen im Libanon zu helfen. Im Mai ist der zwölfte Flug aus humanitären Gründen vom Libanon nach Deutschland im Rahmen des deutschen Programms für Flüchtlinge erfolgt. Damit wurden 259 Vertriebene und Flüchtlinge nach Deutschland gebracht. Damit steigt die Zahl der Vertriebenen, die im Rahmen dieses Programms nach Deutschland gebracht wurden auf 2.555. Die Bundesregierung hat zwei Sonderprogramme mit insgesamt 10.000 Plätzen aufgelegt, um syrische Flüchtlinge gezielt nach Deutschland zu holen. Auch fast alle Bundesländer starteten eigene kleinere Aufnahmeprogramme.

Mehr zum Thema: Dr. Gerhard Gradl, Arzt für Allgemeinmedizin aus Nürnberg-Moorenbrunn, berichtet über seinen Einsatz im Flüchtlingslager im Libanon.