Partnerschaftsprojekt Bugendana – Besuch auf der Baustelle

Nach dem Tag der Diplomatie gestern war heute der Tag der praktischen Arbeit beim Besuch unserer Partnerdiözese Gitega/Burundi. Wir sind nach dem Frühstück los auf die Baustelle des Sozial- und Pastoralzentrums Bugendana. Über eine Stunde dauerte die Fahrt auf der im Ausbau befindlichen Strecke. Vom Straßenbelag ist noch weit und breit keine Spur, roter Staub überall. Wir parken hinter dem Pfarrhaus, die sechs Ordensschwestern von nebenan sind herüber gekommen und singen zur Begrüßung.

Baustelle der Kirchen im Pastoralzentrum Bugendana
Hier entsteht die Kirche im Pastoralzentrum Bugendana. Foto: Gerhard Rott

Wir verlieren keine Zeit, gehen gleich auf die Baustelle der Kirche. Da wird mächtig gehämmert, gesiebt und geschweißt. Der gesiebte Sand ist für den Beton, das Hämmern kommt vom Gerüstbau und geschweißt wird das Eisen im Beton. Die Eichstätter sind sehr positiv überrascht vom Baufortschritt und der an den Tag gelegten Sorgfalt. Es werden auch Details besprochen, wie zum Beispiel das Mischverhältnis von Bruchsteinen aus der Region und gebrannten Ziegeln. Auch die hoffentlich bald fertige Grundschule wird besucht. Die Fundamente der Gesundheitsstation wirken massiv. Die alte Kirche wird gerade genutzt für eine Frauen-Katechese zur Fastenzeit.

Am Nachmittag dann die sehr konzentrierte Baubesprechung. Dabei gelingen zumindest erste kleine Fortschritte bei der Planung der Ausstattung mit regenerativer Energie. Erfreulich, dass unsere drei Triesdorfer Stipendiaten angefangen haben, ihr Wissen umzusetzen. Ein Hühnerstall ist da, die ersten Bienenvölker werden von Ortspfarrer umsorgt und auch die Bodenverbesserung mittels Kompost läuft an.

Der Ausfall des Stromgenerators hat uns heute Abend gezeigt, wie abhängig wir von Energie sind und wie dringend diese Herausforderung hier angegangen werden muss.

Mehr zum Thema: Solarenergie für Bugendana

Ezequiel Montes – eine Kleinstadt mit Cowboyflair

Der Ort, an dem ich die drei Monate hier in Mexiko verbringen werde, heißt Ezequiel Montes und befindet sich im Bundesstaat Querétaro, im Zentrum Mexikos. Der Bundesstaat Querétaro gilt als einer der sichersten, saubersten und wohlhabendsten Staaten in Mexiko, und dieser Wohlstand ist auch in Ezequiel Montes spürbar. Mit seinen fast 14.000 Einwohnern ist es eine vergleichsweise kleine Stadt, hier geht das Leben recht ruhig zu. Viele Leute leben von der Landwirtschaft, vor allem von der Rinder- und Schweinezucht. Alles erinnert ein bisschen an den Wilden Westen: Die Cowboyhüte, die viele der Jungen und Männer hier mit Stolz tragen, die riesigen Trucks, die Rinder transportieren, die großen Ranches ein bisschen außerhalb von Ezequiel und die Derbheit, mit der die Leute sprechen.

Ezequiel Montes wurde 1861 von Don Julián Velázquez Feregrino auf dem Gebiet der Ranch Corral Blanco gegründet. Die Geschichte besagt, dass ein Fest der Auslöser für diese Stadtgründung war. Es war ein Fest der Familie Velázquez, das am 20. September 1861 stattfand und von Räubern überfallen wurde. Daraufhin lud Don Julián seine Gäste ein, auf dem Gebiet der Ranch Corral Blanco zu wohnen, und dieser Einladung kamen auch einige Familien nach: die Montes, die Feregrinos und die Dorantes. Zusammen mit den Velázquez sind diese vier Familien bis heute die am stärksten in Ezequiel Montes vertretenen Familien. 1920 wurde der Name des Ortes dann von Corral Blanco zu Ezequiel Montes geändert, zu Ehren des 1820 im Nachbardorf Cadereyta geborenen Don Ezequiel Montes Ledesma, der ein wichtiger Politiker und Anwalt war.

1881 wurde begonnen, die erste Kirche des Ortes zu bauen. Fertiggestellt wurde sie 1905 und sie ist der Schutzheiligen Mexikos, Guadalupe, geweiht. Die katholische Kirche und Religion sind hier tief im täglichen Leben verankert. Wendungen wie zum Beispiel „Gott sei Dank“ oder „So Gott will“ werden oft benutzt. Außerdem bekreuzigen sich die Mexikaner jedes Mal, wenn sie an einer Kirche oder Marienstatue vorbeikommen, und wenn es eine Schwierigkeit zu bewältigen gibt, dann machen sie sich keine unnötigen Sorgen, sondern verlassen sich einfach darauf, dass mit Gottes Hilfe – „so Gott will“ – schon alles gut gehen wird.

In den Kirchen selbst gibt es mehr „Verhaltensregeln“ als bei uns in Deutschland. So darf man zum Beispiel als Frau die Beine nicht überschlagen, und es wird viel mehr darauf geachtet, nicht schulterfrei oder mit tiefem Ausschnitt eine Kirche zu betreten. Die Messe ist Bestandteil aller größeren Feste, sie gehört fest zu den dritten und 15. und allen großen runden Geburtstagen dazu. Ob die Leute wirklich gläubig sind oder nicht, das variiert stark von Familie zu Familie. Auch die Messe wird nicht von allen gleich oft besucht. Mit meiner Gastfamilie war ich zum Beispiel bis jetzt noch kein einziges Mal in der Kirche. Im Großen und Ganzen habe ich aber das Gefühl, dass es mehr wirklich gläubige Menschen gibt, als ich das von zu Hause gewohnt bin, und vor allem die ärmeren Leute haben einen sehr starken Glauben.

Ein beliebtes Ziel für Touristen ist die im Nachbardorf Bernal gelegene Peña de Bernal, der drittgrößte Monolith der Welt. Dieser Monolith kann auch bis ungefähr zur Hälfte bestiegen werden und ist das ganze Jahr über gut besucht. Am 21. März aber, am Frühlingsanfang, wimmelt es in Bernal nur von Menschen in weißer Kleidung, die daran glauben, dass eine Besteigung des Bernal in weißen Klamotten sie mit Energie für das kommende Jahr versorgt. Ob das stimmt oder nicht sei dahingestellt, Tatsache ist, dass man von der Peña aus einen wunderbaren Blick auf die Umgebung hat!

Solarenergie für Bugendana

Arbeitsreich werden die nächsten Tage für die fünf Mitglieder der Eichstätter Reisegruppe, die seit heute Morgen unterwegs ist nach Burundi. Dort baut das Bistum Eichstätt in Partnerschaft mit der Erzdiözese Gitega ein neues soziales und pastorales Zentrum mit Kirche, Pfarrhaus, Häusern für Ordensleute, verschiedenen Schulen und Gesundheitseinrichtungen in Bugendana.

Von München über Brüssel – wo ich gerade Zeit habe, ein paar Zeilen zu schreiben – geht es gleich weiter nach Bujumbura. Hier in Brüssel ist unser Team komplett geworden: Neben dem Eichstätter Finanzdirektor Domdekan Willibald Harrer und Domkapitular Prälat Dr. Christoph Kühn, dem Bischöflichen Beauftragten für die Weltkirche, ist noch Karl Frey, der Architekt, der für das Erzbistum Gitega die Kirche und den gesamten Masterplan des Sozial- und Pastoralzentrums „St. Willibald und St. Walburga“ entworfen hat, dabei.

Neu in der Runde ist Luc Karake, ein Ingenieur, der bei der Beschaffungsgesellschaft für kirchliche, caritative und soziale Einrichtungen (BEGECA) in Aachen arbeitet und Fachmann für regenerative Energien in Afrika ist. Mit ihm und Karl Frey werde ich einige Tage auf der Baustelle in Bugendana die Planungen und nächsten Schritte zusammen mit den Partnern aus dem Erzbistum Gitega, deren Entwicklungsorganisation ODAG und der Firma Agglobu, die die Kirche baut, besprechen und die entwickelten Lösungen zur Entscheidung bringen. Die Planung der regenerativen Energieversorgung für das Pastoralzentrum ist einer der Schwerpunkte dieser Reise.

Aber es geht auch wieder darum, das kirchliche und gesellschaftliche Umfeld dialogisch mit einzubinden. Deshalb stehen morgen unter anderem Termine beim deutschen Botschafter Bruno Brommer und bei der Nuntiatur auf dem Programm. Wenn es mit der Internetverbindung klappt, schreibe ich in den nächsten Tagen weitere Beiträge aus Burundi.

Entlang der Elbe durch das Partnerbistum Leitmeritz

Seit der Unterzeichnung des Partnerschaftsmemorandums der Diözesen Leitmeritz und Eichstätt im vergangenen Herbst sind verschiedene Gruppen bereits tätig geworden, um die Partnerschaft mit neuem Leben zu erfüllen.

Als erste, erkennbare Frucht ist für die Zeit vom 03. bis 5. Oktober 2014 eine offen ausgeschriebene Studienreise nach Leitmeritz für alle Interessierten in Planung. Gemeinsam mit Dr. Ludwig Brandl und Bernhard Michl, den beiden Hauptverantwortlichen für die diözesane Erwachsenenbildung, war ich zwei Tage im Bistum Leitmeritz unterwegs, um die geeigneten Gesprächspartner, kulturellen Einrichtungen, sowie das passende Hotel in Augenschein zu nehmen.


Obwohl ich bereits acht Mal in Leitmeritz war durfte ich wieder einige neue, sehr schöne Stellen in der Stadt und im Bistum entdecken. Mein persönliches Highlight war der Ort Melník mit seinem wunderschönen Schloss, den Weinbergen und dem Zusammenfluss von Elbe und Moldau. Das wird sicherlich die Herzen vieler Teilnehmer höher schlagen lassen.

Aber wir haben auch einen Blick in das dunkelste Kapitel unserer gemeinsamen Geschichte geworfen. Im ehemaligen Konzentrationslager Theresienstadt wurde uns sehr deutlich vor Augen geführt,  mit welcher unbeschreiblichen Grausamkeit die Menschen dort behandelt wurden. Von den 140.000 Gefangenen wurden rund 38.000 Menschen ermordet, weitere 90.000 sind von dort aus in Vernichtungslager nach Osteuropa gebracht worden. Auch dieses Kapitel werden wir bei unserer Studienreise nicht ausklammern.

Wir konnten auch einen Blick in die Zukunft werfen, genauer gesagt in einem Kindergarten in Trägerschaft des diözesanen Caritasverbandes. Es ist sehr ermutigend, dass die Tätigkeit der Caritas in weiten Teilen der tschechischen Gesellschaft so positiv aufgenommen wird. Das ist im wahrsten Sinne ein Wirken an den Rändern der Gesellschaft.

Mehr zum Thema: Partnerschaft Eichstätt-Leitmeritz

Erbarmungslose Rache im Südsudan-Bürgerkrieg

Was war es doch für eine Freude, als am 9. Juli 2011 die Menschen des Südsudans nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg ihre Unabhängigkeit von dem islamistischen Norden feiern konnten. Noch sind mir die Bilder der überschwänglichen Freude und der Feiern im Gedächtnis und ich habe mir damals gedacht: „So kann nur Afrika feiern“. Viel zu lange hat es gedauert, bis sich die vielen Stämme des Südens als Menschen mit Würde erfahren durften. Aber kaum zweieinhalb Jahre danach steht das 54. Land Afrikas wieder im Krieg. Dieses Mal nicht gegen einen gemeinsamen Feind, sondern die beiden großen Stämme, die Dinka und Nuer, stehen sich feindlich gegeneinander. Korruption, Nepotismus und Streit um die Macht haben den Konflikt hervorgerufen.

Seit dem 15. Dezember geht ein großer Riss durch die junge Nation. Bei einer Meuterei innerhalb der Armee, bei der die Soldaten vom Stamm der Nuer entwaffnet werden sollten, sind große Grausamkeiten geschehen. Im Nu kam es zu Massakeren selbst an der Zivilbevölkerung. Besonders betroffen waren die Leute vom Stamm der Nuer. Nicht alle schafften es, in die beiden Einrichtungen der Vereinten Nationen im Südsudan (UNMISS) zu flüchten. Dort sind jetzt rund 47.000 Menschen auf engstem Raum zusammengepfercht und warten auf ihre „Befreier“. So sind sie für die Regierung hier in Juba ein Risiko.

Zwar ist es in der Stadt zur Zeit einigermaßen ruhig, aber im ölreichen Norden, im Land der Nuer, dort wo die Haupteinnahmequellen des Landes liegen, dort wird mit der gleichen Brutalität vergolten und gekämpft wie zuvor in Juba. Hier vertreiben die Nuer die Dinka und alle „dinkafreundlichen“ Stämme. Denn Rache ist ein „Wert“. Wie so oft in Afrika werden Jugendliche aus den Cattlecamps (Hirtenjungen) für den Krieg als Kanonenfutter angeheuert, während die Reichen und die Politiker/die Militärs ihre Kinder im Ausland studieren lassen.

Seit zwei Wochen sind unsere Mitbrüder und die Comboni-Schwestern wieder in Juba. Fast drei Wochen waren sie im Busch, weil sie in der Missionsstation in Leer (Nuerland) nicht mehr sicher waren. Mit Pater Raimundo war ich jetzt zweimal in den Juba-Camps der Vereinten Nationen und wir haben die Flüchtlinge „im eigenen Land“ besucht. Erst nach einer strengen Personenkontrolle durfte man ins Lager. Die Menschen dort haben sich über unseren Besuch sehr gefreut, da ja doch einige von Leer oder Umgebung kommen und von P. Raimundo wissen wollten, wie es dort aussieht. Auch der ehemalige Bischof von Torit, Paride Taban, war mit dabei. Unermüdlich setzt er sich um Friedensgespräche ein, besucht Flüchtlingslager und auch die kleineren Volksgruppen, die in diesem Konflikt an den Rand gedrängt worden sind. Er ist hier eine Autorität und er ist der Einzige, so habe ich den Eindruck, der die Dinge beim Namen nennen kann. In den Sonntagslesungen in diesen Wochen spricht Jesus von der Feindesliebe und Pater Raimundo hat mich gebeten das Evangelium in Englisch zu lesen, nachdem er es schon in Nuer zuvor gelesen hat: „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn. Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin“.

Es war eine eigenartige Stimmung in mir, als ich den Text vorgelesen habe. Nur als Wort Gottes konnte ich es vortragen, selber hätte ich mir – angesichts der erfahrenen Brutalität – keinen Ratschlag geben trauen. Viele hier haben ihre Verwandten, Familienmitglieder, Hab und Gut, ja alles verloren. Bischof Paride hat dann in seiner Predigt gesagt, dass die erbarmungslose Rache das Land nicht nur blind und zahnlos macht, sondern auch irgendwann andere das Land bewohnen werden. Das waren starke Worte, die nur er sagen konnte. Gebetsmühlenartig hat er 20 Haltungen aufgezählt, die er sich selbst täglich zuspricht, um nicht in die allzu menschliche Spirale der Gewalt und Ablehnung des Nächsten zu geraten: Mit großer Innigkeit hat er aufgezählt und gleich viermal wiederholt: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Mitleidensbereitschaft, Sympathie, Freundlichkeit, Wahrhaftigkeit, Güte, Selbstkontrolle und Demut, Armut, Versöhnung, Barmherzigkeit, Freundschaft, Vertrauen, Einigkeit, Reinheit, Glaube und Hoffnung. Mit diesen Worten und dem Aufruf zum Gebet für die Nation hat der Bischof mit Pater Raimundo den Gottesdienst beendet.

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