Weihnachtspost aus Südafrika*

Sicher habt ihr in diesen Tagen auch viel über unseren ehemaligen Präsidenten Nelson Mandela gehört. Er war schon eine große, bewundernswerte Persönlichkeit, ein großes Vorbild für das ganze Volk. Beeindruckend war seine Demut, seine Menschlichkeit und dass er verzeihen konnte, nachdem er 27 Jahre hinter Gittern verbrachte. Aber das Leben geht auch nach Mandelas Tod weiter.

Wir schauen auf ein sehr ereignisreiches Jahr. Hier ein paar Schlaglichter: Im Mai fand in Mallersdorf (Landkreis Straubing-Bogen) das Generalkapitel der Mallersdorfer Schwestern statt und eine neue Generaloberin sowie neue Rätinnen wurden gewählt. Schwester Catherine, die über 40 Jahre in Vryheid* tätig und seit 1999 unsere Schulleiterin war, wurde ebenfalls als Rätin gewählt und flog Ende August mit der Ordensleitung zurück nach Deutschland, um ihre neue Arbeit daheim zu beginnen. Das war für uns alle hier in eine unerwartete Versetzung. Schwester Mpume hat die Schulleitung mit dem 1. August übernommen. […]

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Meine Erstklässler waren dieses Jahr besonders anstrengend mit schwierigen Verhaltensstörungen. Einige brauchten ständige Zuwendung und Aufmerksamkeit und es scheint mir immer mehr, dass die Kinder zu Hause wenig Disziplin erfahren. Viele Kinder erleben keine intakte Familie mehr. Leider übt das Fernsehen einen starken, negativen Einfluss auf die Kinder aus, davon bin ich überzeugt. Wenn dann unter den 30 Kindern gleich 8 -10 verhaltensauffällig sind, ist der Unterricht fast immer gestört. So bin ich sehr erleichtert, dass dieses Schuljahr überstanden ist und ich hoffe, nächstes Jahr werde ich viele nette Schüler haben.

In unserer Diözese Eshowe hat sich auch vieles ereignet. Am 15. Juni war die Verabschiedung der Benediktinerinnen von St. Alban, die 60 Jahre lang in ‘Little Flower’ in der Schule und im Internat segensreich wirkten. Am 23. Juni wurde der Benediktinerbruder Michael Saneesh, ein Inder, zum Diakon geweiht. Es war eine sehr würdige Feier und wir freuten uns alle mit ihm, dass seine Eltern gerade noch rechtzeitig das Visum bekamen und an der Weihe teilnehmen konnten. Er hat vier Jahre hier im Land studiert und wird nach Weihnachten in sein Priorat Kumily in Indien zurückkehren.

In der Diözese Kokstad warteten die Gläubigen über zwei Jahre auf einen neuen Bischof. Im März wurde Fr. Zolile Petros Mpambani SCJ ernannt und am 3. August fand die Bischofsweihe statt, mit Kardinal Napier aus Durban, zwei Erzbischöfen und etwa 30 Bischöfen, über 100 Priestern, viele Schwestern und unzähligen Gläubigen. Es war ein überzeugendes Fest des Glaubens, mit viel Tanz und Gesang.

Auch in Vryheid hatten wir eine große Feier. Am 17. August legten drei von unseren jungen Schwestern ihre Ewigen Gelübde ab. Die Feier war sehr lebendig und viele Verwandte und Gäste waren aus Nah und Fern gekommen, um mit den Schwestern diesen Tag zu erleben.

In unserer Pfarrei durften 12 Kinder ihre Erste Hl. Kommunion empfangen und sieben Jugendliche wurden gefirmt. Auch bei uns werden die Zahlen kleiner, aber unser Pfarrer Pater Victor Chavunga OSB von Malawi macht es immer sehr schön feierlich. Bei der Firmung sang unser Dekanatschor mit etwa 70 Mitgliedern, weil er auch 10-jähriges Jubiläum feierte. Sr. Dolorosa und ich begleiteten drei Lieder mit Gitarre. Ich sehe noch den Trommler vor mir, wie ihm das Wasser nur so den kahlgeschorenen Kopf herunterlief. Er hat sich selber eine Trommel gebaut: ein schwarzer Abfalleimer mit einem Autoschlauch überzogen, darüber auf einem Draht hat er Schellen aus Bierflaschendeckeln und zwei Stücke von einem Gartenschlauch dienen als die Schläger. Keine Angst! Das Ganze hört sich toll an!

Zum Schluss möchte ich meinen Breitenbrunner Strickerinnen danken und gratulieren, dass sie bereits seit 24 Jahre mit großem Eifer für Arme in unserem Land wunderschöne Decken stricken. Ein herzliches Vergelt’s Gott für all Eure Pakete!
[…]

*Auszüge aus dem Weihnachtsbrief 2013 

Eindrücke von meinem Aufenthalt in Deutschland

Zunächst möchte ich mich vorstellen: Ich heiße Pamela Tripailaf Lefio del Carmen, ich bin 34 Jahre alt und als Lehrerin mit dem Hauptfach Interkulturelle Bildung im Mapuche-Kontext tätig. Zurzeit lebe ich in der Stadt Temuco, Südchile. Ich bin verheiratet und habe zwei Kindern, ein Junge (Lienan, 9) und ein Mädchen (Liqenray, 5 Jahre), beide Mapuche-Namen sind eine Anspielung auf das Sonnenlicht.

Geboren wurde ich in der Mapuche-Gemeinde Trumpulo Chico, wo meine Eltern noch heute leben. Bis zum Alter von zehn Jahren wuchs ich in der Obhut meiner Großmutter auf. Als sie starb, kehrte ich zu meinen Eltern und meinen vier Brüdern zurück.

Ich hatte eine sehr schwierige Kindheit, zuerst wegen des Todes meiner Großmutter, die mich nach den Prinzipien und Werte der Mapuche erzogen hat. Danach kam die Krankheit meiner Mutter, was dazu führte, das ich nicht regelmäßige den Unterricht in der Grundschule besuchen konnte.

Nun, trotz all dieser Schwierigkeiten und zusätzlichen wirtschaftlichen Probleme, auch der gelegentlichen Gewalt in der Familie, habe ich es dankt meiner Großmutter geschafft, in der Stadt zu studieren. Zu Lebzeiten hatte sie – ohne meine Familie in Kenntnis zu setzten – ein Ehepaar in der Stadt beauftragt, mich anzunehmen und mir den Besuch der Sekundarschule zu ermöglichen. Glücklicherweise nahmen sie die Anfrage meiner Großmutter ernst und holten mich an einem Sommertag auf dem Land ab, damit ich in der Stadt zur Schule gehen konnte.

Ab diesem Tag konnte mich nichts und niemand aufhalten. Ich hatte viele Schwierigkeiten zu überwinden, und dabei dachte ich immer an die Lehre meiner Großmutter, dass man trotz allem, Hoffnung haben soll: „Wir müssen weitermachen.“ Zudem haben mir Menschen von der katholischen Kirche geholfen.

So habe ich die Sekundarschule abgeschlossen und konnte dann an einem Ausbildungsprogramm für Mapuche-Lehrer der Katholischen Universität von Temuco teilnehmen. Und so kam ich in die St. Vincent-Schule, wo ich derzeit als Lehrerin tätig bin. Bei dieser Arbeit geht es um die Vermittlung und Wiederbelebung der Mapuche-Sprache sowie um Einbeziehung von Wissen und Know-how der Mapuche-Kultur.

In diesem Zusammenhang berührte es mich, Schüler zu begegnen, die mich an meiner Situation, vor allem in meiner Kindheit, erinnern. Sie wollten studieren, konnte aber nicht, auf der einen Seite, wegen der wirtschaftlichen Situation und zum anderen, weil die Eltern weder Motivation noch Interesse hatten, ihre Kinder auf die Sekundarschule in der Stadt zu schicken. Außerdem bot die Schule nicht den geeigneten Raum, um die Schüler zum Weiterlernen zu motivieren, was mich dazu brachte, mehr außerhalb des Klassenzimmers aktiv zu werden. Ich besuchte freiwillig die Familien, um den Kindern bei ihren Schulaufgaben zu unterstützen. So wandte ich mich an Pater Fernando Diaz, der damit begann, Hilfe zu organisieren. Heute können wir einen kleinen Zuschuss für die Transportkosten der Schüler anbieten.

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Reise nach Deutschland

Als ich die Einladung von Adveniat für eine Reise nach Deutschland erhielt, war ich ein wenig beunruhigt, weil ich nicht wusste, was mich erwarten würde. Außerdem beschäftigte mich sehr  die Trennung von meiner Familie. Dennoch war es sehr wichtig, zunächst, um neue Orte kennen zu lernen und auch über meine Berufserfahrung in Mapuche-Gemeinden zu erzählen.

Aber vom ersten Moment an, als ich am Flughafen empfangen wurde, fühlte ich die Wertschätzung und die Liebe vor allem der Adveniat-Mitarbeiter. Was mich als erstes beeindruckt hat, war die Schönheit der Stadt, nicht so sehr der Häuser und Gebäude, sondern so viele Bäume und Parks in der Stadt zu sehen.

Später bei den Schulbesuchen bemerkte ich die Disziplin der Kinder, wie sie ihre Hände hoben und warteten, bis sie zum Sprechen an der Reihe waren, und das Interesse, das sie zeigten, mehr über die Mapuche-Kultur und ihr Land kennen zu lernen. Ich konnte Kinder sehen, die frei sind, ohne Angst zu sprechen. Auf der anderen Seite schätze ich die entgegengebrachte Liebe und das Interesse der Schüler: Einige blieben am Ende der Klasse, um noch etwas zu fragen oder einfach um mich zu bitten, meinen Namen auf ein Papier zu schreiben.

Bei den Besuchen in den Pfarreien fühlte ich mich gut aufgenommen von den Priestern und anderen Menschen, die zu meinen Vorträgen kamen. Ich war überrascht, dass einige bereits etwas über meine Kultur wussten, und ich habe keinen Zweifel daran, dass sie nach meinem Aufenthalt noch etwas mehr wissen.

Abschließend, möchte ich mich bei Adveniat für die Einladung bedanken, vor allem meiner Dolmetscherin Stefanie Hoppe, die mir bei all diesen neuen Erfahrungen in diesem fernen Land viel Sicherheit und Vertrauen vermittelte, vor allem als Lebenserfahrung und berufliche Entwicklung. Im Gegensatz zu meiner Vorstellung, die Deutsche seien distanzierte Menschen, habe ich viel Nähe, Herzlichkeit und sehr einladende Atmosphäre erfahren.

Danken möchte ich auch den Bischöfen, Priestern und Verantwortlichen der Gemeinden, die uns bei den endlosen Gesprächen begleiteten. Vielen Dank für die Einladungen, das Vertrauen und die Aufnahme.

Ich danke auch der Diözese Eichstätt für die Einladung, über meine Erfahrungen in Deutschland zu schreiben.

Ich bin zurück in meinem Land mit großen Hoffnungen und Herausforderungen in der Bildung von Mapuche- und Nicht-Mapuche-Kindern. Die Reise bedeutete eine Stärkung meiner Arbeit in der Schule vor allem mit den Mapuche-Gemeinden. Sie bestärkte mich in meiner Überzeugung, dass es notwendig und möglich ist, weiterzumachen in einem Bildungsprojekt, vor allem mit Kindern und Jugendlichen, um aus unserer Situation der Benachteiligung herauszukommen, um ausgehend von der Ausbildung unsere Identität als Mapuche aufrechtzuhalten und zu entfalten. Und das in einem schwierigen Kontext wie es die dominierende Gesellschaft und die Globalisierungsprozesse darstellen.

Übersetzung aus dem Spanischen: Geraldo Hoffmann

Mehr zum Thema: „Menschen der Erde“ – eine Mapuche in Eichstätt

Ukrainische Kirchen auf den Barrikaden

Zur gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Rolle der Kirchen in der Ukraine

Seit mehr als einigen Wochen protestieren viele Menschen in der Ukraine gegen die Entscheidung der Regierung und des Präsidenten, die Unterzeichung des seit langer Zeit geplanten Assoziierungsabkommens mit der Europäischen Union zu verschieben. Die Proteste setzten ein, nachdem offiziell erklärt worden war, dass die wirtschaftliche Situation in der Ukraine angeblich noch nicht erlaube, eine Öffnung und Annäherung an die EU zu wagen. Die Massendemonstrationen wurden wegen der Ereignisse in der Hauptstadt Kiew in der Nacht vom 30. November auf den 1. Dezember 2013 verstärkt. In jener Nacht haben Spezialeinheiten der ukrainischen Polizei „Berkut“ gegen 4.00 Uhr auf eine bislang noch nie zuvor gegebene Weise die auf dem Hauptplatz Kiews „Maidan“ demonstrierende Menschen, vor allem die studentische Jugend, brutal verprügelt und auseinander getrieben. Die erschreckenden Bilder der Gewaltanwendung gegen die friedlichen Demonstranten lösten die seit 2004 größte Welle des Protestes aus.

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Vergleicht man die gegenwärtigen Proteste mit der „Orangenen Revolution“ 2004, die sich gegen die massiven Wahlfälschungen richtete, kann man schon jetzt eine deutliche Akzentverschiebung erkennen. Während die Menschen damals eher auf eine bestimmte Gruppe von Oppositionspolitikern mit dem späteren Präsidenten Viktor Juschtschenko (2005-2010) an der Spitze setzten, protestieren sie heute vor allem für ihre Rechte, Freiheiten und Menschenwürde und nicht zuletzt für die Idee einer europäischen Ukraine.

In diesen Tagen macht sich auch die Aktivität der ukrainischen Kirchen bemerkbar. Es ist nicht verwunderlich, dass die Kirchen in solchen Krisensituationen ihre Stimme erheben, denn seit Jahren zeigen die Umfragen, dass sie in ihrem Ansehen gegenüber den staatlichen und anderen gesellschaftlichen Instituten weit überlegen sind. Eine der letzten soziologischen Befragungen vom 11. Februar 2013 bestätigt diesen status quo. Danach vertrauen den Kirchen 66,5% der Befragten.

Das hohe Vertrauen ist unter anderem dadurch begründet, dass es der politischen Elite, die in den letzten zwei Jahrzehnten an der Macht war, bis jetzt nicht gelungen ist, glaubwürdige und vor allem zukunftsfähige Entwicklungsperspektiven für die Ukraine zu entwerfen und wirksam umzusetzen. Wegen des permanenten Scheiterns der politischen Systeme und deren Unfähigkeit, eine dauerhafte Stabilität zu gewährleisten, werden die Kirchen als Institutionen angesehen, auf die man sich stützen kann. So ist die Kirche, besonders in den letzten Jahren, zu einem wichtigen Subjekt des gesellschaftspolitischen Lebens in der Ukraine geworden.

Die historisch bedingte Vielfalt der Kirchen in der Ukraine lässt es aber nicht zu, von einem kirchlichen Engagement im Singular zu sprechen. Die Kirchen stellen in den Beziehungen zum Staat keinen einheitlichen Organismus dar, sondern sind in verschiedene Konfessionen aufgeteilt. Die größte Gruppe unter ihnen bilden die orthodoxen Kirchen, die in drei selbständige Jurisdiktionen aufgespaltet sind: die Ukrainische Orthodoxe Kirche unter der Obhut des Patriarchats von Moskau (UOK MP), die Ukrainische Orthodoxe Kirche Kiewer Patriarchat (UOK KP) und die Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche (UAOK). Die  katholische Kirche setzt sich aus zwei katholischen Ostkirchen, die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche (UGKK) und die Griechisch-Katholische Diözese Mukachevo, sowie der römisch-katholischen Kirche in der Ukraine zusammen. Hinzu kommen unterschiedlich große Denominationen der evangelischen und evangelikalen Kirchen und Kirchengemeinschaften.

So uneinheitlich die ukrainische konfessionelle Landschaft ist, so unterschiedlich fielen auch die kirchlichen Positionen während der „Orangenen Revolution“ 2004 aus. Das kirchliche Verhalten bestimmten damals vor allem die politischen Sympathien der Mehrheit ihrer Mitglieder, die jeweils in zwei unversöhnte Lager – den pro-westlichen und den pro-russischen getrennt waren. Im Allgemeinen unterstützten damals die UGKK und die unabhängige Orthodoxie (UOK KP) die Anhänger von Juschtschenko und die UOK MP seinen Opponenten Viktor Janukovytsch.

Viele Kirchen – eine Stimme

Seit dem Anfang der gegenwärtigen politischen Krise lässt sich wieder ein erhöhtes kirchliches Engagement beobachten. In den Medien findet man eine Flut von kirchlichen Stellungsnahmen zur gesellschaftspolitischen Situation im Land. Bemerkenswert ist zunächst die Tatsache, dass die Kirchen im Vergleich zu 2004 darum bemüht sind, mit einer gemeinsamen Stimme zu sprechen. Eine wichtige institutionelle Rolle spielt dabei der Allukrainische Rat der Kirchen und religiösen Organisationen, der in den letzten Jahren immer stärker als Sprachrohr der Kirchen und der religiösen Organisationen in den Beziehungen zum Staat wahrgenommen wird. Dem im Jahre 1996 gegründeten Rat, dessen Hauptaufgaben in der Förderung des interkonfessionellen Dialogs und der Zusammenarbeit mit dem Staat bezüglich der Erarbeitung der Rechtsnormen in den Kirche-Staat-Beziehungen bestehen, gehören alle bedeutenden religiösen Gruppen der Ukraine an. […]

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Mehr zum Thema:
Maidan in Eichstätt
Die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche und die Demonstrationen auf dem „Maidan“

Maidan in Eichstätt

Am Mittwoch, den 18. Dezember, fand von 8 bis 16 Uhr am Eichstätter Marktplatz, wie in vielen anderen Städten der Welt, eine Solidaritätsaktion für die Protestierenden in der Ukraine statt. Sie wurde von einer Gruppe ukrainischer Studierender der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt organisiert und stand unter dem Hauptmotto: „Maidan, wir sind bei Dir“.

Die Veranstaltung hatte drei Ziele: Erstens ging es darum, alle Passanten und Interessierten über die aktuelle Lage und die Chronologie der Ereignisse am Maidan zu informieren. Ein zweites Anliegen bestand darin, die Menschen in Deutschland mit der Ukraine besser vertraut zu machen und Klischees abzubauen. Zu guter letzt wollten die Veranstalter, indem sie acht Stunden in der Kälte stehen, auch physisch ihre Solidarität mit den ukrainischen Demonstranten zeigen – in der Ukraine harren die Menschen nun schon seit einem Monat bei Temperaturen im zweistelligen Minusbereich aus.

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Die ukrainischen Studierenden hatten einen Stand mit Fahnen, Plakaten und Info-Flyer über die Ukraine und die Maidan-Bewegung gestaltet. Außerdem bestand die Möglichkeit, auf einem großen Plakat schriftlich oder bildlich Wünsche und Grüße an die ukrainischen Protestierenden zu hinterlassen. Dabei ist ein ermutigendes Kunstwerk entstanden, das schon bald auf den Weg in die ukrainische Hauptstadt Kiew geschickt wird. Das Interesse der Eichstätter Bevölkerung und der Studierenden war erfreulich groß. Zahlreiche Passanten blieben am Stand der Solidaritätsaktion stehen und brachten ihre Unterstützung für die Ukraine zum Ausdruck.

Von 14 bis 15 Uhr fand schließlich eine Kundgebung statt, bei der die ukrainische Hymne angestimmt und weitere ukrainische Lieder gesungen wurden. Außerdem wurden einige bewegende Ansprachen gehalten. So erläuterte der Rektor des Collegium Orientale, Domkapitular Msgr. Paul Schmidt, wie er die Situation in der Ukraine aus deutscher Sicht betrachtet. Der Vize-Rektor des Collegium Orientale, Dr. Oleksandr Petrynko, und Prof. Andriy Mykhaleyko von der Ukrainischen Katholischen Universität sprachen als Ukrainer zu den Versammelten. Givi Lomidze bekundete als Vertreter der georgischen Studierenden die Solidarität seines Heimatlandes mit der Ukraine. Die Veranstaltung endete mit einem auf Deutsch gesungenen Vaterunser für eine positive Lösung des in der Ukraine entstandenen Dilemmas und für eine friedliche Welt.

Die Studierenden, die diese Solidaritätsaktion auf die Beine gestellt haben, sind allen dankbar, die sich ihnen angeschlossen haben und die ihre Verbundenheit und ihr Interesse zeigten. Viele Eichstätter Bürger und Studierende erzählten, dass sie die Ereignisse in den Nachrichten verfolgten, und brachten zum Ausdruck, dass ihnen nicht gleichgültig ist, was in der Ukraine geschieht. Im Namen der ukrainischen Studierenden in Eichstätt und im Namen der ganzen Ukraine ergeht daher ein herzlicher Dank an Eichstätt!

Mehr zum Thema: Die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche und die Demonstrationen auf dem „Maidan“

Die Bedeutung des Friedenslichts für Betlehem

Mit einer 30-köpfigen Delegation von DPSG-Pfadfindern aus ganz Deutschland bin ich Ende Oktober nach Israel und Palästina gereist. Neben der Besichtigung der heiligen Stätten stand vor allem der Austausch mit Pfadfindergruppen vor Ort im Vordergrund. Nachdem wir in Tel Aviv einen Tag jüdische Pfadfinder besuchten, folgten vier Tage bei den katholischen Pfadfindern in Nazareth. Dabei besuchten wir auch den See Genezareth. In Nazareth trafen wir mehrmals die dortigen Pfadfindergruppen und tauschten uns über die Situation aus, sie zeigten uns die Sehenswürdigkeiten und bewirteten uns. Die Gastfreundschaft zeigte auch sich beim Mittagessen, das wir bei Familien in Gruppen genießen durften.

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Daraufhin reisten wir weiter nach Jerusalem und Betlehem hinter der Mauer auf palästinensischer Seite. In Betlehem wurden wir in Gruppen für vier Tage bei Familien herzlich aufgenommen. Wir besuchten auch eine Menschenrechtsorganisation, die uns auf die schwierige Lage in dem Konflikt hinwies und die Ungerechtigkeiten aufzeigte. Teilweise besitzen auch Christen israelische Pässe. Sofern dies nicht der Fall ist, haben sie lediglich eine palästinensische ID, welche jedoch nicht international anerkannt ist, was große Beschränkungen beim Reisen nach sich zieht.

Im Touristenbus passierten wir die Checkpoints problemlos. Bei den palästinensischen Autos bildeten sich dagegen lange Schlangen. Gerade auf palästinensischer Seite gibt es zahlreiche Proteste gegen die Mauer, die 11 Meter hoch ist und Betlehem von Jerusalem trennt. An der Mauer sind zahlreiche Bemalungen zu sehen, die von einer friedlichen Lösung träumen lassen.

Aufgrund der Vergangenheit des Staates Israel und dem großen Unrecht, das Juden angetan wurde, ist Sicherheit ist ein wichtiges Gut in Israel. Umso bedauerlicher ist es, dass im Heiligen Land eine Mauer entstanden ist und sich eine friedliche Koexistenz von Israel und Palästina sehr konfliktbehaftet gestaltet. Besonders negativ fiel mir der Siedlungsbau auf, da ganze Städte mit bis zu 15.000 Einwohnern ohne Genehmigung auf palästinensischem Gebiet gebaut werden. Leider sind auf beiden Seiten radikale Strömungen zu finden, so dass uns nur zu hoffen bleibt, dass die gemäßigten Kräfte beider Seiten zum Frieden finden werden.

Wir besuchten ebenso das Caritas Baby Hospital in Betlehem, dem auch unsere komplette Kollekte aus dem Friedenslicht-Gottesdienst in Eichstätt gespendet wird. Das Kinderkrankenhaus nimmt sich jedem Kind an – unabhängig von Religion, Nationalität oder sozialem Status. In diesem Krankenhaus arbeitete einer unserer Gastgeber und führte uns herum. Da man als Patient keine Gesundheitsversicherung braucht, ist das Krankenhaus auf Spenden angewiesen. Die Wichtigkeit dieses Krankenhauses wurde uns auch in der Familie bewusst, als der kleinste Sohn krank wurde. Eine Gesundheitsversicherung ist in den palästinensischen Gebieten kaum vorhanden.

Mit insgesamt fünf christlichen Pfadfindergruppen tauschten wir uns aus, spielten und informierten uns über ihre Situation. Wir wollen diese Partnerschaft ausbauen und versprachen uns gegenseitige Solidarität.

In Betlehem besuchten wir auch die Geburtsgrotte, den Ort, an dem jedes Jahr das Friedenslicht entzündet wird. Frieden wird von der Bevölkerung auf beiden Seiten gewünscht. Mit dem Friedenslicht wollen wir Hoffnung geben und uns gemeinsam für den Frieden an jedem Ort auf der Welt einsetzen. Wenn wir im Kleinen keine Mauern aufbauen, wird dies auch nicht im Großen passieren.

Mehr zum Thema: Friedenslichtaktion 2103 | Bildergalerie und Audio