Lepra in Brasilien noch immer weit verbreitet

„Lepra, gibt es das noch?“, hört man immer häufiger. Viele verbinden Lepra mit alten Geschichten, die Hunderte ja Tausende von Jahren zurückliegen. Andere und interessantere Probleme beherrschen heute die Schlagzeilen der Presse und die Sorgen der Menschen. Sogar in den Ländern mit noch hoher Leprarate wie Indien und Brasilien wird das Problem immer mehr verdrängt, weil Lepra eine Schande für aufstrebende Schwellenländer ist.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht seit fast 20 Jahren von der Eliminierung der Lepra als öffentliches Gesundheitsproblem, musste jedoch das geplante Datum immer wieder verschieben, weil das Ziel nicht erreicht wurde. Indien hat trotz der hohen Leprazahlen das Ziel offiziell 2005 erreicht, doch die Zahl der neuen Leprafälle steigt wieder. Zurzeit laufen große Kampagnen des brasilianischen Gesundheitsministeriums mit Aufklärung, Ausbildung von Fachpersonal und intensiver Aufklärung in Schulen zur Entdeckung neuer Leprafälle. Brasilien will das Ziel der Lepraeliminierung im Jahre 2015 erreichen. Lepraeliminierung bedeutet weniger als zehn Kranke pro 100.000 Einwohner.

Lepra ist eine Infektionskrankheit, die durch das Mycobacterium Leprae hauptsächlich mittels Tröpfcheninfektion übertragen wird. Die Lepra befällt die Haut und periphere Nerven, was zu Sensibilitätsstörungen mit Lähmungen an Händen, Füssen und Augen führen kann. Auf Grund der Sensibilitätsstörungen werden Verletzungen nicht rechtzeitig erkannt, weil das Schmerzempfinden nicht mehr funktioniert, was zu schweren Wundinfektionen und Zerstörung von Nervenbahnen bis hin zu und Erblindung führen kann. Lepra ist seit Einführung der Multidrugtherapie (Kombinationstherapie mit Antibiotika) in den 80er Jahren heilbar. Die Behandlung dauert sechs bis zwölf Monate und ist kostenlos.

WHO und Regierungen konnten trotz der Verbesserung der Gesundheitsdienste und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen die Krankheit nicht eliminieren. Die Unterstützung für die Lepraarbeit, sei es auf medizinischem, sozialem oder Forschungssektor, lässt nach. Es fehlen Gelder für Forschung zur Entwicklung eines Impfstoffes, alternativer Therapien, Resistenzentwicklung bei Lepra und Übetragungsmodus. Obwohl Brasilien ein gut organisiertes Basisgesundheitsprogramm hat, leidet dieses an fehlenden Mitteln, schlechter Planung und Korruption seitens der Stadtregierungen.

Die Unkenntnis des medizinischen Personals im Leprabereich in typischen Lepraländern ist erschreckend hoch. Die Universitäten interessieren sich nicht mehr oder kaum für das Thema. „Mit Lepra verdient man kein Geld“, hört man immer wieder von jungen Medizinern. Lepra im 21. Jahrhundert ist nicht mehr interessant und gerät immer mehr in Vergessenheit. Der Leprabazillus „freut“ sich, weil er mit seiner Jahrtausende alte Erfahrung im Umgang mit dem menschlichen Körper immer weniger Feinde zu bekämpfen hat und fast in aller Ruhe weiter arbeiten kann. Er ist noch da!

Obwohl die offiziellen Zahlen weltweit jährlich zurückgehen, zeigen lokale Untersuchungen eine erheblich hohe Dunkelziffer von Kranken, die nicht erfasst werden. Sei es in Brasilien, Indien oder in anderen Lepraländern, dort wo medizinisches Personal ausgebildet und aktiv nach Leprakranken gesucht wird, ist die Zahl der Neuerkrankungen überraschend hoch. Hoch ist auch die Zahl der Neuerkrankungen bei Kindern, was zeigt, dass der Leprabazillus nicht schläft oder geschwächt, sondern noch sehr aktiv ist.

Im Jahre 2012 wurden weltweit 232.857 neue Leprafälle in 115 Ländern registriert. 16 Länder konzentrierten 95% aller neuen Fälle und drei Länder (Indien, Brasilien und Indonesien) 80% der neuen Leprafälle. Indien steht mit 187.049 neuen Leprafällen an erster Stelle weltweit, gefolgt von Brasilien mit 33.303 neuen Fällen.

Die Zahl der neuen Leprafälle in Brasilien konzentriert sich in ärmeren Regionen des Nordens, Nordosten und Zentralwesten, während der entwickelte Süden die Lepra unter Kontrolle gebracht hat. Was zeigt, dass Lepra dort seinen Nährboden findet, wo Armut, fehlende Hygiene, Unterernährung und mangelnde Bildung noch Probleme sind.
Auch in Deutschland werden wieder einige neue Leprafälle registriert. Es handelt sich hier um eingeschleppte Infektionen aus den Lepraländern wie Indien und Brasilien. Die Lepradienste dürfen jetzt nicht nachlassen. Der Kampf gegen die Krankheit muss mit unverminderter Härte weitergeführt werden. Denn sonst kann es sein, dass eines Tages die Lepra als eine „alte – neue Krankheit“ wiederkommt, nämlich dann wenn keiner mehr eine Ahnung von Lepra hat.

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WM in Brasilien – der Countdown läuft

Dass die Fußballweltmeisterschaft Tag für Tag ein Stückchen näher rückt, das ist hier in Brasilien deutlich spürbar. Im Fernsehen wird schon der Countdown gezählt, und an jeder Ecke verkaufen Straßenhändler T-Shirts, Hängematten und Autozubehör in den Nationalfarben. Das alles sieht nach sehr viel Euphorie aus, in Wirklichkeit aber steht der Groβteil der Brasilianer der „Copa“ (so heißt die WM in Brasilien) mittlerweile eher kritisch gegenüber. Und sie haben auch guten Grund dafür.

Da ist zum Beispiel die Tatsache, dass der brasilianische Staat für die WM Summen ausgibt, die er nie im Traum in Bildung, das Gesundheitssystem oder die Infrastruktur investieren würde. Und diese Summen wachsen auch noch weiter durch die Korruption, die immer nur einen Teil des Geldes dort ankommen lässt, wo es hinsoll.

Dann sind da die Löhne von beim Staat angestellten Lehrern und der städtischen Müllabfuhr, die im April nicht gezahlt wurden, weil das Geld in „wichtige Investitionen aufgrund der WM“ floss – und dabei hat Goiânia, die Stadt, in der ich mich aufhalte, noch nicht einmal einen eigenen Austragungsort. Das Ergebnis war ein etwa zweiwöchiger Streik der Müllabfuhr, und auch die Lehrer waren kurz davor, ihre Arbeit niederzulegen.

Neben solchen Ungerechtigkeiten gibt es dann auch noch ein paar absurde Fälle wie zum Beispiel den folgenden: In der Stadt Cuiabá wird eigens für die WM ein neues Fußballstadion – die Arena Pantanal – von der Bundesregierung Brasiliens errichtet. Die Arena Pantanal hier in Cuiabá (Hauptstadt des Bundesstaates Mato Grosso), aber auch Arena da Amazônia in Manaus und das Stadion Mané Garrincha in Brasília könnten sich in sogenannte „weiße Elefanten“ verwandeln, da es in diesen Städten keine Fußballvereine gibt, die in der ersten oder zweiten brasilianischen Liga spielen. Im Endeffekt, so der Eindruck, wird also sehr viel Geld für ein paar WM-Spiele ausgegeben, während zum Beispiel das staatliche Gesundheitssystem in vielen Gegenden sehr prekär ist.

Solche Sachen sollten einfach nicht passieren, und viele Brasilianer sind deshalb schon auf die Straße gegangen. Mittlerweile hat sich sogar schon eine Protestbewegung gegen die „Copa“ gebildet, die vor allem in Brasília, aber auch in vielen anderen Städten Demonstrationen gegen die WM in Brasilien veranstalten. Davon bekommt man aber in den Medien nichts oder nur sehr wenig mit. Die Medien haben hier momentan vor allem die Aufgabe, die Bevölkerung auf eine fröhliche „Copa“ einzustimmen, und vermitteln ein Bild von purer Vorfreude und Nationalstolz.  Sämtliche negative Stimmen werden  totgeschwiegen. Verständlich, denn landesweite Protestaktionen oder Streiks würden die Aufmerksamkeit anderer Länder auf Brasilien lenken, dem Image schaden und am Ende noch die Touristen abschrecken. Und das will der Staat auf keinen Fall. Deshalb wird zum Teil auch sehr hart gegen die Demonstranten durchgegriffen, in manchen Fällen waren es angeblich die Polizisten, die mitten in einer friedlichen Demonstration eine Schlägerei begonnen haben.

Trotz aller Schwierigkeiten und Probleme bin ich mir aber sicher, dass die WM hier in Brasilien doch fröhlich und vor allem friedlich ablaufen wird. Während der „Copa“ wird für die Brasilianer vor allem eines zählen: ihr Nationalstolz und die Hoffnung, dass Brasilien zu Hause den Titel gewinnt.

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Shalom-Preisträgerin kämpft für indigene Bevölkerung

Lory Obal, Shalom-Preisträgerin des Jahres 2014 kommt am Mittwoch, 22. Mai, nach Eichstätt. Sie wird, wie in den letzten Jahren alle Preisträger/innen, im Haus unseres langjährigen Mitglieds, der 81jährigen Margarete Müller, wohnen. Wir, Studentinnen und drei Eichstätter Bürgerinnen, die derzeit aktiv im AK Shalom für Gerechtigkeit und Frieden an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt sind, werden hier in den kommenden Tagen unseren Stützpunkt haben.

Christin Lory Obal engagiert sich seit 1984 für die indigene Bevölkerung. Die studierte Religionspädagogin und Erziehungswissenschaftlerin ist Gründerin und Präsidentin des ausgezeichneten Projektes ICON, des Netzwerk Interkultureller Organisationen für Solidarität und Frieden auf den Philippinen.

In Tampakan auf Mindanao befinden sich einige der größten Abbaugebiete für Gold und Kupfer in ganz Südostasien. Dies führt häufig zu Landraub durch multinationale Konzerne und teilweise blutigen Auseinandersetzungen zu Lasten der indigenen Bevölkerung. Lory Obal war 28 Jahre lang Mitarbeiterin des Bistums Kidapawan. Seither ist sie leitend tätig für mehrere Nichtregierungsorganisationen in den Bereichen Menschenrechte, Gerechtigkeit, Frieden und Umweltschutz. Seit 2004 ist sie Generalsekretärin von AGENDA (Alliance for Genuine Development)

Das Netzwerk ICON erarbeitet innerhalb lokaler Strukturen Mechanismen der Konfliktlösung, zum Beispiel im Dorfentwicklungsrat. Monatlich finden Treffen von Nichtregierungsorganisationen, Kommunen und staatlichen Stellen statt. In wöchentlichen Radioprogrammen, Broschüren und in einem monatlichen Newsletter wird über die friedensbildenden Maßnahmen gesprochen. Persönlichkeiten aus Kirche, Wissenschaft, Medien und Kommunen führen einen Dialog mit Armee und Rebellengruppen in den Konfliktgebieten. In übergemeindlichen Foren sprechen sie über Friedensabkommen.

Lory Obals Einsatz ist eng mit der katholischen Kirche verbunden. Schon1981 fragte sie Bischof Orlando Quevedo OMI von Kindapawan, ob sie für eine große Pfarrei als Religionspädagogin arbeiten würde. Drei Jahre später übernahm sie dort, im Zentrum der Insel Mindanao, die Verantwortung für das katholische Programm für die indigene Bevölkerung. Seit dieser Zeit ist sie mitten im Konflikt um Land. Immer wieder ist sie von Regierungstruppen oder Milizen angegriffen worden. Ureinwohner werden vertrieben oder gar getötet, ihr Land wird annektiert. Mitarbeiter der Kirche, auch enge Freunde Obals, wurden ermordet. Lory Obal schrieb in einer Mail: „Ich habe keine Angst um mein Leben. Ich werde von einem Gefühl der Hoffnung und der Kraft Gottes begleitet.“ Wenn man das nicht mehr habe, müsse man aufhören.

Der Shalompreis ist einer der höchstdotierten Menschenrechtspreise in Deutschland. Mit dem jährlich verliehenen Shalompreis werden Einzelpersonen oder Gruppen ausgezeichnet, die sich in vorbildlicher Weise, oft unter erheblichen persönlichen Risiken für die Wahrung der Menschenrechte, den weltweiten Frieden oder für Unterdrückte einsetzen. Der Preis versteht sich als ideelle Anerkennung und als praktische materielle Unterstützung gleichermaßen.

Das Preisgeld wird ausschließlich aus Spenden verschiedener Träger, Organisationen und Privatpersonen zusammengetragen. Es fließt direkt in ein oder mehrere Projekte, die die Preisträger/innen vorschlagen und über die sie weiterhin berichten. Der Preis soll nicht nur eine Anerkennung für die Leistung der Ausgezeichneten sein, sondern darüber hinaus auch dazu beitragen, gefährdete Verteidiger von Frieden und  Menschenrechten zu schützen und andere zu ermutigen, sich zu engagieren.

Seit der Gründung des AK Shalom für Gerechtigkeit und Frieden an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, 1981, fanden und finden sich immer wieder Studenten und Studentinnen sowie Eichstätter Bürgerinnen, die die rein ehrenamtliche Arbeit ermöglichen.

Mehr zum Thema: Gegen Ausbeutung und Zerstörung

Die feierliche Verleihung des Shalompreises 2014 findet am Samstag, 24. Mai, um 19.30 Uhr im Holzersaal der Sommerresidenz Eichstätt statt. Im Rahmen der Shalomwoche ist am Donnerstag, 22. Mai, um 19.00 Uhr, im Filmstudio im Alten Stadttheater Eichstätt der Film „Lola“ aus den Philippinen zu sehen. Alle Termine der Shalomwoche auf der Website des AK-Shlalom.

Yambu Muzungu – Auf Forschungsreise in Burundi

Als die drei Triesdorfer Stipendiaten 2013 an unserer Hochschule und den Lehranstalten Triesdorf zu Gast waren, war ich zur gleichen Zeit auf der Suche nach einem geeigneten Thema für meine Bachelorarbeit. Ich wollte mich gerne mit einer Fragestellung aus dem Bereich Internationale Zusammenarbeit/Entwicklungshilfe beschäftigen und so fiel die Wahl recht schnell auf Burundi, um diesen neuen Kontakt direkt nutzen zu können. Auch das genaue Thema ergab sich dann schnell: Da Burundi bislang nicht im Fokus der internationalen Agrarforschung steht, bot sich ein grundlegendes Thema an, bei dem es vor allem um die ökonomische Situation von Kleinbauern in Bugendana geht. Nachdem ich alle Prüfungen des Wintersemesters absolviert hatte, ging es dann Anfang März für sechs Wochen nach Burundi. Diese Reise ins Ungewisse habe ich doch mit recht gemischten Gefühlen angetreten. Ich war vorher noch nie in einem so wenig entwickelten Land gewesen und konnte von daher nicht so recht einschätzen, was mich wohl erwarten würde.

Befragung in Bugendana

Nach 20-stündiger Reise endlich angekommen, wurde ich von allen sehr herzlich empfangen. Untergebracht war ich für die Dauer meines Aufenthalts im neu bezogenen Pfarrhaus, zusammen mit drei Priestern und zwei Laien. Mit den Schwestern aus dem benachbarten Ordenshaus habe ich mich ebenfalls sehr gut verstanden, und auch wenn wir nicht die selbe Sprache gesprochen haben, wurde viel gelacht, gekocht, gebastelt und erzählt…

Bei meiner Arbeit wurde ich vor allem von Remy sehr gut und engagiert unterstützt. Er fungierte bei den Befragungen der Familien in Bugendana als Übersetzer und stellte seine sehr guten Deutschkenntnisse unter Beweis. Insgesamt befragten wir 76 Familien und ich erhielt viele Daten über Pflanzenbau, Tierhaltung, Haushaltseinnahmen und –ausgaben, das Sparverhalten und ihre persönliche Einschätzung der aktuellen und der zukünftigen Situation. Die Arbeit hat mir wirklich Freude gemacht, da die Menschen in Bugendana sehr offen, ehrlich, kommunikativ und vor allem lebensfroh sind. Und für sie war ich eine kleine Sensation: Nur selten kommen Weiße ins Dorf und noch seltener eine weiße Frau… Manche der kleinen Kinder rannten schreiend davon – aber die meisten begrüßten mich freudig mit „Yambu Muzungu!“ ( „Hallo Weiße!“).

Neben den Betriebsbefragungen sammelte ich auch bei Behörden und Institutionen Daten für meine Bachelorarbeit. Auch dieser Teil der Arbeit war sehr interessant, weil ich damit auch einen Einblick in die staatliche Verwaltung und in die Arbeit von Entwicklungsorganisationen erhalten habe.

Bei Ausflügen nach Gisozi, Rutana und Bujumbura konnte ich auch weitere Teile des Landes kennenlernen und ein paar der touristischen Attraktionen wie die Nilquelle und die Wasserfälle von Rutana besuchen.

Besonders bewegt hat mich die Karwoche und das Osterfest, das am Ende meines Aufenthaltes lag. Die Begeisterung und Freude die in den Gottesdiensten in Burundi vermittelt werden ist unvergleichlich und wirklich ein ganz besonderes Erlebnis… Hier könnte Burundi durchaus in Deutschland Entwicklungshilfe leisten…

Ein Land wie Burundi „arbeitend“ zu bereisen ist etwas ganz besonderes und hat mich sehr begeistert und bewegt. Innerhalb dieser relativ kurzen Zeit habe ich Land und Leute recht gut kennenlernen können. Ich habe sehr viel fachlich und vor allem persönlich gelernt und auch in meiner beruflichen Orientierung hat mich diese Reise zu 100% bestätigt.

Ein ganz herzliches Dankeschön geht deshalb an alle, die mich bei diesem Projekt unterstützt haben!

Video: Neuer Pfarrer in Bugendana
Partnerschaft Eichstätt-Burundi

Die Wahlen für den Wandel in Indien

Mein Heimatland Indien wählt. Insgesamt 814 Millionen Inder sind zur Bestimmung der 543 Abgeordneten des Unterhauses aufgerufen. Die größte demokratische Wahl der Welt hat am 7. April begonnen und dauert noch bis 12. Mai. Ich bin kein Politikexperte und schreibe hier als Bürger, der seine Informationen aus verschiedenen Zeitungsartikeln, Gesprächen und Debatten im Fernsehen hat.


Das Hauptthema dieser Wahl ist die Korruption. Viele große Skandale wurden in der letzten Zeit aufgedeckt und die Menschen haben die Nase voll davon, wie Politiker der Zentralregierung und in den verschiedenen Staaten ihre Macht missbrauchen, um in die eigene Tasche zu wirtschaften. Indiens neue Antikorruptionspartei Aam Aadmi (AAP – „Partei der Normalbürger“) gewann im Dezember 2013 überraschend die Wahl im Stadtstaat Delhi und bildete dort eine Minderheitsregierung (die bereits nach zwei Monaten scheiterte – A.d.R.). Es war ein klares Zeichen gegen Korruption und der Wunsch nach einer sauberen Regierungsführung. Dieser Erfolg inspirierte die AAP, die Wahlen in ganz Indien zu bestreiten. Die Regierungskoalition mit der Kongresspartei INC (englisch Indian National Congress) als Hauptpartei – ihr Spitzenkandidat ist Rahul Gandhi – wird wegen der Korruption Stimmen einbüßen. Die BJP, eine hindu-nationalistischen Partei, und die AAP werden hinzugewinnen. Die Leute werden für den Wandel stimmen.

Die BJP war die größte Oppositionspartei im bisherigen Parlament und ist nach verschiedenen Umfragen Spitzenreiter bei diesen Wahlen. Die Prognosen geben ihr die größte Zahl der Sitze, aber nicht die Mehrheit, die es ihr ermöglichen würde, allein die Regierung zu bilden. Die nächste Regierung wird wahrscheinlich eine Koalition sein.

Die religiösen und weltlichen Minderheiten (unberührbare „Dalit“-Kaste, Stammesvölker, Unterdrückte ) freuen sich auf Besserung, sind aber auch besorgt, weil die politischen Parteien in ihren Manifesten viel versprechen, aber sehr wenig passiert, wenn die Wahlen vorbei sind. Es gab Ausschreitungen gegen Muslime im Bundestaat Gujarat, während der BJP-Kandidat Narendra Modi dort Ministerpräsident war, und es gab Angriffe gegen Christen, Beschädigung von Kirchen und christliche Einrichtungen in einigen Bundestaaten. Indien hat eine Verfassung, die den säkularen Charakter des Staates unterstreicht, aber die Minderheiten sind besorgt, dass dieser weltliche Charakter in Zukunft leiden könnte. Die Haltung der nicht-religiösen Minderheiten ist „abwarten und sehen“, ob die Wahlversprechungen erfüllt werden. Indien hat genügend Gesetze zum Schutz der Religionsausübung und -verbreitung, aber sie müssen umgesetzt werden. Das Wort „Bekehrung“ wird in einem schlechten Licht gesehen.

Die Würde und die Rechte der Frauen müssen respektiert werden. Auch das ist ein Thema, aber nicht ein sehr wichtiges bei den Wahlen. Was benötigt wird, ist nicht so sehr strengerer Gesetze, sondern eine völlig andere Denkweise. Frauen werden als minderwertig betrachtet. Mädchen werden nicht auf Augenhöhe mit den Jungen in der Familie gesehen. Schulabbrecher gibt es nicht nur bei den Armen, aber deren Zahl ist bei den Mädchen der ärmsten Schichten besonders hoch. Frauen werden oft nicht in ihrer von Gott gegebenen Würde gesehen, sondern als Objekte für billige Arbeit und Genuss.

Die katholische Bischofskonferenz Indiens hat Leitlinien für die Wahlen erlassen. Die Kirche bevorzugt keine Partei. Sie will eine gute Regierung, die die Würde aller Menschen – vor allem der Armen, Unterdrückten und Frauen – respektiert, sich für die Armen und Benachteiligten einsetzt, die Korruption bekämpft, den säkularen Charakter der indischen Verfassung bestätigt, mehr Beschäftigungsmöglichkeiten schafft, den zum Christentum konvertierten Dalits die Rechte wieder gibt, die sie vor dem Übertritt genossen und die ihnen nun zu Unrecht vorenthalten werden.

Übersetzung aus dem Englischen: Geraldo Hoffmann

Partnerschaft zwichen den Diözesen Eichstätt und PoonaVideo: Ein Inder in Eichstätt